Bangalore

Bangalore ist so eine Zwischenwelt. Weder richtig traditionell indisch, noch richtig westlich modern. Ich habe Megs Familie besucht, meine coolen Pandas 😀 der Name kommt daher, dass Megs und ich mal ein Selfie machen wollten und man anstatt ihrer Augen nur 2 schwarze Löcher im Kopf gesehen hat ^^
Die Gastfreundschaft ist riesig, egal wie lange ich bleibe, ich darf rein garnichts helfen. Ich würde ja gerne mitkochen, aber da es nicht geht, dass der Gast hilft, darf ich immerhin zuschauen.
Ich übernachte in Megs Zimmer und darf nicht nur, sondern soll sogar ausschlafen, weil sie selbst keine Frühaufsteher sind. Eine Tatsache, die mir seeehr entgegen kommt 🙂
Wir haben viele Freunde getroffen, sind in veganen Restaurants essen gegangen *-* und das wars auch eigentlich schon. Einmal sind wir in eine Schule gefahren, für die die Firma des Vaters den Auftrag, für alle 10000(!) Schüler Tüten mit Essen zusammen zu packen, um zu sehen, wiedie Arbeit voran geht. Und wie dievoranging. Nämlich garnicht. An dem Tag waren nur 5 Leute zum Packen da, und als wir kamen, haben 2 gemütlich gepackt, während die anderen 3 daneben standen und zugeschaut haben. Das ist dann wieder so ein Moment; in dem einem bewusst wird, warum wir in Deutschland etwas weiter sind. Effizienz ist irgendwie nicht so deren Ding. Auch, sich den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass die Arbeit leichter fällt. Von alleine kommt man da nicht drauf ^^
Wir haben 1,5 St mitgeholfen, Fahnen, die zusätzlich bestellt wurden, zusammenzubasteln. Das heißt, wir haben geschneiderte Flaggen auf Holzstiehle gesteckt und mit dem Tacker fixiert. Wobei sich Karan und Jharu (Bruder und Schwägerin) darüber lustig gemacht haben, dass ich schnell war und zu Karan, der uns mit dem Tackern eh hinterherhinkte, gesagt hat, dass er jetzt keine Pause braucht, wo wir eh nur noch 50 Fahnen fertig machen müssen. Da meinten sie nur „oh, die Deutsche muss immer schnell und ordentlich arbeiten“ ^^ was auch witzig war ist, dass das Pakistanflaggen sind (Pakistan und Indien stehen ja bis heute miteinander auf Kriegsfuß) und als ich gefragt, wozu die denn Pakistanflaggen brauchen, kam als Antwort „ich weiß nicht, vielleicht weil die besser zu der Farbe der Gebäude passt“ 😀 ist das nicht eine geile Antwort? Hey, die Indienflagge passt leider farblich nicht so ins Konzept, also lass uns mal eine mit blau und weiß nehmen. Oh, die von Pakistan passt doch, lass uns doch die nehmen“ ^^ Eine Logik. Und wiedermal stelle ich fest, dass die reine Anwesenheit in diesem Land so ist, als wäre man Zuschauer eines Comedyabends 😀

Dazu passt auch, dass wir auf einer großen Straße gefahren sind, deren Fahrbahnen durch ca. 30cm hohe, schmale Betonklötze geteilt war. Und irgendwo steht dann ein Auto quer dadrauf. Hat es wohl irgendwie geschafft, mit den Vorderrädern drüber zu kommen (vlt ein U-turn mit Schwung?) und dann hingen die plötzlich in der Luft. Etwa 9 Männer standen um das Auto rum und versuchten, es zurückzuheben.

Apropos Auto. Ein befreundeter Arzt hat einen Jeep und uns damit abgeholt. Hinten hatte der unter den Fenstern 2 Sitzbänke zum runterklappen und da haben wir es uns gemütlich gemacht. Gefühlt sind wir damit eine Rallye gefahren, zudem viel schneller, als man sonst in der Stadt voran kommt. Ein Blick auf den Tacho hat aber doch nur 50kmh gezeigt. Wir haben andere Freunde abgeholt und sind schließlich zum Dessert essen gefahren. Das ist hier auch so ein Ding. Um 11Uhr abends fährt man noch wohin, um zusammen Desserts zu essen. Wir sind erst zu einem veganen Restaurant, haben da Schokocremekuchen geholt und dann zu einem Waffelladen, wo die anderen verschiedene Waffelkreationen probiert haben.  An einem anderen Abend sind wir zu ner Eisdiele gefahren, die eigentlich Biereis hätten haben sollen, was aber nicht da war. Dafür gab es Sorbet und andere leckere Sorten und die Eisdiele hatte eine große Schaukel! Das war eigentlich das Highlight des Abends. Um Mitternacht mit nem Eis in der Hand schaukeln. Juhu!
Die Freunde haben auch alle festgestellt, dass ich irgendwie im falschen Land geboren wurde

(trinkt kein Bier, hasst Fußball, ist keine Würstchen und auch sonst fast nichts aus der deutschen Küche..), und als der Jeepfahrer mir auf dem Rückweg dann erzählt hat, dass er mal ein Monat Austausch von der Uni in Deutschland gemacht hat, in Dresden, hab ich das Deutsch sein komplett vermasselt. Ich habe nicht verstanden, von welcher Stadt er spricht (er hat Bräsbm gesagt), bis er es gegoogelt und mir gezeigt hat. Und als ich auch von den anderen Städten, die er kennt, keine auf Anhieb kannte (er hat sie wirklich komisch ausgesprochen), hab ich meine Glaubwürdigkeit als Deutsche vollkommen verloren ^^

Was ich etwas komisch finde ist, dass in der Religion Frauen, die ihre Tage haben, nichts in der Küche un dem Wohnbereich berühren dürfen (außer dem Geschirr natürlich, auf dem das Essen serviert wird). Daran halten sich nur sehr gläubige, wie Megs Mutter. Sie fasst nichts von dem an, was eine Frau in der Zeit berührt. Das heißt, man kocht in der Zeit nicht, isst in seinem Zimmer und hält sich nicht im Wohnbereich auf. Was ich als komisch und irgendwo auch diskriminierend empfinde, sieht Jharu aber zum Beispiel als gut an, weil sich die Herren des Hauses immer von den Frauen bedienen lassen und sie von der Last, sowie davon, kochen und putzen zu müssen, wenigstens ein paar Tage im Monat befreit sind. Und wenn man es so sieht, klingt das auch garnichtmal so schlecht.
Wobei das natürlich nur die Familien umsetzen können, die noch mindestens eine andere Frau im Haushalt haben, die in der Zeit den Haushalt alleine führen und in deren Haus es genug Platz zum Ausweichen gibt.

Noch so eine typisch indische Sache ist, seine Freunde anderen Freunden als wahre Helden zu präsentieren und stolz deren Lebensgeschichte erzählen, als wäre es die eigene. Sämtliche Cousins/Cousinen, Freunde und Tanten haben also erfahren, dass ich mit nur 21 Jahren  Knochenmark gespendet iund das auch noch, ohne begleitet zu werden, schon ein knappes Jahr alleine in Indien gelebt habe und dort so viel gereist bin, dass ich mehr von Indien gesehen habe, als sie selbst (zwingendermaße folgt von mir eine Aufzählung sämtlicher Orte, die ich besucht hane, gefolgt von der Anekdote, dass sie letztes Jahr mit mir nach Hampi sind, und ich sie am Ende rumgeführt habe, weil ich schonmal da war und sie nicht), dass ich Bauingenieurwesen studiere, alleine in einer fremden Stadt lebe und meine Eltern nur etwa 5x im Jahr sehe. Das wurde jedes mal in ziemlich genau in dieser Reihenfolge runtergerattert und am erstaunlichsten ist die Knochenmarkspende und die Tatsache, dass ich meine Eltern so selten sehe. Die Freunde in Bangalore sind zwar schon ziemlich modern, aber so unabhängig vom Elternhaus konnte sich keiner von ihnen das eigene Leben vorstellen. Die Familienstruktur ist die gleiche, auch wenn viele eine Beziehung führen und sich später ihren Partner zur Hochzeit selbst aussuchen dürfen.

Insgesamt war es ein ziemlich witziger Kurztrip und ich bereue, nicht länger geblieben zu sein. Heute Mittag bin ich wieder zurück nach Varanasi geflogen (alle meine Taschen hab ich auf Anhieb erhalten) 🙂 und jetzt mach ich mir hier noch ein paar entspannte Tage, bis es Anfang September wieder nach Augsburg geht.

