Bangalore

Bangalore ist so eine Zwischenwelt. Weder richtig traditionell indisch, noch richtig westlich modern. Ich habe Megs Familie besucht, meine coolen Pandas 😀 der Name kommt daher, dass Megs und ich mal ein Selfie machen wollten und man anstatt ihrer Augen nur 2 schwarze Löcher im Kopf gesehen hat ^^
Die Gastfreundschaft ist riesig, egal wie lange ich bleibe, ich darf rein garnichts helfen. Ich würde ja gerne mitkochen, aber da es nicht geht, dass der Gast hilft, darf ich immerhin zuschauen.
Ich übernachte in Megs Zimmer und darf nicht nur, sondern soll sogar ausschlafen, weil sie selbst keine Frühaufsteher sind. Eine Tatsache, die mir seeehr entgegen kommt 🙂
Wir haben viele Freunde getroffen, sind in veganen Restaurants essen gegangen *-* und das wars auch eigentlich schon. Einmal sind wir in eine Schule gefahren, für die die Firma des Vaters den Auftrag, für alle 10000(!) Schüler Tüten mit Essen zusammen zu packen, um zu sehen, wiedie Arbeit voran geht. Und wie dievoranging. Nämlich garnicht. An dem Tag waren nur 5 Leute zum Packen da, und als wir kamen, haben 2 gemütlich gepackt, während die anderen 3 daneben standen und zugeschaut haben. Das ist dann wieder so ein Moment; in dem einem bewusst wird, warum wir in Deutschland etwas weiter sind. Effizienz ist irgendwie nicht so deren Ding. Auch, sich den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass die Arbeit leichter fällt. Von alleine kommt man da nicht drauf ^^
Wir haben 1,5 St mitgeholfen, Fahnen, die zusätzlich bestellt wurden, zusammenzubasteln. Das heißt, wir haben geschneiderte Flaggen auf Holzstiehle gesteckt und mit dem Tacker fixiert. Wobei sich Karan und Jharu (Bruder und Schwägerin) darüber lustig gemacht haben, dass ich schnell war und zu Karan, der uns mit dem Tackern eh hinterherhinkte, gesagt hat, dass er jetzt keine Pause braucht, wo wir eh nur noch 50 Fahnen fertig machen müssen. Da meinten sie nur „oh, die Deutsche muss immer schnell und ordentlich arbeiten“ ^^ was auch witzig war ist, dass das Pakistanflaggen sind (Pakistan und Indien stehen ja bis heute miteinander auf Kriegsfuß) und als ich gefragt, wozu die denn Pakistanflaggen brauchen, kam als Antwort „ich weiß nicht, vielleicht weil die besser zu der Farbe der Gebäude passt“ 😀 ist das nicht eine geile Antwort? Hey, die Indienflagge passt leider farblich nicht so ins Konzept, also lass uns mal eine mit blau und weiß nehmen. Oh, die von Pakistan passt doch, lass uns doch die nehmen“ ^^ Eine Logik. Und wiedermal stelle ich fest, dass die reine Anwesenheit in diesem Land so ist, als wäre man Zuschauer eines Comedyabends 😀

Dazu passt auch, dass wir auf einer großen Straße gefahren sind, deren Fahrbahnen durch ca. 30cm hohe, schmale Betonklötze geteilt war. Und irgendwo steht dann ein Auto quer dadrauf. Hat es wohl irgendwie geschafft, mit den Vorderrädern drüber zu kommen (vlt ein U-turn mit Schwung?) und dann hingen die plötzlich in der Luft. Etwa 9 Männer standen um das Auto rum und versuchten, es zurückzuheben.

Apropos Auto. Ein befreundeter Arzt hat einen Jeep und uns damit abgeholt. Hinten hatte der unter den Fenstern 2 Sitzbänke zum runterklappen und da haben wir es uns gemütlich gemacht. Gefühlt sind wir damit eine Rallye gefahren, zudem viel schneller, als man sonst in der Stadt voran kommt. Ein Blick auf den Tacho hat aber doch nur 50kmh gezeigt. Wir haben andere Freunde abgeholt und sind schließlich zum Dessert essen gefahren. Das ist hier auch so ein Ding. Um 11Uhr abends fährt man noch wohin, um zusammen Desserts zu essen. Wir sind erst zu einem veganen Restaurant, haben da Schokocremekuchen geholt und dann zu einem Waffelladen, wo die anderen verschiedene Waffelkreationen probiert haben.  An einem anderen Abend sind wir zu ner Eisdiele gefahren, die eigentlich Biereis hätten haben sollen, was aber nicht da war. Dafür gab es Sorbet und andere leckere Sorten und die Eisdiele hatte eine große Schaukel! Das war eigentlich das Highlight des Abends. Um Mitternacht mit nem Eis in der Hand schaukeln. Juhu!
Die Freunde haben auch alle festgestellt, dass ich irgendwie im falschen Land geboren wurde

