Bangalore

Bangalore ist so eine Zwischenwelt. Weder richtig traditionell indisch, noch richtig westlich modern. Ich habe Megs Familie besucht, meine coolen Pandas 😀 der Name kommt daher, dass Megs und ich mal ein Selfie machen wollten und man anstatt ihrer Augen nur 2 schwarze Löcher im Kopf gesehen hat ^^
Die Gastfreundschaft ist riesig, egal wie lange ich bleibe, ich darf rein garnichts helfen. Ich würde ja gerne mitkochen, aber da es nicht geht, dass der Gast hilft, darf ich immerhin zuschauen.
Ich übernachte in Megs Zimmer und darf nicht nur, sondern soll sogar ausschlafen, weil sie selbst keine Frühaufsteher sind. Eine Tatsache, die mir seeehr entgegen kommt 🙂
Wir haben viele Freunde getroffen, sind in veganen Restaurants essen gegangen *-* und das wars auch eigentlich schon. Einmal sind wir in eine Schule gefahren, für die die Firma des Vaters den Auftrag, für alle 10000(!) Schüler Tüten mit Essen zusammen zu packen, um zu sehen, wiedie Arbeit voran geht. Und wie dievoranging. Nämlich garnicht. An dem Tag waren nur 5 Leute zum Packen da, und als wir kamen, haben 2 gemütlich gepackt, während die anderen 3 daneben standen und zugeschaut haben. Das ist dann wieder so ein Moment; in dem einem bewusst wird, warum wir in Deutschland etwas weiter sind. Effizienz ist irgendwie nicht so deren Ding. Auch, sich den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass die Arbeit leichter fällt. Von alleine kommt man da nicht drauf ^^
Wir haben 1,5 St mitgeholfen, Fahnen, die zusätzlich bestellt wurden, zusammenzubasteln. Das heißt, wir haben geschneiderte Flaggen auf Holzstiehle gesteckt und mit dem Tacker fixiert. Wobei sich Karan und Jharu (Bruder und Schwägerin) darüber lustig gemacht haben, dass ich schnell war und zu Karan, der uns mit dem Tackern eh hinterherhinkte, gesagt hat, dass er jetzt keine Pause braucht, wo wir eh nur noch 50 Fahnen fertig machen müssen. Da meinten sie nur „oh, die Deutsche muss immer schnell und ordentlich arbeiten“ ^^ was auch witzig war ist, dass das Pakistanflaggen sind (Pakistan und Indien stehen ja bis heute miteinander auf Kriegsfuß) und als ich gefragt, wozu die denn Pakistanflaggen brauchen, kam als Antwort „ich weiß nicht, vielleicht weil die besser zu der Farbe der Gebäude passt“ 😀 ist das nicht eine geile Antwort? Hey, die Indienflagge passt leider farblich nicht so ins Konzept, also lass uns mal eine mit blau und weiß nehmen. Oh, die von Pakistan passt doch, lass uns doch die nehmen“ ^^ Eine Logik. Und wiedermal stelle ich fest, dass die reine Anwesenheit in diesem Land so ist, als wäre man Zuschauer eines Comedyabends 😀

Dazu passt auch, dass wir auf einer großen Straße gefahren sind, deren Fahrbahnen durch ca. 30cm hohe, schmale Betonklötze geteilt war. Und irgendwo steht dann ein Auto quer dadrauf. Hat es wohl irgendwie geschafft, mit den Vorderrädern drüber zu kommen (vlt ein U-turn mit Schwung?) und dann hingen die plötzlich in der Luft. Etwa 9 Männer standen um das Auto rum und versuchten, es zurückzuheben.

Apropos Auto. Ein befreundeter Arzt hat einen Jeep und uns damit abgeholt. Hinten hatte der unter den Fenstern 2 Sitzbänke zum runterklappen und da haben wir es uns gemütlich gemacht. Gefühlt sind wir damit eine Rallye gefahren, zudem viel schneller, als man sonst in der Stadt voran kommt. Ein Blick auf den Tacho hat aber doch nur 50kmh gezeigt. Wir haben andere Freunde abgeholt und sind schließlich zum Dessert essen gefahren. Das ist hier auch so ein Ding. Um 11Uhr abends fährt man noch wohin, um zusammen Desserts zu essen. Wir sind erst zu einem veganen Restaurant, haben da Schokocremekuchen geholt und dann zu einem Waffelladen, wo die anderen verschiedene Waffelkreationen probiert haben.  An einem anderen Abend sind wir zu ner Eisdiele gefahren, die eigentlich Biereis hätten haben sollen, was aber nicht da war. Dafür gab es Sorbet und andere leckere Sorten und die Eisdiele hatte eine große Schaukel! Das war eigentlich das Highlight des Abends. Um Mitternacht mit nem Eis in der Hand schaukeln. Juhu!
Die Freunde haben auch alle festgestellt, dass ich irgendwie im falschen Land geboren wurde