LG Julia

Grundregeln des Verkehrs und orangene Adidashosen

Es ist soweit. Genau 10 Tage habe ich es geschafft, in nichts ekliges reinzutreten, das ist nicht schlecht, aber hätten auch mehr sein können. Diesmal war es aber kein Kuhmist auf der Straße, sondern ich war im Musikladen im 1. Stock vom Freund von Nitin, wollte was holen und zack lag auf dem Fußabtreter ein Haufen, den ich auch im Dunkeln problemlos orten konnte. Mit dem Fuß. Da es in dem Haus keine Hunde gibt, schätze ich, ein Affe hat sich durchs Fenster oder ein Hund die Treppe hoch geschlichen. Nichtmal heilige Kuhkacke war es. Im Ranking der Scheißehaufen würde ich also sagen, habe ich einen der schlechtesten erwischt.

Vorhin bin ich in der Schule gewesen und habe eine große Ladung Klamotten für die Kindergartenkids mitgebracht. Die Lehrer waren neidisch, sie wollten auch welche haben. So klein sind sie dann aber doch nicht, dass sie da reinpassen würden ^^
Zusammen haben wir geschaut, wer was am ehesten braucht und ob die Größen passen. Bis zu dem Moment, als es hieß „lelo“ (=nimm es), waren sie toternst, bis sie dann verstanden haben, dass es jetzt ihnen gehört 🙂 dann sind sie mit einem Lächeln und „thank you, mam“ auf ihren Platz im Sitzkreis zurückgegangen 🙂
Bei denen, die keine Klamotten mehr abbekommen haben, war die Enttäuschung natürlich riesig, aber ich habe schon angekündigt, dass ja vielleicht nächste Woche bei der nächsten Ladung was für sie dabei ist.

Heute Nachmittag hab ich mich dann auf den Weg zum Flughafen gemacht, mit einem Tuktuk. Dabei habe ich ein paar Theorien zu existierenden Regeln im Straßenverkehr aufgestellt:
1. Wer nicht hupt, existiert nicht
Die Fahrzeuge scheinen eigenständig über Hupen und Klingeln zu kommunizieren. Bsp: Hup-Huuuuuuup =aus dem Weg (für von hinten angerast kommende)
Huuuuuuuuuuuup =verpiss dich, ich will vorbei
Antwort: Hup =krieg dich mal wieder ein, sobald ich kann, fahr ich zur Seite (meist begleitet von einem genervten Rückblick des Fahrers)

2. Fahr so, als würde hinter dir niemand mehr kommen
Auf Verkehr vor UND hinter dem eigenen Fahrzeug achten? Da haben die Inder eine effizientere Methode. Wenn jeder nur darauf achtet, was vor ihm passiert, ist schließlich auch alles mit Aufmerksamkeit abgedeckt.

3. Verkehr in Indien ist wie diese Spiele auf dem Handy, wo jemand rennt und man ihn lenken muss, weil ständig was den Weg behindert. Nur, dass es bei dieser Reallife-version leider keine Münzen zu sammeln gibt. Da gibt es also noch Optimierungsbedarf.

4. Rangfolge der Verkehrssignale: Polizist-ich
Ampel? Schild? Ist ja schön und gut, dass man so Arbeitsplätze schafft, aber wenn kein Polizist in der Nähe ist-wieso genau soll ich mich dann an irgendwelche Regeln halten? Die kommen ja schließlich nicht von den Göttern.
So als Info nebenbei, dafür gibt es aber für alles einen Gott. Zum Beispiel nämlich für den Verkehr 😀 einmal hab ich Megs zum Spaß gefragt, ob es denn einen Spinatgott gebe. Und ihre Antwort war nicht etwa ein lächerliches nein, sondern „weiß ich nicht, ich kenne keinen. Aber ich frag mal meine Mutter. Auf jeden Fall gibt es aber einen für Obst und Gemüse“. So viel dazu.

Egal, wo man so langläuft, man begegnet ständig seltsamen Kreaturen. Sadhus (Gläubige, die allem irdischen abschwören und vom Betteln leben), die ihre 1000 Ketten mit heiligen Perlen tragen, die Haare lang, meist als Dreadlocks in wirren Zöpfen. Orange ist die Farbe der Götter, sie tragen also nur die Farbe, und jetzt kommts: haben diese Geschöpfe einfach eine knallorangene Sporthose, mit weißen Streifen wie die von Adidas.
Jungs, die in Körben eine Schlange transportieren und von Touristen Geld wollen, wenn sie sie zeigen. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die Touris, die denen Geld geben, das nur machen, damit der Junge schnell wieder verschwindet.
Schaufesterpuppen, die aussehen, als würden sie jeden Moment Amok laufen oder sich zumindest von einer Brücke stürzen würden, wenn sie denn könnten. Wie man als Bekleidungsgeschäft so seine Klamotten an den Mann bringen will, ist mir schleierhaft. Aber mir ist eh so einiges schleierhaft hier.
Polizisten, die mit den Fingern eine

Pistole formen und damit pseudomäßig auf Leute schießen, die in ihren Augen an der falschen Stelle stehen oder sonstwas falsch machen. Autoritätsperson? Naja, vielleicht ist das Verständnis der Rolle der Polizei hier ja ein anderes. Manche sitzen an ihrem Stand der Verkehrsleitung auch einfach gelangweilt am Smartphone oder lesen Zeitung. Und dann gibts noch die, die die Bankautomaten bewachen. Das sind eh die besten. Treiben sich den ganzen Tag bei den nächstliegenden Geschäften rum oder hängen im 4qm Raum des Automaten ab. Und diese Miniräume sind jeweils mit 2!! Klimaanlagen ausgestattet, die immer auf Temperaturen unter 20º gestellt sind. Damit man auch gleich merkt, dass hier was anders ist beim Reinkommen. Das sind so Schocksekunden, dann beginnt der Körper beim Abheben des Geldes die neue Temperatur viel besser zu finden und schon muss man wieder raus und die Hitze erschlägt einen. Yeah!
Und dann gibt es noch die mutigen. Die, die ihr Gewehr wie einen Stehhocker verwenden. Mit der Öffnung in Richtung Arsch. Das sind die wahren Helden hier 😀
Mit den Affen stehe ich übrigens (noch) nicht auf Kriegsfuß (Autocorrekt schlägt vor: Unistress^^), da sie bis jetzt weder was nach mir geworfen haben, noch auf Wellblechhütten springen und mich damit wecken. Liegt aber auch nur daran, dass in unmittelbarer Nähe meines Gasthauses keine Wellblechdächer sind.
Die Kühe sind auch in Ordnung. Es sind andere, die ich nicht kenne, soweit ich das aber bis jetzt beurteilen kann, haben sie alle ein ruhiges Gemüt.
Ein Hund auf der Straße findet mich klasse und setzt sich ständig neben mich, wenn ich bei Nitins Shop bin, dafür gleicht das ein anderer aus, der bei Milis Wohnung ist. Der hasst mich und kläfft nur, wenn er mich sieht.

Ich dachte ja, ich werde garnicht viel schreiben können, weil Varanasi ja mittlerweile nicht mehr so neu für mich ist. Von wegen. Gesprächsstoff hierüber gibt’s immer ^^

Ich sitze gerade im Flieger, wenn ihr das lest, bin ich gut in Bangalore angekommen 🙂
Bis demnächst,
Julia

Geschenke und eine neue Freundin

Hallo zusammen,

Mein Gepäck ist tatsächlich gekommen! Und zwar, wie vorausgesagt am Dienstag. Dienstag Nacht um 11 um genau zu sein und natürlich fehlen ein paar Kleinigkeiten meiner Reisetasche. Das ist insoweit ärgerlich, dass es sich dabei hauptsächlich um Souvenirs aus Spanien handelt, die ich von Megs ihrer Familie in Bangalore bringen sollte.
Aber hey, ich hab mein Gepäck wieder! Jedenfalls den Großteil 😀

Die Tage bin ich in die Schule gegangen, um meiner verrückten Bande Kids Hallo zu sagen und Geschenke vorbeizubringen. Obwohl sie die Geschenke noch nicht erhalten haben, haben sie sich auch ziemlich gefreut, mich zu sehen 🙂
Und es hat sich was verändert. Sie sind nicht mehr pausenlos am Kämpfen und sie bedanken sich mittlerweile, wenn man ihnen das Mittagessen serviert. Da haben die Lehrer also ein kleines Wunder vollbracht! Es sind einige neue Lehrer da, die mir recht kompetent erscheinen und denen daran liegt, ihren Schülern was beizubringen.