(trinkt kein Bier, hasst Fußball, ist keine Würstchen und auch sonst fast nichts aus der deutschen Küche..), und als der Jeepfahrer mir auf dem Rückweg dann erzählt hat, dass er mal ein Monat Austausch von der Uni in Deutschland gemacht hat, in Dresden, hab ich das Deutsch sein komplett vermasselt. Ich habe nicht verstanden, von welcher Stadt er spricht (er hat Bräsbm gesagt), bis er es gegoogelt und mir gezeigt hat. Und als ich auch von den anderen Städten, die er kennt, keine auf Anhieb kannte (er hat sie wirklich komisch ausgesprochen), hab ich meine Glaubwürdigkeit als Deutsche vollkommen verloren ^^

Was ich etwas komisch finde ist, dass in der Religion Frauen, die ihre Tage haben, nichts in der Küche un dem Wohnbereich berühren dürfen (außer dem Geschirr natürlich, auf dem das Essen serviert wird). Daran halten sich nur sehr gläubige, wie Megs Mutter. Sie fasst nichts von dem an, was eine Frau in der Zeit berührt. Das heißt, man kocht in der Zeit nicht, isst in seinem Zimmer und hält sich nicht im Wohnbereich auf. Was ich als komisch und irgendwo auch diskriminierend empfinde, sieht Jharu aber zum Beispiel als gut an, weil sich die Herren des Hauses immer von den Frauen bedienen lassen und sie von der Last, sowie davon, kochen und putzen zu müssen, wenigstens ein paar Tage im Monat befreit sind. Und wenn man es so sieht, klingt das auch garnichtmal so schlecht.
Wobei das natürlich nur die Familien umsetzen können, die noch mindestens eine andere Frau im Haushalt haben, die in der Zeit den Haushalt alleine führen und in deren Haus es genug Platz zum Ausweichen gibt.

Noch so eine typisch indische Sache ist, seine Freunde anderen Freunden als wahre Helden zu präsentieren und stolz deren Lebensgeschichte erzählen, als wäre es die eigene. Sämtliche Cousins/Cousinen, Freunde und Tanten haben also erfahren, dass ich mit nur 21 Jahren  Knochenmark gespendet iund das auch noch, ohne begleitet zu werden, schon ein knappes Jahr alleine in Indien gelebt habe und dort so viel gereist bin, dass ich mehr von Indien gesehen habe, als sie selbst (zwingendermaße folgt von mir eine Aufzählung sämtlicher Orte, die ich besucht hane, gefolgt von der Anekdote, dass sie letztes Jahr mit mir nach Hampi sind, und ich sie am Ende rumgeführt habe, weil ich schonmal da war und sie nicht), dass ich Bauingenieurwesen studiere, alleine in einer fremden Stadt lebe und meine Eltern nur etwa 5x im Jahr sehe. Das wurde jedes mal in ziemlich genau in dieser Reihenfolge runtergerattert und am erstaunlichsten ist die Knochenmarkspende und die Tatsache, dass ich meine Eltern so selten sehe. Die Freunde in Bangalore sind zwar schon ziemlich modern, aber so unabhängig vom Elternhaus konnte sich keiner von ihnen das eigene Leben vorstellen. Die Familienstruktur ist die gleiche, auch wenn viele eine Beziehung führen und sich später ihren Partner zur Hochzeit selbst aussuchen dürfen.

Insgesamt war es ein ziemlich witziger Kurztrip und ich bereue, nicht länger geblieben zu sein. Heute Mittag bin ich wieder zurück nach Varanasi geflogen (alle meine Taschen hab ich auf Anhieb erhalten) 🙂 und jetzt mach ich mir hier noch ein paar entspannte Tage, bis es Anfang September wieder nach Augsburg geht.

LG Julia

Grundregeln des Verkehrs und orangene Adidashosen

Es ist soweit. Genau 10 Tage habe ich es geschafft, in nichts ekliges reinzutreten, das ist nicht schlecht, aber hätten auch mehr sein können. Diesmal war es aber kein Kuhmist auf der Straße, sondern ich war im Musikladen im 1. Stock vom Freund von Nitin, wollte was holen und zack lag auf dem Fußabtreter ein Haufen, den ich auch im Dunkeln problemlos orten konnte. Mit dem Fuß. Da es in dem Haus keine Hunde gibt, schätze ich, ein Affe hat sich durchs Fenster oder ein Hund die Treppe hoch geschlichen. Nichtmal heilige Kuhkacke war es. Im Ranking der Scheißehaufen würde ich also sagen, habe ich einen der schlechtesten erwischt.