(trinkt kein Bier, hasst Fußball, ist keine Würstchen und auch sonst fast nichts aus der deutschen Küche..), und als der Jeepfahrer mir auf dem Rückweg dann erzählt hat, dass er mal ein Monat Austausch von der Uni in Deutschland gemacht hat, in Dresden, hab ich das Deutsch sein komplett vermasselt. Ich habe nicht verstanden, von welcher Stadt er spricht (er hat Bräsbm gesagt), bis er es gegoogelt und mir gezeigt hat. Und als ich auch von den anderen Städten, die er kennt, keine auf Anhieb kannte (er hat sie wirklich komisch ausgesprochen), hab ich meine Glaubwürdigkeit als Deutsche vollkommen verloren ^^

Was ich etwas komisch finde ist, dass in der Religion Frauen, die ihre Tage haben, nichts in der Küche un dem Wohnbereich berühren dürfen (außer dem Geschirr natürlich, auf dem das Essen serviert wird). Daran halten sich nur sehr gläubige, wie Megs Mutter. Sie fasst nichts von dem an, was eine Frau in der Zeit berührt. Das heißt, man kocht in der Zeit nicht, isst in seinem Zimmer und hält sich nicht im Wohnbereich auf. Was ich als komisch und irgendwo auch diskriminierend empfinde, sieht Jharu aber zum Beispiel als gut an, weil sich die Herren des Hauses immer von den Frauen bedienen lassen und sie von der Last, sowie davon, kochen und putzen zu müssen, wenigstens ein paar Tage im Monat befreit sind. Und wenn man es so sieht, klingt das auch garnichtmal so schlecht.
Wobei das natürlich nur die Familien umsetzen können, die noch mindestens eine andere Frau im Haushalt haben, die in der Zeit den Haushalt alleine führen und in deren Haus es genug Platz zum Ausweichen gibt.

Noch so eine typisch indische Sache ist, seine Freunde anderen Freunden als wahre Helden zu präsentieren und stolz deren Lebensgeschichte erzählen, als wäre es die eigene. Sämtliche Cousins/Cousinen, Freunde und Tanten haben also erfahren, dass ich mit nur 21 Jahren  Knochenmark gespendet iund das auch noch, ohne begleitet zu werden, schon ein knappes Jahr alleine in Indien gelebt habe und dort so viel gereist bin, dass ich mehr von Indien gesehen habe, als sie selbst (zwingendermaße folgt von mir eine Aufzählung sämtlicher Orte, die ich besucht hane, gefolgt von der Anekdote, dass sie letztes Jahr mit mir nach Hampi sind, und ich sie am Ende rumgeführt habe, weil ich schonmal da war und sie nicht), dass ich Bauingenieurwesen studiere, alleine in einer fremden Stadt lebe und meine Eltern nur etwa 5x im Jahr sehe. Das wurde jedes mal in ziemlich genau in dieser Reihenfolge runtergerattert und am erstaunlichsten ist die Knochenmarkspende und die Tatsache, dass ich meine Eltern so selten sehe. Die Freunde in Bangalore sind zwar schon ziemlich modern, aber so unabhängig vom Elternhaus konnte sich keiner von ihnen das eigene Leben vorstellen. Die Familienstruktur ist die gleiche, auch wenn viele eine Beziehung führen und sich später ihren Partner zur Hochzeit selbst aussuchen dürfen.

Insgesamt war es ein ziemlich witziger Kurztrip und ich bereue, nicht länger geblieben zu sein. Heute Mittag bin ich wieder zurück nach Varanasi geflogen (alle meine Taschen hab ich auf Anhieb erhalten) 🙂 und jetzt mach ich mir hier noch ein paar entspannte Tage, bis es Anfang September wieder nach Augsburg geht.

LG Julia

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