Im Gasthaus habe ich übrigens eine kleine Mitbewohnerin. Mich kommt regelmäßig eine kleine Maus besuchen, die sich gern in meinem Rucksack versteckt. Letzte Nacht ist sie mir im Schlaf über den Kopf gelaufen, hab sie noch wegrennen sehen. Ich schätze also, ich bin ein mehr oder weniger geduldeter Zeitgenosse in ihrem Reich 😀 die Türen sind so verzogen, dass es für sie ein Leichtes ist, unten durch zu krabbeln und ich habe 2 nichtverschließbare Fenster, durch die sie auch immer gerne mal hereinspaziert. Ich habe sie Sophie getauft, sie ist jetzt meine Freundin.
Weil mein Gepäck so arg verspätet ankam, habe ich laut Internetseite der Airline Anspruch auf Geld, um mir Klamotten zu kaufen. Da ich aber nicht wirklich welche brauche, hatte ja eine Hose und 2 Oberteile, die ich immer nachts gewaschen und trockenen lassen habe, bin ich mit Mili für sie und ihre 2 Schwestern Klamotten shoppen gegangen 🙂 sie haben sich gefreut und mich macht das glücklich.
Außerdem habe ich Meena und ihren Kindern gestern Geschenke vorbei gebracht und sie und ihr Sohn haben sich riesig gefreut. Ihr Sohn hat sich hauptsächlich über einen dicken, 50cm langen Bleistift mit Autos drauf gefreut, nachdem Meena seine Geschenke erst versteckt und ihm ihre neue Tasche präsentiert hat. Zu ihm (8) meinte sie dann, dass ich dieses Jahr leider nichts habe, woraufhin seine Welt zerstört war, bis sie ihn ausgelacht und seine Geschenke gegeben hat.
Dann meinte sie, er soll mir dafür einen Kuss geben und er gibt seinem Bleistift nen Kuss ^^ er nennt mich übrigens Maasli, so nennt man enge Freundinnen/Schwester der Mutter, die wie eine weitere Mutter sind. Das Wort erinnert stark an Matshli (=Fisch), deshalb find ich den Namen jetzt nicht soo genial ^^
Mit den beiden war ich auch einkaufen, wir sind zum Big Bazaar gefahren, ein großer Laden mit Kleidung, Technik, allem was man so im Alltag benötigen könnte und Lebensmitteln. Das ist so ein inmovatives Teil, wo man nicht vor dem Laden an ner Theke steht und bedient wird, sondern mit Einkaufswagen durch die Gänge läift. Meena war zum ersten mal in so einem Laden und begeistert. Überall gab es kleine Rabatte und sie hat gefühlt den halben Laden kaufen wollen, obwohl es die meisten Sachen auch in den lokalen Shops gibt und nur Rabatte im Centbereich gab.

Immer, wenn ich die Gassen entlang laufe, fragen mich die Shopbesitzer, wie lange ich bleibe und wo denn meine Familie sei. Ich sag dann, dass ich bis September bleibe und dass meine Familie arbeiten muss und nicht kommen kann. Was die Leute immer wundert. Da fällt mir ein. Als ich Meena und Aditya einkaufen war, hat sie die Riksha bezahlt, weil ich ihr davor die Geschenke gegeben hab und als wir nach langer Suche endlich wen gefunden haben, der uns zum normalen (anstatt bis zu 10x teurerem) Preis mitgenommen hat, kackt der Meena am Ende auch noch an, was das soll, dass sie bezahlt, wo ich reiche Ausländerin dabei bin. Sie hätte zu nem teureren Preis fahren sollen und einfach mich zahlen lassen. Was genau sie geantwortet hat, hab ich nicht verstanden.

Aber das ist schon süß hier. Indien hält mich für ne reiche Prinzessin, die Geld scheißt und alle wollen, dass ich ihnen Sachen schenke/sie einlade und meine Freunde, die es echt nicht leicht haben, über die Runden zu kommen, laden mich immer ein und lassen mich nicht bezahlen. Meena kauft dann Saft und kocht, Milis Familie genauso und Nitin lädt mich pausenlos auf einen Tee und zum Essen ein. Und das, wo er gerade genug verdient, seine Eltern und sich zu versorgen und einen weiteren Job angenommen hat, um Milis Schwestern Tanzunterricht zu bezahlen. Er hat ein riesiges Herz und da ich seine kleine Schwester bin, lädt er auch mich ein. Und weil er den Leuten immer sagt, dass sie von mir kein Geld nehmen dürfen oder schon selbst gezahlt hat, hab ich garkeine Chance. Am Anfang hab ich mich schlecht gefühlt, aber ich lad dann halt die Mädels ein (wobei sie sich auch nicht gern von mir einladen lassen, weil Nitin ihnen gesagt hat, dass ich Studentin bin und kein Geld habe. Dabei ist für mich immernoch fast alles ziemlich günstig hier). So schließt sich der Kreis wieder.

Es ist momentan verdammt schwül, zwar nur 30º, aber eine Luftfeuchtigkeit von 88%. Unter dem Ventilator geht’s, aber in den Gassen geht so gut wie kein Wind und man muss sich auch noch bewegen, um da rauszukommen…^^

Ich geh dann mal essen, bis dann!
Julia

Von Teppichen und Kreativität

Hey, ich hab richtig gute Nachrichten. Ich hab herausgefunden, wie man kalt duschen kann 😀 es gibt 2 Hähne, aber egal, welchen ich aufgedreht hab, es kam immer warmes Wasser raus. Und weil die ja immer schwarze Wassertanks auf ihren Dächern haben, bin ich davon ausgegangen, dass es nur warmes Wasser gibt. War jedenfalls in jedem anderen Gasthaus und in der Schule so. Total angenehm, weil man im Winter bei 5º eiskaltes Wasser hatte und immer Sommer bei 45º heißes. Aber dieses Gasthaus hat seinen Wassertank wohl irgendwo vor der Sonne versteckt, jedenfalls muss man nur lange genug warten, bis kühles Wasser kommt 🙂 voll genial! Das war meine Entdeckung des Tages 😀

Außerdem hab ich was über Drogen rausgefunden. Also wieso das hier so problemlos und viel konsumiert wird, obwohl man für den Besitz und Konsum ins Gefängnis kommt. Und Gefängnis in Indien ist nochmal ne andere Nummer, allein deshalb sollte man es nie riskieren.
Hab erfahren, dass die großen Dealer einen Teil ihres Gewinns der Polizei geben und zack, ist die Sache geklärt. Eigentlich ziemlich einfach und da hätte ich auch so drauf kommen können. Apropos Korruption. Ich dachte immer, dass Indiens Flughäfen alle mit Teppich ausgestattet sind (mal ehrlich, wie bescheuert ist das denn bitte? Am Flughafen, wo man kilometerlang Koffer hinter sich herzieht, meinen die plötzlich ‚Hey so ein kackbraun-beige gemusterter Teppich ist doch voll toll. Lass uns mal den ganzen Flughafen damit belegen. Dann sieht man auch nicht, wenn wer drauf kotzt.‘ Abgesehen davon, dass es scheiße ist, einen Koffer mit Rollen über Teppichboden zu ziehen, will ich garnicht wissen, wie oft und vor allem wie gründlich die den reinigen…), weil da irgendwer von der Teppichindustrie ne Menge Einfluss hat oder wen bezahlt. Aber Megs, meine indische Freundin in Deutschland meinte, dass Teppich nobel ist und die Inder damit protzen wollen. So à la „schaut her, wir sind so nobel, dass wir sämtliche internationalen Flughäfen des Landes mit ultrahässlichem Teppich auslegen können. Da schaut ihr, was?“ Joa. Ne scheiß Idee war das.