Vorhin bin ich in der Schule gewesen und habe eine große Ladung Klamotten für die Kindergartenkids mitgebracht. Die Lehrer waren neidisch, sie wollten auch welche haben. So klein sind sie dann aber doch nicht, dass sie da reinpassen würden ^^
Zusammen haben wir geschaut, wer was am ehesten braucht und ob die Größen passen. Bis zu dem Moment, als es hieß „lelo“ (=nimm es), waren sie toternst, bis sie dann verstanden haben, dass es jetzt ihnen gehört 🙂 dann sind sie mit einem Lächeln und „thank you, mam“ auf ihren Platz im Sitzkreis zurückgegangen 🙂
Bei denen, die keine Klamotten mehr abbekommen haben, war die Enttäuschung natürlich riesig, aber ich habe schon angekündigt, dass ja vielleicht nächste Woche bei der nächsten Ladung was für sie dabei ist.

Heute Nachmittag hab ich mich dann auf den Weg zum Flughafen gemacht, mit einem Tuktuk. Dabei habe ich ein paar Theorien zu existierenden Regeln im Straßenverkehr aufgestellt:
1. Wer nicht hupt, existiert nicht
Die Fahrzeuge scheinen eigenständig über Hupen und Klingeln zu kommunizieren. Bsp: Hup-Huuuuuuup =aus dem Weg (für von hinten angerast kommende)
Huuuuuuuuuuuup =verpiss dich, ich will vorbei
Antwort: Hup =krieg dich mal wieder ein, sobald ich kann, fahr ich zur Seite (meist begleitet von einem genervten Rückblick des Fahrers)

2. Fahr so, als würde hinter dir niemand mehr kommen
Auf Verkehr vor UND hinter dem eigenen Fahrzeug achten? Da haben die Inder eine effizientere Methode. Wenn jeder nur darauf achtet, was vor ihm passiert, ist schließlich auch alles mit Aufmerksamkeit abgedeckt.

3. Verkehr in Indien ist wie diese Spiele auf dem Handy, wo jemand rennt und man ihn lenken muss, weil ständig was den Weg behindert. Nur, dass es bei dieser Reallife-version leider keine Münzen zu sammeln gibt. Da gibt es also noch Optimierungsbedarf.

4. Rangfolge der Verkehrssignale: Polizist-ich
Ampel? Schild? Ist ja schön und gut, dass man so Arbeitsplätze schafft, aber wenn kein Polizist in der Nähe ist-wieso genau soll ich mich dann an irgendwelche Regeln halten? Die kommen ja schließlich nicht von den Göttern.
So als Info nebenbei, dafür gibt es aber für alles einen Gott. Zum Beispiel nämlich für den Verkehr 😀 einmal hab ich Megs zum Spaß gefragt, ob es denn einen Spinatgott gebe. Und ihre Antwort war nicht etwa ein lächerliches nein, sondern „weiß ich nicht, ich kenne keinen. Aber ich frag mal meine Mutter. Auf jeden Fall gibt es aber einen für Obst und Gemüse“. So viel dazu.

Egal, wo man so langläuft, man begegnet ständig seltsamen Kreaturen. Sadhus (Gläubige, die allem irdischen abschwören und vom Betteln leben), die ihre 1000 Ketten mit heiligen Perlen tragen, die Haare lang, meist als Dreadlocks in wirren Zöpfen. Orange ist die Farbe der Götter, sie tragen also nur die Farbe, und jetzt kommts: haben diese Geschöpfe einfach eine knallorangene Sporthose, mit weißen Streifen wie die von Adidas.
Jungs, die in Körben eine Schlange transportieren und von Touristen Geld wollen, wenn sie sie zeigen. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die Touris, die denen Geld geben, das nur machen, damit der Junge schnell wieder verschwindet.
Schaufesterpuppen, die aussehen, als würden sie jeden Moment Amok laufen oder sich zumindest von einer Brücke stürzen würden, wenn sie denn könnten. Wie man als Bekleidungsgeschäft so seine Klamotten an den Mann bringen will, ist mir schleierhaft. Aber mir ist eh so einiges schleierhaft hier.
Polizisten, die mit den Fingern eine