Oh und da fällt mir noch was ein, ich glaube aber, dass ich das schonmal erzählt hatte. In den meisten Städten gibt’s ne Menge Affen und die sind ein Problem, wenn sie nachts in ihren Gangs um die Dächer ziehen.
Varanasi hatte da so eine ganz innovative Idee, das ganze anzugehen. Und zwar gibt es im Dschungel große Affen mit schwarzer Haut (wenn die stehen, sind sie etwa so groß, wie wir, können also nicht ganz ungefährlich sein, wenn sie irgendwo Essen sehen), und die kleinen Affen in der Stadt haben Angst vor denen. Und da dachte sich so ein ganz schlaues Köpfchen „lasst uns die großen Affen in die Stadt holen, dann verschwinden die kleinen bestimmt alle ganz schnell“
Manchmal beneide ich Inder ja für ihre Art,  Probleme mit kreativen Ansätzen anzugehen. Ihr Selbstvertrauen und ihren Mut, sowas auch noch durchzuziehen. In dem Fall trat natürlich das unvorhergesehene ein: jetzt gibt es große und kleine Affen. Well played, Varanasi!
Ist das nicht genial? Irgendwie ist die Politik wie eine Comedyshow. Man muss einfach drüber lachen. Man muss sie einfach gern haben.

Aber ich will ja nicht nur Schlechtes beschreiben. Tatsächlich haben mir Freunde nämlich gestern stolz erzählt, dass ihr Premierminister eine ausgefuchste Idee hatte, sämtliches Falschgeld vom Markt zu holen und gleichzeitig ne Menge Leute wegen Steuerhinterziehung dranzukriegen:
Der 500Rs Schein wurde über Nacht als ungültiges Zahlungsmittel deklariert. Innerhalb von 50Tagen konnte man ihn aber bei der Bank gegen neue austauschen. Dabei wurde registriert, wer wie viel umtauscht-um wegen Steuern nachzuhaken. Außerdem wurden auch die gefälschten Scheine angenommen, weshalb die Geldfälscher ne Menge Falschgeld zur Bank brachten und damit aufgeflogen sind. Die etwas schlaueren Leute haben ihre Ersparnisse armen Leuten gegeben, sie sollten das Geld für sie (gegen eone Zahlung) einzahlen. Dafür wurde einige Monate vorher ein Gesetz erlassen, das die Banken verpflichtet, jedem ein kostenloses Girokonto zur Verfügung zu stellen. Sobald also die Leute, die Monate lang kein Geld auf dem Konto hatten, plötzlich riesige Summen einzahlten, war auch das ziemlich auffällig. Sie wiesen auch jeden an, der Geld eingezahlt hat, es niemand anderem auszuzahlen, da es rechtsmäßig jetzt ihnen zustehe.
Und zuguterletzt waren in der Zeit die Goldpreise ca 15%höher, sodass auch dieser Tausch wenig lukrativ war.
Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube es waren 300’000’000’000Rs Falschgeld unterwegs. Entspricht ca 430Mio €.
Eine Menge Leute wurden festgenommen, das ist ihnen also wohl echt gut gelungen.
Und meine Freunde haben sich gefreut, wie noch was 🙂
Blöd war nur, dass dadurch ein paar Wochen die Wirtschaft lahmgelegt war 😀 aber darüber kann msn dann auch wegsehen.

Das wars auch schon von meinen neuen Erkenntnissen 😀
Ich finds super, wieder hier zu sein 🙂

LG Julia

 

PS: mein Gepäck soll morgen geliefert werden. Ihnen ist doch noch aufgefallen, dass heute ja Festival war ^^

Indien 2017

Hallo zusammen!
Ich dachte, wo ich wieder im wundervollen Varanasi bin, könnte ich ja eigentlich auch den Blog weiterschreiben: et voilà

Die Reise ist am Dienstag Nachmittag losgegangen, aber das Spektakel hat eigentlich schon eine Woche früher begonnen, nämlich das große Kofferpacken. Ich selbst brauche nicht viel, weiß ja mittlerweile auch, worauf ich mich einstellen muss und was ich brauche. 6 Kurtas (diese langen Blusen) und ein paar Hosen/Leggins und meinen Kulturbeutel, die Kamera und ein Kissen fürs Flugzeug. Das passt auch alles ins Handgepäck, in den 2 Koffern (Oman Air erlaubt 2 Koffer mit insges. 30kg) befinden sich Mitbringsel 🙂 viele Mitbringsel.
Für meine Freundinnen habe ich Ohrringe besorgt, für Nitin (meinen Bruder) einen Glücksbringer aus Holz, für Meena, meine Lieblingshennamalerin eine Handtasche und ihre Kinder bekommen Klamotten und ein paar Spielsachen, und der Rest vom Koffer ist gefüllt mit Kinderklamotten und Schreibsets, sowie ein paar Lernspiele für die Kids in der Schule. Für wen das alles genau ist, weiß ich auch noch nicht, das sehe ich, wenn ich da bin und mitbekomme, wo was benötigt wird.
Ich hab in der vergangenen Woche angefangen, gebrauchte Klamotten zu besorgen. Und an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an Max, seine Familie und Freunde, die mir im Endeffekt so vieles gegeben haben, dass ich einen kleinen Teil wieder rausnehmen musste und beim nächsten mal mitbringe 🙂

Heute Nachmittag ging es dann mit 2 Handtaschen, 1 Rucksack und 2 Koffern mit der Tram zum münchener Flughafen. Bei 30º war das schon ein ganz guter Einstieg, nicht dass ich erst in Indien von der Hitze überrascht würde ^^
Die Bahn hatte Verspätung, aber ich war so früh da, dass ich eine frühere bekommen habe (das mit der Pünktlichkeit hab ich mir wieder einigermaßen antrainiert). Check-in, Security-Kontrolle, alles lief unerwartet problemlos, im Flugzeug schreib ich noch Freunden, dass jetzt nichts mehr schief gehen kann, ich sitze immerhin im Flieger. Denkste 😀 als ob alles nach Plan verlaufen würde, wenn ich am Flughafen bin… wegen des Unwetters warten wir noch ne Stunde bis zum Abflug, rollen auch erst ewig, dass schon beinah die Vermutung nahe liegt, dass der Flieger sich einen Weg über die Autobahn sucht, statt endlich abzuheben.
Und kaum heben wir ab, beginnt der Spaß erst so richtig. Anscheinend habe ich was falsches gegessen, jedenfalls war ich den gesamten Flug über damit beschäftigt, mir nochmal alles durch den Kopf gehen zu lassen. Im zweiten Flug genauso, aber immerhin waren die Stewardessen super lieb und haben mich mit allem nötigen versorgt.

Und wo wir endlich landen und ich einfach nur zum Arzt will, kommt mein Gepäck nicht. Eine Frau vom Gepäckschalter meint, dass haben sie irgendwo verloren, aber es ist noch irgendwo im System drin. Sie holen es nach Delhi und schicken es mir dann weiter nach Varanasi.
Also ohne Gepäck weiter, ein Freund holt mich ab und fährt direkt zum Arzt mit mir. Da werd ich freundlicherweise vorgelassen, da ich in ein paar Stunden mit dem Nachtzug nach Varanasi will. Und will heißt in dem Fall leider muss, ich würde einfach nur schlafen (mittlerweile seit 30h wach, konnte die Nacht nicht schlafen..) aber die nächsten Tage gibt es keine Zugtickets mehr nach Varanasi, also bleibt mir keine andere Wahl, als den zu nehmen. Da ich ja jetzt Medikamente bekommen habe und hoffe, einfach nur durchzuschlafen, denke ich, dass es machbar wird.
Ist es dann auch, ich steige ein, leg mich direkt schlafen, stell mir den Wecker und lass meine Mitfahrer wissen, wo ich raus muss, damit die mir dann Bescheid geben.
Bis auf den blauen Flecken an der Hüfte (Bequemlichkeit stand wohl nicht auf der Checkliste der Leute, die den Zug gebaut haben) war auch alles gut. Hab viel geschlafen und die Station nicht verpasst. Wobei ich beleidigt war, dass meine Mitfahrer mir nichts gesagt haben, sondern ich gefragt habe, ob das Varanasi ist und sie erst dann ja gesagt haben. Wäre das überall ausgeschildert, wäre es ja nicht zu viel verlangt, dass ich mich selbst darum kümmere, wann ich wo aussteigen

muss. Aber so, wo am gesamten Bahnhof 2 Schilder in englisch hängen, und mein Abteil natürlich nicht direkt vor einem Schild stehen geblieben ist, ist es nicht umbedingt ersichtlich, wo man ist. Wenn man hindi nicht lesen kann. Und sonst haben mir meine Mitfahrer immer ganz eifrig gesagt, wenn ich raus muss. Diese waren also eher enttäuschend. Aber gut. Bin ja angekommen.

Mit der Autoriksha nach Bengali Tola gefahren, der Stadtteil wo ich ein Gasthaus suchen werde. Auf dem letzten Kilometer können keine Rikshas fahren, weil der Weg zu schmal ist, und kaum lauf ich los, renn ich Meena in die Arme, die gerade ihren Sohn zur Schule bringt 🙂 sie war vollkommen überrascht, mich zu sehen (hat kein Internet und weder sms, noch Briefe kommen an), ich hab mich riesig gefreut, sie zu sehen.

Tja, die nächsten 2 Tage verbringe ich damit, meine besten Freunde zu treffen und einfach nur im Bett zu liegen mit nem Buch in der Hand.

Eine Sekunde hatte ich bereut, nach Indien geflogen zu sein. Das war in der Hektik, zwischen Arzt und Nachtzug in Delhi (Delhi mag ich nicht), weil es mir scheiße ging. Und da will man halt am liebsten in der Heimat sein und nicht am Arsch der Welt bei Leuten, die man nur wenig kennt.
Aber jetzt, So Abend ist wieder alles gut. Ich bin fast fit, nur noch leicht geschwächt, woran die übermäßig schwüle Hitze nicht ganz unbeteiligt ist.

Mein Gepäck wird angeblich morgen gebracht, das glaub ich aber auch erst, wenn ich es vor mir habe. Morgen ist auch noch festival, sls ob die da kommen ^^ aber gut, Hoffnung nicht aufgeben.
Wegen der Verspätung kann ich Geld von der Airline für neue Klamotten verlangen, da ich aber eigentlich nichts brauche (zum Glück hatte ich noch 2 Wechselshirts im Handgepäck), bin ich heute mit Mili, einer lieben Freundin shoppen gegangen für sie und ihre 2 Schwestern. Soll das dann die Airline bezahlen 😀

Wenn meine Koffer noch ankommen, war es im Endeffekt also garnicht so schlecht. Immerhin hab ich sie nicht krank durch halb Varanasi schleppen müssen und die Mädels haben kostenlos gute Klamotten bekommen 🙂

Heute Abend esse ich bei Milis Familie, da freu ich mich, weil ihre Mutter eine tolle Köchin ist 🙂

Liebe Grüße aus Varanasi!
Julia

PS: mittlerweile nennen mich meine Freunde Julia (englisch ausgesprochen), keine Ahnung wieso. Sonst war ich immer Juli. Aber wenn ich Dienstag zur Schule gehe, bekomm ich bestimmt wieder 50 neue Namen 😀

 

PPS: ich hab noch keinen Kuhhaufen mitgenommen, eine durchaus erfreuliche Nachricht. Hab auch gerade nur meine guten Sandalen, die Flipflops sind im Koffer… es nieselt ständig, was komisch ist. Es idt zwar noch Regenzeit, aber eigentlich schüttets da alle Tage mal kräftig, sodass das Wasser zwischen knöchel- und kniehoch auf den Gassen steht. Das gute am Nieselregen ist, dass die Kuhgladen nicht ganz zerlaufen und msn immernoch einen Bogen drum machen muss, dafür ist der Regen eklig, weil die Luft so dreckig ist ^^

Ende

tja, jetzt ist es erstmal aus.

Mein Indien-Nepal-Indien-Thailand-Indien-Erlebnis 🙂 ach ja. Oh man. Schon traurig.

 

3 ganze Wochen und ein paar Tage ist es her, dass ich in Frankfurt gelandet bin. Und es fällt mir schwer, mich wieder einzuleben. Ziemlich. Es fehlt mir einfach alles, was mein Leben in Indien ausgemacht hat. Hier ist rein garnichts los. Ich schaue raus und sehe niemanden. Das Leben ist trist. Keine Kuhscheiße oder Müll auf den Strassen. Die Menschen sind alle weg. Es gibt plötzlich Unmengen an Klopapier. Viel Platz. Peinliche Sauberkeit. Und die Stille. Manchmal unerträglich. Aber Musik stört die Stille. Ja, garnicht so einfach, es mir hier recht zu machen 😉

Das heißt jedenfalls, dass ich aufhöre, den Blog zu schreiben. Bin ja immerhin nicht mehr unterwegs. Und wer was wissen will, kann mich ja jetzt persönlich fragen 🙂

Also dann-

<3 India

Julia

(Mindestens) Eine gestörte Kuh

Manali, Dharamsala, McLeod Ganj, Shimla und ein Kaff namens Tatapani.

Über Manali habe ich schon berichtet. In Dharamsala ist irgendwie nichts… Also ging es am nächsten Tag weiter nach McLeod Ganj. Ein überschaubarer Ort, der Ort, in dem Dalai Lama residiert. Sein Exil. Hierher sind viele Tibeter geflohen, weshalb die meisten Einwohner nicht unbedingt indisch aussehen. Es gibt überall tibetische Momos, mit Gemüse gefüllte Tortellini 🙂

Und da sind noch die Berge. Es ist kalt, aber wenigstens hat es tagsüber 20-30°. Also bin ich dem Erfrieren doch noch entkommen. Berge heißt, es gibt Wanderwege. Heißt, wir haben eine 9km (aber 800 Höhenmeter!) Trekkingtour gemacht, ab zur Bergspitze. 9km lang bergauf. Bei einer durchschnittlichen Steigung von 9%. Innerhalb von 3,5 Stunden. Ja, ich bin tatsächlich nach 3,5 Stunden oben angekommen. Halbtot, aber immerhin 😀 Kurz eine phänomenale Aussicht genossen, dann auf der Wiese geschlafen. Etwas rumgelaufen, plötzlich war es still. So richtig. Keine Menschenseele in Höhr- und Sehweite, nur Felsen, Wiese, Bäume, Krähen und Kühe. Augen zu, und der Stille zuhören. LOSRENNEN! Eine Kuh findet leider nicht so toll, dass ich da bin und rennt plötzlich auf mich zu. Auch Kühe können rennen. Mist, also besser mal weg. Aber es war schon toll. Das ist jetzt vielleicht nicht so gut zu verstehen. In Indien ist es generell überall mindestens 10DB lauter (fühlt sich an, wie doppelt so laut), als an einem vergleichbaren Ort in Europa. Wo Inder sind, ist es grundsätzlich nie ruhig oder still. Wo Inder sind heißt überall. Überbevölkerung und so. Nach der Flucht vor der Kuh noch die obligatorischen Maggi-Fertignudeln gegessen, und wieder zurück. Bergab im Regen. Angenehm. Unfefähr 1000 mal umgeknickt, 300 mal ausgerutscht und einmal mit dem Poo auf einem fluffig, watteweichen Felsen niedergelassen. Fetter blau-rot-gelber Fleck. Wächst mit jeder Busfahrt. Das, was hier Strasse bedeutet, hab ich ja schonmal erwähnt. Ab und zu mal ein Stück Teer zwischen den Hubbeln und Löchern.

Die letzten 2 Tage habe ich 18 Stunden im Bus verbracht. Und nicht in so netten Bussen, wo jeder einen Sitz hat, dessen Rückenlehne auch noch verstellt werden kann. Ok, in einem Bus war das tatsächlich so, aber da war der Sitz von meinem Vordermann kaputt, sodass er 1cm über meinem Schoß schlief. Bewegungsfreiheit~0,01%. Die restlichen 9 Stunden habe ich in Bussen genossen, wo ich eingequetscht zwischen 2 Menschen, der Rückenlehne und der Rückenlehne meiner Vordermänner …vegetiert habe. Wobei ich schief -und damit zu einem Drittel auf dem Platz meines Nachbarn, was dieser tapfer versucht hat, zu verteidigen- sitzen musste, weil meine Beine keine andere Wahl hatten. Sonst wäre nur noch über mir Luft gewesen. Angenehm. Für Rücken und Steißbein. Der bunte Fleck befindet sich in Wachstumsphase. Heute ist also 24 Stunden relaxen angesagt. Muss sein. Es ist 4 und ich war nur kurz zum Essen aus dem Bett raus 🙂