Pistole formen und damit pseudomäßig auf Leute schießen, die in ihren Augen an der falschen Stelle stehen oder sonstwas falsch machen. Autoritätsperson? Naja, vielleicht ist das Verständnis der Rolle der Polizei hier ja ein anderes. Manche sitzen an ihrem Stand der Verkehrsleitung auch einfach gelangweilt am Smartphone oder lesen Zeitung. Und dann gibts noch die, die die Bankautomaten bewachen. Das sind eh die besten. Treiben sich den ganzen Tag bei den nächstliegenden Geschäften rum oder hängen im 4qm Raum des Automaten ab. Und diese Miniräume sind jeweils mit 2!! Klimaanlagen ausgestattet, die immer auf Temperaturen unter 20º gestellt sind. Damit man auch gleich merkt, dass hier was anders ist beim Reinkommen. Das sind so Schocksekunden, dann beginnt der Körper beim Abheben des Geldes die neue Temperatur viel besser zu finden und schon muss man wieder raus und die Hitze erschlägt einen. Yeah!
Und dann gibt es noch die mutigen. Die, die ihr Gewehr wie einen Stehhocker verwenden. Mit der Öffnung in Richtung Arsch. Das sind die wahren Helden hier 😀
Mit den Affen stehe ich übrigens (noch) nicht auf Kriegsfuß (Autocorrekt schlägt vor: Unistress^^), da sie bis jetzt weder was nach mir geworfen haben, noch auf Wellblechhütten springen und mich damit wecken. Liegt aber auch nur daran, dass in unmittelbarer Nähe meines Gasthauses keine Wellblechdächer sind.
Die Kühe sind auch in Ordnung. Es sind andere, die ich nicht kenne, soweit ich das aber bis jetzt beurteilen kann, haben sie alle ein ruhiges Gemüt.
Ein Hund auf der Straße findet mich klasse und setzt sich ständig neben mich, wenn ich bei Nitins Shop bin, dafür gleicht das ein anderer aus, der bei Milis Wohnung ist. Der hasst mich und kläfft nur, wenn er mich sieht.

Ich dachte ja, ich werde garnicht viel schreiben können, weil Varanasi ja mittlerweile nicht mehr so neu für mich ist. Von wegen. Gesprächsstoff hierüber gibt’s immer ^^

Ich sitze gerade im Flieger, wenn ihr das lest, bin ich gut in Bangalore angekommen 🙂
Bis demnächst,
Julia

Geschenke und eine neue Freundin

Hallo zusammen,

Mein Gepäck ist tatsächlich gekommen! Und zwar, wie vorausgesagt am Dienstag. Dienstag Nacht um 11 um genau zu sein und natürlich fehlen ein paar Kleinigkeiten meiner Reisetasche. Das ist insoweit ärgerlich, dass es sich dabei hauptsächlich um Souvenirs aus Spanien handelt, die ich von Megs ihrer Familie in Bangalore bringen sollte.
Aber hey, ich hab mein Gepäck wieder! Jedenfalls den Großteil 😀

Die Tage bin ich in die Schule gegangen, um meiner verrückten Bande Kids Hallo zu sagen und Geschenke vorbeizubringen. Obwohl sie die Geschenke noch nicht erhalten haben, haben sie sich auch ziemlich gefreut, mich zu sehen 🙂
Und es hat sich was verändert. Sie sind nicht mehr pausenlos am Kämpfen und sie bedanken sich mittlerweile, wenn man ihnen das Mittagessen serviert. Da haben die Lehrer also ein kleines Wunder vollbracht! Es sind einige neue Lehrer da, die mir recht kompetent erscheinen und denen daran liegt, ihren Schülern was beizubringen.