Achja, bin jetzt in Tatapani. Irgendein Kaff, in das wir gefahren sind, weil Shimla krass teuer ist (Landeshauptstadt). Es ist (endlich!) wieder warm. 40°. Also nicht zu heiß, sondern ganz angenehm. Unter dem Ventilator jedenfalls ;). Aber LEIDER zu heiß zum Wandern. Hier bin ich wieder eine krasse Besonderheit. Weil Kaff, Touristen ist man nicht gewöhnt. Jedenfalls keine, die wie ich aussehen. Da laufe ich mit Suraj durch die Gegend, es kommen uns Leute, Familien, entgegen und jeder einzelne sagt ‚good morning Mam!‘, Suraj wird nicht beachtet 😀 Er sagt etwa alle 5min ‚look, that girl/woman/boy/man is so happy to see you!‘. Ich bin ein Glücklichmacher. Meine bloße Anwesenheit erfreut lauter Menschen. Dass das bei Kühen wohl nicht der Fall ist, ist schon ok. Die sind mir eh zu eingebildet. Womit sich mein Verhältnis zu Kühen während meines Indien-Aufenthalts also nicht mehr gebessert hat. (Habe ich erwàhnt, dass ich letztens neben dem Dalai Lama Tempel einen frischen Kuhfladen, der -narürlich- mitten auf der Strasse lag, getreten habe? Ist ja nicht so, dass hier in den Bergen jede Menge Natur ist, in der die Kühe ihres Lebens glücklich sein könnten. Nö. Wenigstens hatte ich Halbschuhe an und nicht Sandalen. Und leider, leider hatte ich nichts zum Schuheputzen zur Verfügung, also habe ich einen Schuhputzer unterstützt. Die Leute brauchen ja Arbeit. Armer Kerl. Dafür gabs Trinkgeld. Er hat auch gleich noch einmal rundum den Gummi angenäht, weil der an 2 Stellen leicht abgelöst war. Und den Reißverschluss von meiner Handtasche hat er auch repariert.  Das finde ich ja toll hier. Man schmeißt nicht gleich alles weg und kauft neu, wenn was kaputt geht, sondern repariert. In Deutschland sind die Reparaturkosten meistens ja so hoch, wie der Neuanschaffungswert. Totaler Mist.

Gestern habe ich eine indische Familie getroffen, die in Amerika lebt und es sehr mutig von mir findet, 10 Monate in Indien zu verbringen. Sie sind seit 1 Woche da und es reicht ihnen auch schon 😀 Die Tage gehts wieder zurück 😀 Schon lustig.

Es gibt in McLeod Ganj, da wo Dalai Lama wohnt, übrigens 2 Läden mit veganem Kuchen *-* deren Stammkundin wurde ich innerhalb kurzester Zeit 😉 Muss man ja unterstützen, solche sympathischen Shopbesitzer 🙂

Übermorgen gehts mit dem Zug -ha! meine Knochen werden Freudessprünge machen!- zurück nach Delhi, da haben wir dann 1 Tag und dann heißt es Abschied nehmen von Varanasi. Wobei ich sagen muss, dass obwohl ich mit jeder Stunde, die mir weniger in Indien bleibt, trauriger und depressiver werde, ich mich auch mehr auf Deutschland freue. Bzw euch. Was irgendwie heißt, dass ich trauriger und glücklicher zugleich werde. Äh, ja.

Ich denke ständig darüber nach, wie es wird, wenn ich zurück bin.

Liebe Grüße und bis bald!

 

~Julie

Die Strasse.

Stau nervt. Seit 5,5 Stunden versucht mein Bus jetzt schon, die 51km von Manali zum Rothang Pass zurückzulegen. Wir haben noch ca. 20km vor uns. Gut, es ist in den Bergen, also hatte ich ganz großzügig mit 2-3 Stunden Busfahrt gerechnet. Habe nicht bedacht, den Zustand der Strasse miteinzuberechnen.

Grundsätzlich sind Straßen ja was praktisches. Deshalb mögen sie die meisten von uns vermutlich auch. Noch mehr mag ich die Ingenieure und Bauarbeiter, die sie in Deutschland fertig stellen. Gut gemacht, Leute, wirklich. Ihr macht einen super Job! Vielleicht haben ein paar von euch ja mal Lust, ein paar Indern zu zeigen, wie das so funktioniert? Also wie man es fertig bringt, ein Straßennetz zu bauen, das die Menge der Fahrspuren und Fahrzeuge berücksichtigt und gleichzeitig qualitativ so hochwertig ist, dass es gut befahrbar ist. Wäre echt toll, wenn sich da demnächst ein paar finden lassen.

Es gibt genau eine Strasse. Ihre Breite variiert zwischen 5m (an den wirklich genialen Stellen) und 2m (hauptsächlich da, wo der Rest abgebrochen und weggerutscht ist, aber auch sonst scheinen 2m ein sehr beliebtes Maß zu sein.) Wir sind in den Bergen, sprich wenn die Strasse aufhört, gehts da steil runter. Oder steil hoch. Es gibt Busse, Kleinbusse, Autos und Motorräder, die das Ziel verfolgen, die Strasse zu befahren. Es gibt ein Problem. OK gut, es gibt viele Probleme, aber eines scheit doch sehr wichtig zu sein. Da ist Gegenverkehr. Anscheinend wollen die Fahrzeuge, die (wie auch immer) oben angekommen sind, irgendwann wieder runterkommen. Auf derselben (einzigen) Straße. Blöd. Hätte man das nur vorher gewusst. Jedenfalls ist diese Strasse schon für Busse grenzwertig, und dann gibts auch noch Gegenverkehr. Weil wir uns irgendwo auf einer Höhe über 3000m befinden, ist die Strasse voller Schnörkel -also 180°Wenden alle 50m. Mein Bus braucht teilweise 3 Anläufe, um um die Kurve zu kommen.

Was man wissen muss. Wenn auf der Strasse Platz ist zum Vordermann, finden Inder es Platzverschwendung, den nicht zu nutzen, also wird bis etwa 5cm an die Stoßstange rangefahren. Was die anderen Fahrzeuge so machen, ist erstmal nicht wichtig, was sie demnächst machen könnten? Hach, alles vage Zukunft. Es gibt also einen Megastau, weil bei jeder Kurve ‚beide‘ Spuren zu schmal sind und nicht 2 Fahrzeuge gleichzeitig aneinander vorbeikommen. Und weil alle so dicht einander aufgefahren sind, dass kein Platz zum Rangieren bleibt. Zu Zeiten meines Fahrschulunterrichts hat mich Papa immer mit seinem „du musst vorrausschauend fahren!“ genervt. Papa, hier wartet ein Job für dich!

Immerhin ist die Aussicht toll 🙂 Berge, Wiesen, Natur pur. Theoretisch wäre es auch richtig still -aber praktisch ist eine Gruppe Inder in meinem Bus, da kann man von Stille nur träumen. Meine Beine sind am absterben. Platzmangel. Muss ja alles relativ bleiben. Aber der Busfahrer ist nicht betrunken. Sieht nur ein bisschen müde aus -oh Wunder- da hat man nämlich schon viele Stories gehört. Von Busfahrern, denen alles fehlt (vor allem Schlaf und ein Gefühl für Sicherheit), außer Alkohol und Drogen. Resultierend aus Ersterem. Also kann ich mich glücklich schätzen.

Essen wäre mal ganz schön. Warum die Einheimischen hier die Gelegenheit verpassen, als Chai-/Snack-/Getränke-/Fastfoodwallah das Geschäft ihres Lebens zu machen, verstehe ich nicht. Überall gibt’s diese Bruchbuden, nur wie immer natürlich nicht da, wo man -ich- sie gerne hätte. Und so ernähren wir uns alle von Chips, Keksen, Kuchen und anderen genau so gesunden Snacks, die wir und in der Pause (am Anfang, als wir Passagiere noch nicht ahnen konnten, wie ausdauernd der Trip wird) gekauft haben. Ich hab gestern Gemüse gekauft, was ich hier dabei habe -ich bin echt froh drum!- damit hebe ich die Gesundheitsquote krass an 😉

Der kleine Junge neben mir bekommt abwechselnd Chips, Schokokuchen, ‚Mangosaft‘ (ihr kennt ja dieses Zeug aus Wasset und Zucker, was aus irgendeinem Grund Saft genannt werden darf), Chipsähnliches Zeug, anderen Kuchen, teigummantelte Nüsse, fettige Teigfladen und so weiter.

Gerade tuckern wir weiter, anscheinend sind die vorrausschauenden Fahrer Indiens (gibt’s da doch welche?) nun im Gegenverkehr… Und NATÜRLICH fahren wir jetzt -jetzt, wo wir nicht abwechselnd stehen und 5cm ‚fahren‘- an Maiskolbenverkäufern und einer Maggiköchin vorbei. Na toll. Das Leben kann schon schwer erträglich sein. Mit nur einer Gurke, zwei Tomaten, einer Nektarine und etwas Wasser bewaffnet im Bus festzustecken. Und aufs Klo zu müssen. Großartig! Vorhin standen wir immer so lange, dass wir aus dem Bus raus sind und uns auf die Wiese gesetzt haben.

Oha! Wir fahren! So richtig! Im 3. oder höheren Gang! Und schnell! Kein Gegenverkehr! Ich muss aufs Klo :/ Wir fahren immernoch schnell. Wer weiß, vielleicht legen wir dir restlichen 20km ja in unwahrscheinlich kurzer Zeit zurück? Wow!

Gut, dann kann ich ja jetzt von den letzten Tagen berichten. Gestern bin ich tatsächlich 24km gelaufen. Ja, ich muss anfangen, das Fett zu verbrennen. 7km bergauf, 17km bergab. Ja, bergab zu laufen ist auch anstrengend. Was tut man nicht alles für die Figur? OK, nee ehrlich gesagt habe ich das nur gemacht, weil Suraj noch nie in den Bergen war und wir dann ja erstmal rumlatschen mussten. Um die Natur zu geniesen. Das mit Natur genießen war auch tatsächlich sehr schön. Über das 24km Laufen lässt sich streiten. Meine Beine tun weh :O der Platzmangel im Bus trägt nicht umbedingt positiv dazu bei. Im Ende haben wir übrigens 6 Stunden gebraucht. Nicht, dass das generell viel wäre, ich habe mich an die Zeiten gewöhnt. Und im Normalfall stört es mich auch nicht. Im Normalfall stehen wir aber auch nicht 50% der ‚Fahrt‘ im Stau, weil jede Menge Deppen meinen, Abstand zu halten würde überbewertet. Da war die 30St Zugfahrt von Mumbai nach Varanasi echt angenehmer.

Ich fasse unseren Aufenthalt am Rothang Pass zusammen: zu viele Menschen laufen in ausgeliehenen Schneeanzügen und Gummistiefeln auf einer Fußballfeld großen Fläche Schnee am Hang rum und freuen sich wie Kinder, im Schnee rumzurutschen 🙂

Anschließend haben wir eine Portion Maggi gegessen (Fertignudeln von Maggi sind DER Renner) und jetzt sind wir wieder auf dem Rückweg. Hat sich für Suraj gelohnt (zum ersten mal im Schnee!), für mich.. hmm ich bin irgendwie verrückt. Statt die Wärme zu genießen, lssse ich mich auf eine geniale Busfahrt mit 2,5St Schneebesichtigung ein. Wieder mal muss ich feststellen, was ich doch für ne gute Seele sein kann. Fotografin hab ich für den Herrn auch noch gespielt, also lege ich jetzt mal fest, dass ich aussuchen darf, was morgen auf dem Programm steht 🙂

Die Fahrt von Varanasi nach Delhi war gewohnt lange (12 geplamte +8spontan eingeschobene St), dann ging es 18 St mit dem Bus weiter nach Manali. Es gab mal nen Sleeperbus, der wurde aber abgeschafft, weil: Einheimische haben sich beschwert, dass Touristen Sex in dem Bus haben 😀 Jetzt gibts also nur noch normale (immerhin klimatisierte) Busse. Die Nacht im Bus war nicht so toll, weil die Strassen so schlecht waren, dass man hin- und hetgeworfen wurde. Als wir dann angekommen sind, ging es erstmal auf Gasthaussuche. Da ja jetzt Sommer ist, herrscht Hochsaison (ganz Indien kühlt sich hier ab), dementsprechend hoch sind die Preise. Manali besteht aus einer Hauptstrasse mit ein paar Nebenstrassen, jedenfalls sind wir die Hauptstrasse (klar. Bergauf) 3km hochgelaufen. Mit den schweren Rucksäcken. Steil. Schwer. Puh. Nach 1,5 Stunden haben wir was nettes gefunden. Und jetzt heißt es jedes mal, wenn wir in den Ort wollen, 3km laufen. Freide pur, kann ich sagen. Vor allem mit Muskelkater in den Beinen.

Joa. Ist jetzt nicht chronologisch, aber schreiben mit Struktur und Ordnung liegt mir ja nicht so. Kann euch meine ehemalige Deutschlehrerin mit Sicherheit bestätigen.

Es ist einfach so krass, dass ich schon in weniger als einem Monat wieder in Dortelweil sein werde. Nach 10 erlebnisreichen Monaten in Indien, Thailand und Nepal. Gott, was werde ich mein Leben vermissen. Varanasi mit allen und allem, was dazu gehört fehlt mir ja jetzt schon.

Deutschland. Hmm.

Das Schlimmste ist, dass ich noch nicht weiß, wann ich zurückkommen kann. Nach Varanasi 🙂 zu meinen Freunden. Meiner Schule. Meiner Stadt. Meinem Leben!

Demnächst am Erfrieren

Heute Abend gehts in die Berge!

Meine Motivation hält sich in Grenzen. Weil ich eben nicht von Varanasi weg will. Ausserdem ist es da kalt. Ich muss wieder Winterklamotten mitnehmen, weil es nachts stark runterkühlt. Tagsüber ist es gerade mal 20°. Ich werde erfrieren. Aber die Landschaft soll schön sein. Es freuen sich hier alle für mich, dass ich in die Berge fahre. Gut. Wird schon. Zur Not komme ich früher wieder. Sonst bleiben mir nämlich nur noch 3Tage :O Tage in Varanasi ist etwa, wie mal eben für ne Stunde in die Karibik zu fliegen. Toll aber was ist schon ne Stunde.

Tja. Da mein Zimmer seit dem Zeitpunkt, als ich meine Taschen ausgepackt habe -also seit meinem Bezug- ein einziges Chaos ist, welches auch noch 5x geflutet wurde, hab ich heute keine Zeit für irgendwas, was nicht mit Packen zu tun jat. Gut, ausser essen, dafür findet man ja immer Zeit. Ich hatte ja von meiner Grundreinigung des Bodens direkt am ersten Tag berichtet. Anscheinend fanden die Jungs aus der Bäckerei mmein Zimmer zu schmutzig, sie hsben es auch 2x geflutet und dann habe ich einmal das Bedürfnis gehabt, meinen persönlichen Pool anzulegen. 6 sehr große Eimer habe ich dann rausgeschaufelt, irgendwie war es dann noch nicht so cool, wie erhofft. Und gestern habe ich auf einmal gesehen, wie Minibau im Wasser spielt. Blöd. Aber was soll ich machen,  es gibt da leider keine automatische Stoppfunktion, die Überlaufen verhindert. Da sollen sich mal ein paar Technikfreaks dranmachen. Das ist etwas, was der Welt fehlt. Eine Überlaufstoppfunktion im Wasserkühler oder im Schlauch. Da kann frei gewählt werden.

Das wars für heute auch schon. Achja, kann seit ein paar Wochen keine Bilder mehr hochladen, weil irgendein Speicher voll ist. Aber da ich ja eh bald wieder da bin, kann ich euch dann alle Bilder (die 100GB Festplatte ist voll) zeigen.

Ciao!

~Julie

 

busy Julie mit Schlafmangel

Sorry Leute, ich hab euch vollkommen vergessen! Also ich meine natürlich nicht euch, sondern den Blog. Der existiert ja immernoch 🙂

Also, was die letzten Wochen und rage so passiert ist. Wobei, fangen wur damit an, was nicht passiert ist. SCHLAFMANGEL! Zum Schlafen hatte ich letzte Woche leider garkeine Zeit. Es war die letzte Schulwoche, jetzt sind Sommerferien. Nicole, die italienische Schulleiterin ist wieder in Italien, und hat mir die Aufgabe dagelassen, mit allen Lehrern Lehrpläne für das kommende Schjuljahr zu schreiben. Sowas gabs hier nämlich noch nicht. Und ich kann sagen, es ist viel Arbeit. Ich meine, mal eben 12 Lehrpläne innerhalb von 5 Tagen zu schreiben, und das mit Lehrern, die das noch nie getan haben. Man vergesse auch nicht, dass ich irgendwie nicht umbedingt die kompetenteste Person dafür bin. Mein Lehramtsstudium habe ich wohl im letzten Leben abgeschlossen. Aaaaaaaber: ich habe es gemanaged. Selbstständigkeit gehört nicht gerade zu den Eigenschaften von Indern (bzw denen, die ich kenne), also habe ich einen Stundenplan erstellt, auf dem steht, wann welcher Lehrer welchen Lehrplan mit mir erstellt und welcher Lehrer seine Unterrichtsstunden vertritt. Sowas brauchen sie, man muss klare Ansagen machen und darf nicht darauf vertrauen, dass sie sowas wie die Vertretung alleine regeln.