Im Gasthaus habe ich übrigens eine kleine Mitbewohnerin. Mich kommt regelmäßig eine kleine Maus besuchen, die sich gern in meinem Rucksack versteckt. Letzte Nacht ist sie mir im Schlaf über den Kopf gelaufen, hab sie noch wegrennen sehen. Ich schätze also, ich bin ein mehr oder weniger geduldeter Zeitgenosse in ihrem Reich 😀 die Türen sind so verzogen, dass es für sie ein Leichtes ist, unten durch zu krabbeln und ich habe 2 nichtverschließbare Fenster, durch die sie auch immer gerne mal hereinspaziert. Ich habe sie Sophie getauft, sie ist jetzt meine Freundin.
Weil mein Gepäck so arg verspätet ankam, habe ich laut Internetseite der Airline Anspruch auf Geld, um mir Klamotten zu kaufen. Da ich aber nicht wirklich welche brauche, hatte ja eine Hose und 2 Oberteile, die ich immer nachts gewaschen und trockenen lassen habe, bin ich mit Mili für sie und ihre 2 Schwestern Klamotten shoppen gegangen 🙂 sie haben sich gefreut und mich macht das glücklich.
Außerdem habe ich Meena und ihren Kindern gestern Geschenke vorbei gebracht und sie und ihr Sohn haben sich riesig gefreut. Ihr Sohn hat sich hauptsächlich über einen dicken, 50cm langen Bleistift mit Autos drauf gefreut, nachdem Meena seine Geschenke erst versteckt und ihm ihre neue Tasche präsentiert hat. Zu ihm (8) meinte sie dann, dass ich dieses Jahr leider nichts habe, woraufhin seine Welt zerstört war, bis sie ihn ausgelacht und seine Geschenke gegeben hat.
Dann meinte sie, er soll mir dafür einen Kuss geben und er gibt seinem Bleistift nen Kuss ^^ er nennt mich übrigens Maasli, so nennt man enge Freundinnen/Schwester der Mutter, die wie eine weitere Mutter sind. Das Wort erinnert stark an Matshli (=Fisch), deshalb find ich den Namen jetzt nicht soo genial ^^
Mit den beiden war ich auch einkaufen, wir sind zum Big Bazaar gefahren, ein großer Laden mit Kleidung, Technik, allem was man so im Alltag benötigen könnte und Lebensmitteln. Das ist so ein inmovatives Teil, wo man nicht vor dem Laden an ner Theke steht und bedient wird, sondern mit Einkaufswagen durch die Gänge läift. Meena war zum ersten mal in so einem Laden und begeistert. Überall gab es kleine Rabatte und sie hat gefühlt den halben Laden kaufen wollen, obwohl es die meisten Sachen auch in den lokalen Shops gibt und nur Rabatte im Centbereich gab.

Immer, wenn ich die Gassen entlang laufe, fragen mich die Shopbesitzer, wie lange ich bleibe und wo denn meine Familie sei. Ich sag dann, dass ich bis September bleibe und dass meine Familie arbeiten muss und nicht kommen kann. Was die Leute immer wundert. Da fällt mir ein. Als ich Meena und Aditya einkaufen war, hat sie die Riksha bezahlt, weil ich ihr davor die Geschenke gegeben hab und als wir nach langer Suche endlich wen gefunden haben, der uns zum normalen (anstatt bis zu 10x teurerem) Preis mitgenommen hat, kackt der Meena am Ende auch noch an, was das soll, dass sie bezahlt, wo ich reiche Ausländerin dabei bin. Sie hätte zu nem teureren Preis fahren sollen und einfach mich zahlen lassen. Was genau sie geantwortet hat, hab ich nicht verstanden.

Aber das ist schon süß hier. Indien hält mich für ne reiche Prinzessin, die Geld scheißt und alle wollen, dass ich ihnen Sachen schenke/sie einlade und meine Freunde, die es echt nicht leicht haben, über die Runden zu kommen, laden mich immer ein und lassen mich nicht bezahlen. Meena kauft dann Saft und kocht, Milis Familie genauso und Nitin lädt mich pausenlos auf einen Tee und zum Essen ein. Und das, wo er gerade genug verdient, seine Eltern und sich zu versorgen und einen weiteren Job angenommen hat, um Milis Schwestern Tanzunterricht zu bezahlen. Er hat ein riesiges Herz und da ich seine kleine Schwester bin, lädt er auch mich ein. Und weil er den Leuten immer sagt, dass sie von mir kein Geld nehmen dürfen oder schon selbst gezahlt hat, hab ich garkeine Chance. Am Anfang hab ich mich schlecht gefühlt, aber ich lad dann halt die Mädels ein (wobei sie sich auch nicht gern von mir einladen lassen, weil Nitin ihnen gesagt hat, dass ich Studentin bin und kein Geld habe. Dabei ist für mich immernoch fast alles ziemlich günstig hier). So schließt sich der Kreis wieder.

Es ist momentan verdammt schwül, zwar nur 30º, aber eine Luftfeuchtigkeit von 88%. Unter dem Ventilator geht’s, aber in den Gassen geht so gut wie kein Wind und man muss sich auch noch bewegen, um da rauszukommen…^^

Ich geh dann mal essen, bis dann!
Julia

Von Teppichen und Kreativität

Hey, ich hab richtig gute Nachrichten. Ich hab herausgefunden, wie man kalt duschen kann 😀 es gibt 2 Hähne, aber egal, welchen ich aufgedreht hab, es kam immer warmes Wasser raus. Und weil die ja immer schwarze Wassertanks auf ihren Dächern haben, bin ich davon ausgegangen, dass es nur warmes Wasser gibt. War jedenfalls in jedem anderen Gasthaus und in der Schule so. Total angenehm, weil man im Winter bei 5º eiskaltes Wasser hatte und immer Sommer bei 45º heißes. Aber dieses Gasthaus hat seinen Wassertank wohl irgendwo vor der Sonne versteckt, jedenfalls muss man nur lange genug warten, bis kühles Wasser kommt 🙂 voll genial! Das war meine Entdeckung des Tages 😀

Außerdem hab ich was über Drogen rausgefunden. Also wieso das hier so problemlos und viel konsumiert wird, obwohl man für den Besitz und Konsum ins Gefängnis kommt. Und Gefängnis in Indien ist nochmal ne andere Nummer, allein deshalb sollte man es nie riskieren.
Hab erfahren, dass die großen Dealer einen Teil ihres Gewinns der Polizei geben und zack, ist die Sache geklärt. Eigentlich ziemlich einfach und da hätte ich auch so drauf kommen können. Apropos Korruption. Ich dachte immer, dass Indiens Flughäfen alle mit Teppich ausgestattet sind (mal ehrlich, wie bescheuert ist das denn bitte? Am Flughafen, wo man kilometerlang Koffer hinter sich herzieht, meinen die plötzlich ‚Hey so ein kackbraun-beige gemusterter Teppich ist doch voll toll. Lass uns mal den ganzen Flughafen damit belegen. Dann sieht man auch nicht, wenn wer drauf kotzt.‘ Abgesehen davon, dass es scheiße ist, einen Koffer mit Rollen über Teppichboden zu ziehen, will ich garnicht wissen, wie oft und vor allem wie gründlich die den reinigen…), weil da irgendwer von der Teppichindustrie ne Menge Einfluss hat oder wen bezahlt. Aber Megs, meine indische Freundin in Deutschland meinte, dass Teppich nobel ist und die Inder damit protzen wollen. So à la „schaut her, wir sind so nobel, dass wir sämtliche internationalen Flughäfen des Landes mit ultrahässlichem Teppich auslegen können. Da schaut ihr, was?“ Joa. Ne scheiß Idee war das.

Oh und da fällt mir noch was ein, ich glaube aber, dass ich das schonmal erzählt hatte. In den meisten Städten gibt’s ne Menge Affen und die sind ein Problem, wenn sie nachts in ihren Gangs um die Dächer ziehen.
Varanasi hatte da so eine ganz innovative Idee, das ganze anzugehen. Und zwar gibt es im Dschungel große Affen mit schwarzer Haut (wenn die stehen, sind sie etwa so groß, wie wir, können also nicht ganz ungefährlich sein, wenn sie irgendwo Essen sehen), und die kleinen Affen in der Stadt haben Angst vor denen. Und da dachte sich so ein ganz schlaues Köpfchen „lasst uns die großen Affen in die Stadt holen, dann verschwinden die kleinen bestimmt alle ganz schnell“
Manchmal beneide ich Inder ja für ihre Art,  Probleme mit kreativen Ansätzen anzugehen. Ihr Selbstvertrauen und ihren Mut, sowas auch noch durchzuziehen. In dem Fall trat natürlich das unvorhergesehene ein: jetzt gibt es große und kleine Affen. Well played, Varanasi!
Ist das nicht genial? Irgendwie ist die Politik wie eine Comedyshow. Man muss einfach drüber lachen. Man muss sie einfach gern haben.

Aber ich will ja nicht nur Schlechtes beschreiben. Tatsächlich haben mir Freunde nämlich gestern stolz erzählt, dass ihr Premierminister eine ausgefuchste Idee hatte, sämtliches Falschgeld vom Markt zu holen und gleichzeitig ne Menge Leute wegen Steuerhinterziehung dranzukriegen:
Der 500Rs Schein wurde über Nacht als ungültiges Zahlungsmittel deklariert. Innerhalb von 50Tagen konnte man ihn aber bei der Bank gegen neue austauschen. Dabei wurde registriert, wer wie viel umtauscht-um wegen Steuern nachzuhaken. Außerdem wurden auch die gefälschten Scheine angenommen, weshalb die Geldfälscher ne Menge Falschgeld zur Bank brachten und damit aufgeflogen sind. Die etwas schlaueren Leute haben ihre Ersparnisse armen Leuten gegeben, sie sollten das Geld für sie (gegen eone Zahlung) einzahlen. Dafür wurde einige Monate vorher ein Gesetz erlassen, das die Banken verpflichtet, jedem ein kostenloses Girokonto zur Verfügung zu stellen. Sobald also die Leute, die Monate lang kein Geld auf dem Konto hatten, plötzlich riesige Summen einzahlten, war auch das ziemlich auffällig. Sie wiesen auch jeden an, der Geld eingezahlt hat, es niemand anderem auszuzahlen, da es rechtsmäßig jetzt ihnen zustehe.
Und zuguterletzt waren in der Zeit die Goldpreise ca 15%höher, sodass auch dieser Tausch wenig lukrativ war.
Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube es waren 300’000’000’000Rs Falschgeld unterwegs. Entspricht ca 430Mio €.
Eine Menge Leute wurden festgenommen, das ist ihnen also wohl echt gut gelungen.
Und meine Freunde haben sich gefreut, wie noch was 🙂
Blöd war nur, dass dadurch ein paar Wochen die Wirtschaft lahmgelegt war 😀 aber darüber kann msn dann auch wegsehen.