Am Ende waren wir sogar schon am 4. Tag fertig, obwohl ich noch zusätzlich Zeit brauchte um das ganze mit den Lehrerinnen am Computer abzutippen. Als Übung und um ihnen zu zeigen, wie sowas geht. Da sitze ich dann daneben, und schaue zu, wie für jeden Buchstaben die gesamte Tastatur abgesucht wird. Yeah, nach einer Nacht mir 4 St Schlaf nicht umbedingt meine liebste Beschäftigung. Aber da es ja darum geht, dass die Lehrerinnen was dabei lernen und nicht, es einfach nur abzutippen, habe ich brav und geduldig dagesessen. Was bin ich doch für eine gute Seele. Manchmal sollte man mir echt nen Orden verleihen 😀 bis mittags war ich also mit den Lehrplänen beschäftigt, nachmittags dann fürs Restaurant. Weiß nicht, ob ich es erzählt hatte, ich sollte ja auch ald Kellner im Resraurant eingesetzt werden, da ja abwechselnd unser ganzes Küchenteam nach Nepal fährt. Da aber nicht Saison ist -warum nur, wo es doch endlich kuschelig wird bei 43° im Schatten und enormer Luftfeuchtigkeit- wurde ich nicht gebraucht. Dafür gibt es jede Menge andere Dinge zu erledigen, und natürlich alles auf einmal. Sowas, wie Schülerdatenblätter (ja, wieder weil das neue Schuljahr begonnen hat und neue Schüler da sind und und und), Schülerausweise (komplett neu weil jetzt doch ganz anders), Kontrolle des Internetauftritts von der Firma, Umsetzung von Werbecampagnen der Firma,… es hört garnicht auf 🙂 was mich einerseits glücklich macht, weil ich gerne arbeite, vor allem wenn ich den Sinn dahinter sehe und das nicht tue, damit ich und die Firma Geld bekommen. Andererseits ist es aber auch verdammt anstrengend, weil man noch die Hitze beachten muss, die nicht ganz unerheblich ist. Und wenn man dann um 3 schlafen geht, um um 5 wieder aufzustehen, dann einen superstressigen letzten Schultag zu haben, weil Zeugnisvergabe mit Fotos und unvollständigen Schülerdatenblättern, die man umbedingt jetzt fertig bekommen muss, ist, man die Nächte davor auch nur 4 Stunden geschlafen hat, will man manchmal einfach nur heulen. Aber weil es eben der letzte Schultag ist und damit der letzte Tag, an den ich meine verrückte Bande um mich habe, geb ich mir natürlich Mühe und schaff es. Es war auch super witzig, weil Micha einfach ein toller Typ ist, und selbst in so nervenaufreibenden Situationen seinen Humor nicht verliert. Da kamen mir Tränen vor lachen. Und Erkenntnis der Tage: Lachflashs bei chronischem Schlafmangel sind nicht gut. Man kann nicht mehr aufhören. Also saß ich mit meinem Laptop auf dem Schoß im mega aufgeheizten Raum, zusammen mit Purnima, die Fotos macht, Firdous, die meine Helferin ist, alle fehlenden Schülerdaten einzutreiben, mit Micha, dessen einzige Aufgabe war, sich mit allen 100 Schülern bei der Zeugnisvergabe fotografieren zu lassen, wo er die letzten Nächte noch weniger Schlaf hatte als ich und uns deshalb mit seinen Sprüchen wach gehalten hat, und mit dem jeweiligen Klassenlehrer. Da kamen von Micha so Kommentare zu den Schülern, wie ’na, haste heute Unterwäsche an?‘ (Zu einem Schüler der beim Delhiausflug in den See gefallen ist und seine Hose nicht wechseln konnte, weil es keine Umkleidemöglichkeit gab und er keine Unterwäsche trug). Heulend vor Lachen habe ich dann eher lãnger gebraucht, was natürlich auch nicht unkommentiert so sein konnte. Nach 4 Stunden hatte meine Gesichtsmuskulatur klar zu viel gearbeitet, da traf dann Muskelkater auf keine Kraft, weil tot 😀

Und dann kam der Moment, an dem ich mich von den Lehrerinnen verabschiedet habe. Ich hatte ein Fotoalbum gebastelt und jedem Lehrer Fotos ausgedruckt, worüber sich alle sehr gefreut haben. Das war dann der Moment, in dem irgendwo aus einem verborgenen Bunker noch mehr Trànen kamen, diesmal aber weil ich einfach das letzte mal die Lehrer gesehen habe und mein so geliebtes Schulleben hier endete. Damit haben die Lehrer wohl nicht gerechnet 😀 Sie meinten, ich komme ja ganz bestimmt bald wieder und dann sehen wir und wieder 🙂

Trotzdem habe ich den fetten Karottenkuchen, Grund für die 5-Uhr-aufsteh-Aktion, für mich behalten, ihn später mit den Bäckern, Nitin und Meena geteilt. So und seit dem Samstag, es kommt mir vor, wie vor 3 Wochen, wird die Arbeit nicht weniger. 4-4-2-6-3-2,5-7 Stunden Schlaf in den letzten Nächten 😀 aver jetzt ist alles gut, weil ich schon sehr viel geschafft habe. Zum Beispiel habe ich die Vorbereitung von 20 Geschenkkörben mit Probierbrot, Müsli, Reis,… gemanaged, diese dann an einen Frauenchor verteilt und unsere Firma vorgestellt. Eigentlich hat mich Micha nur gefragt, ob ich helfen kann, die Körbe zu verteilen. Und dann war ich auf einmal diejenige, die das ganze zum Laufen gebracht und am Ende den Werbevortrag gehalten hat 😀 Ja, ich bin schon stolz auf mich 😀

Aber um das ganze zu relativieren. Mir fällt gerade ein. Ich habe es geschafft, mein ganzes Zimmer zu fluten. Die Putzfrau hatte ihren Job nicht so gut gemacht und ich dachte, da mache ich das jetzt einfach mal selber. Glücklicherweise sind die Fußböden nicht so hochwertig. Es sind einfach Betonböden, und da passiert ja nichts, wenn 5cm Wasser drauf steht. Auf dem Balkon, direkt an mein Zimmer angrenzend, steht der Kühler und den habe ich mit Wasser befüllt. Gutherzig, wie ich nunmal bin, habe ich das Wasser so lange laufen lassen, dass es nicht nur den Kühler beglückt hat, sondern ausgelaufen ist und den ganzen Boden be…feuchtete. Der Boden ist schief, deshalb lief alles in mein Zimmer, eine Strategie, die ich natürlich zuvor bedacht hatte. Unter dem breiten Bett waren leider jede Menge Koffer, unter anderem meiner. Aber die waren eh schmutzig, also hat denen das bisschen Wasser sicherlich gut getan. Ja. Bestimmt.

Außerdem habe ich meinen USB verloren, den ich von Nitin geschenkt bekommen hatte. Und meine Kopfhörer, die ich erst gekauft hatte. Mein Handydisplay hat etliche Sprünge, weil es mir ständig runter fällt. In weiser Voraussicht habe ich es nicht direkt beim ersten mal reparieren lassen. Kenne mich schließlich und weiß, dass es sich nicht lohnen würde, das Handy bei jedem neuen Sprung reparieren zu lassen. Kurz bevor ich nach Deutschland komme, werde ich das Display wechseln lassen und dann in Deutschland muss ich aufpassen. Gut, dass das ein ziemlich großer Vorsatz ist, weiß ich auch. Aber man kann es js mal versuchen 😀 Und mein Zimmer sieht aus, wie das eines Künstlers 😀 oder so, wie ich mir das Zimmer eines Künstlers vorstelle, der gegen die Normen und Werte der Gesellschaft rebelliert.

Aber alles andere läuft 😀 Gut sogar. ich freue mich jetzt schon, wieder hierher zu kommen 🙂

So, jetzt muss ich aber weiter machen. 108 Schülerausweise, 13 Lehrerausweise und über 20 Mitarbeiterausweise wollen bis zum Wochenende gedruckt werden…

Dann bis bald!

…In weniger als einem Monat bin ich ja schon zurück…

Julie