Das wars auch schon von meinen neuen Erkenntnissen 😀
Ich finds super, wieder hier zu sein 🙂

LG Julia

 

PS: mein Gepäck soll morgen geliefert werden. Ihnen ist doch noch aufgefallen, dass heute ja Festival war ^^

Indien 2017

Hallo zusammen!
Ich dachte, wo ich wieder im wundervollen Varanasi bin, könnte ich ja eigentlich auch den Blog weiterschreiben: et voilà

Die Reise ist am Dienstag Nachmittag losgegangen, aber das Spektakel hat eigentlich schon eine Woche früher begonnen, nämlich das große Kofferpacken. Ich selbst brauche nicht viel, weiß ja mittlerweile auch, worauf ich mich einstellen muss und was ich brauche. 6 Kurtas (diese langen Blusen) und ein paar Hosen/Leggins und meinen Kulturbeutel, die Kamera und ein Kissen fürs Flugzeug. Das passt auch alles ins Handgepäck, in den 2 Koffern (Oman Air erlaubt 2 Koffer mit insges. 30kg) befinden sich Mitbringsel 🙂 viele Mitbringsel.
Für meine Freundinnen habe ich Ohrringe besorgt, für Nitin (meinen Bruder) einen Glücksbringer aus Holz, für Meena, meine Lieblingshennamalerin eine Handtasche und ihre Kinder bekommen Klamotten und ein paar Spielsachen, und der Rest vom Koffer ist gefüllt mit Kinderklamotten und Schreibsets, sowie ein paar Lernspiele für die Kids in der Schule. Für wen das alles genau ist, weiß ich auch noch nicht, das sehe ich, wenn ich da bin und mitbekomme, wo was benötigt wird.
Ich hab in der vergangenen Woche angefangen, gebrauchte Klamotten zu besorgen. Und an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an Max, seine Familie und Freunde, die mir im Endeffekt so vieles gegeben haben, dass ich einen kleinen Teil wieder rausnehmen musste und beim nächsten mal mitbringe 🙂

Heute Nachmittag ging es dann mit 2 Handtaschen, 1 Rucksack und 2 Koffern mit der Tram zum münchener Flughafen. Bei 30º war das schon ein ganz guter Einstieg, nicht dass ich erst in Indien von der Hitze überrascht würde ^^
Die Bahn hatte Verspätung, aber ich war so früh da, dass ich eine frühere bekommen habe (das mit der Pünktlichkeit hab ich mir wieder einigermaßen antrainiert). Check-in, Security-Kontrolle, alles lief unerwartet problemlos, im Flugzeug schreib ich noch Freunden, dass jetzt nichts mehr schief gehen kann, ich sitze immerhin im Flieger. Denkste 😀 als ob alles nach Plan verlaufen würde, wenn ich am Flughafen bin… wegen des Unwetters warten wir noch ne Stunde bis zum Abflug, rollen auch erst ewig, dass schon beinah die Vermutung nahe liegt, dass der Flieger sich einen Weg über die Autobahn sucht, statt endlich abzuheben.
Und kaum heben wir ab, beginnt der Spaß erst so richtig. Anscheinend habe ich was falsches gegessen, jedenfalls war ich den gesamten Flug über damit beschäftigt, mir nochmal alles durch den Kopf gehen zu lassen. Im zweiten Flug genauso, aber immerhin waren die Stewardessen super lieb und haben mich mit allem nötigen versorgt.

Und wo wir endlich landen und ich einfach nur zum Arzt will, kommt mein Gepäck nicht. Eine Frau vom Gepäckschalter meint, dass haben sie irgendwo verloren, aber es ist noch irgendwo im System drin. Sie holen es nach Delhi und schicken es mir dann weiter nach Varanasi.
Also ohne Gepäck weiter, ein Freund holt mich ab und fährt direkt zum Arzt mit mir. Da werd ich freundlicherweise vorgelassen, da ich in ein paar Stunden mit dem Nachtzug nach Varanasi will. Und will heißt in dem Fall leider muss, ich würde einfach nur schlafen (mittlerweile seit 30h wach, konnte die Nacht nicht schlafen..) aber die nächsten Tage gibt es keine Zugtickets mehr nach Varanasi, also bleibt mir keine andere Wahl, als den zu nehmen. Da ich ja jetzt Medikamente bekommen habe und hoffe, einfach nur durchzuschlafen, denke ich, dass es machbar wird.
Ist es dann auch, ich steige ein, leg mich direkt schlafen, stell mir den Wecker und lass meine Mitfahrer wissen, wo ich raus muss, damit die mir dann Bescheid geben.
Bis auf den blauen Flecken an der Hüfte (Bequemlichkeit stand wohl nicht auf der Checkliste der Leute, die den Zug gebaut haben) war auch alles gut. Hab viel geschlafen und die Station nicht verpasst. Wobei ich beleidigt war, dass meine Mitfahrer mir nichts gesagt haben, sondern ich gefragt habe, ob das Varanasi ist und sie erst dann ja gesagt haben. Wäre das überall ausgeschildert, wäre es ja nicht zu viel verlangt, dass ich mich selbst darum kümmere, wann ich wo aussteigen

muss. Aber so, wo am gesamten Bahnhof 2 Schilder in englisch hängen, und mein Abteil natürlich nicht direkt vor einem Schild stehen geblieben ist, ist es nicht umbedingt ersichtlich, wo man ist. Wenn man hindi nicht lesen kann. Und sonst haben mir meine Mitfahrer immer ganz eifrig gesagt, wenn ich raus muss. Diese waren also eher enttäuschend. Aber gut. Bin ja angekommen.

Mit der Autoriksha nach Bengali Tola gefahren, der Stadtteil wo ich ein Gasthaus suchen werde. Auf dem letzten Kilometer können keine Rikshas fahren, weil der Weg zu schmal ist, und kaum lauf ich los, renn ich Meena in die Arme, die gerade ihren Sohn zur Schule bringt 🙂 sie war vollkommen überrascht, mich zu sehen (hat kein Internet und weder sms, noch Briefe kommen an), ich hab mich riesig gefreut, sie zu sehen.

Tja, die nächsten 2 Tage verbringe ich damit, meine besten Freunde zu treffen und einfach nur im Bett zu liegen mit nem Buch in der Hand.

Eine Sekunde hatte ich bereut, nach Indien geflogen zu sein. Das war in der Hektik, zwischen Arzt und Nachtzug in Delhi (Delhi mag ich nicht), weil es mir scheiße ging. Und da will man halt am liebsten in der Heimat sein und nicht am Arsch der Welt bei Leuten, die man nur wenig kennt.
Aber jetzt, So Abend ist wieder alles gut. Ich bin fast fit, nur noch leicht geschwächt, woran die übermäßig schwüle Hitze nicht ganz unbeteiligt ist.

Mein Gepäck wird angeblich morgen gebracht, das glaub ich aber auch erst, wenn ich es vor mir habe. Morgen ist auch noch festival, sls ob die da kommen ^^ aber gut, Hoffnung nicht aufgeben.
Wegen der Verspätung kann ich Geld von der Airline für neue Klamotten verlangen, da ich aber eigentlich nichts brauche (zum Glück hatte ich noch 2 Wechselshirts im Handgepäck), bin ich heute mit Mili, einer lieben Freundin shoppen gegangen für sie und ihre 2 Schwestern. Soll das dann die Airline bezahlen 😀

Wenn meine Koffer noch ankommen, war es im Endeffekt also garnicht so schlecht. Immerhin hab ich sie nicht krank durch halb Varanasi schleppen müssen und die Mädels haben kostenlos gute Klamotten bekommen 🙂

Heute Abend esse ich bei Milis Familie, da freu ich mich, weil ihre Mutter eine tolle Köchin ist 🙂

Liebe Grüße aus Varanasi!
Julia

PS: mittlerweile nennen mich meine Freunde Julia (englisch ausgesprochen), keine Ahnung wieso. Sonst war ich immer Juli. Aber wenn ich Dienstag zur Schule gehe, bekomm ich bestimmt wieder 50 neue Namen 😀

 

PPS: ich hab noch keinen Kuhhaufen mitgenommen, eine durchaus erfreuliche Nachricht. Hab auch gerade nur meine guten Sandalen, die Flipflops sind im Koffer… es nieselt ständig, was komisch ist. Es idt zwar noch Regenzeit, aber eigentlich schüttets da alle Tage mal kräftig, sodass das Wasser zwischen knöchel- und kniehoch auf den Gassen steht. Das gute am Nieselregen ist, dass die Kuhgladen nicht ganz zerlaufen und msn immernoch einen Bogen drum machen muss, dafür ist der Regen eklig, weil die Luft so dreckig ist ^^