Don’t drink Alcohol: ein Bier im Meer

Mumbai ist nicht Indien. Gut, ehrlich gesagt habe ich das auch bei Alleppey und Mamallapuram gedacht. Und bei Goa. Also vielleicht gibt es einfach nicht das eine Indien… Aber Mumbai ist, genau wie Varanasi eine Stadt, die man so nicht nochmal in Indien findet. Mumbai ist westlicher, als ich mich fühle 😀 schon öfter wurde ich von Leuten angerempelt, die hektisch an mir vorbeigehastet sind. Da war ich schon irritiert. Immerhin wurde ich in Varanasi nicht nur einmal gefragt, warum ich denn so renne. Da bin ich ganz normal die Strasse runtergelaufen. Generell ist es so, dass ich Leute beim Laufen überhole. Und dabei bin ich schon lahm. Wie gesagt, ich pass mich an.

Ach ja, übrigens tut das jetzt sogar meine Haut. Also sich an die dunklere Farbe anpasen. Wer hätte das gedacht? Jetzt nicht erwarten, dass ich braun gebrannt wieder nach Deutschland komme, aber ich hab tatsächlich Farbe bekommen. An den Armen, Füßen und im Gesicht. Wenn, dann richtig indisch denkt sich mein Körper da wohl. Seit Dezember war ich ja auch noch garnicht krank… 😀 das freut mich tatsächlich ziemlich.

Aber nochmal zurück zu Mumbai. Hier sind die Leute auch vom Stress befallen. Hetzen sich ab, rennen rum und rempeln Leute an, Autos haben wohl nichtmal Zeit, anzuhalten oder zumindest langsamer zu werden, wenn da jemand über die Strasse gehen. Immerhin gibt es hier funktionnierende Ampeln. An deren Vorschläge für Fahrsicherheit sich grundsätzlich auch einigermaßen gehalten wird. Und es gibt Gehwege. Und tolle Gebäude! Solche könnten genau so gut irgendwo in einer europäischen Altstadt stehen. Und überhaupt nicht runtergekommen. Krass. Die Leute sind schick westlich gekleidet, eher wenige tragen Sarees oder Kurtas. Sogar so wenige, dass mich ein Ami gefragt, ob Sarees in Indien nur zu Festen getragen werden.

Aber, und das ist und bleibt indisch-der Akzent 😀 da hört man schick und teuer gekleidete Inder, die mit ihren Kindern englisch reden. Und das verrät ihre wahre Identität 😉 dieser Akzent ist wohl im Erbgut verankert. Und die Art, wie sie sprechen. Ich kann es nicht beschreiben, aber selbst, wenn es einem Inder gelingen würde, sich nicht durch seinen Akzent zu verraten, würde ich ihn ziemlich sicher an seiner Art, mit amderen zu sprechen, erkennen.

Mumbai hat auch eine Metro. Die ist benutzerfreundlich, besitzt Ventilatoren, offene Fenster und schließt die Türen erst garnicht. Da hätte man sich die Türen auch eigentlich sparen können. Man kann sich da so voll cool aus der fahrenden Metro lehnen und den Fahrtwind angrinsen 🙂 und dabei seine Kappe verlieren (nicht ich, Silvia aus dem gleichen Hotel). Was es sogar gibt, sind extra Frauenabteile und Behindertenabteile. Und. Natürlich ist es supergünstig. Da könnte sich die deutsche Bahn mal dem indischen Standard annähern. Also den Preisen. Ein paar Kilometer für 7ct. Für die 2,20€ von Dortelweil nach Bad Vilbel komme ich hier etwa 300km weit 😀 dass ich dafür selbst im super fast express 4 St brauche, ist was anderes. Dafür schaffen es die Züge (im Süden jedenfalls) hier, selbst Verspätungen von 1 St aufzuholen und pünkltlich anzukommen. Ach, das habe ich glaube ich noch garnicht erwähnt. Hab fast den Zug nach Mumbai verpasst. Das wäre schöner Mist. Ich komme ja aus Goa und hatte ein Ticket von Pernem nach Mumbai. Aber eine Station, an der der Zug früher gehalten hat, war mit dem Bus besser zu erreichen, also bin ich schon früher im Zug eingestiegen (hatte noch ein Ticket gekauft). Ab Pernem sollte der Zug 19:11Uhr losfahren. Dass der Zug 2 Stationen vorher früher losfährt, schien mir vollkommen unlogisch. Auf die Idee bin ich irgendwie nicht gekommen, und so war ich um 18:40 Uhr am Bahnhof. Aber ich hatte Glück und der Zug kam später, war aber trotzdem pünktlich in Mumbai. 🙂

Bollywood hat übrigens abgesagt. Die brauchten uns doch nicht 🙁 voll schade. Was hätte ich das gerne erlebt 🙂

Aber ich hab auch ohne Statist am Bollywoodset zu sein schon eine Menge mitgenommen. Mit Mischi bin ich ein bisschen rumgelaufen, eigentlich auf der Suche nach einem Dorf, das mitten in Mumbai sein soll. Zufällig sind wir bei einer Art Tag der offenen Tür einer Kunstschule gelandet und haben uns die Ausstellung von Zeichnungen und Basteleien angeschaut. Zufällig wurden in einem Raum auch Masagen angeboten. Und als wir eingetreten sind, kamen direkt Frauen in weisen Kitteln auf uns zu, um uns zu erklären, dass sie rythmisch zu Musik massieren und fragen, ob wir das nicht mal ausprobieren wollen. Klar! Eine Frau musste frühzeitig ihre Massage aufgeben, um mir Platz zu schaffen… Und die ganzen Leute, die darauf warteten, an der Reihe zu sein, mussten noch länger warten. Erst wurde mir Öl in die Nase getropft und dann das Gesicht massiert. Dann wurde mit Rasseln und einer Mischung aus Musik- und Massageinstrumenten auf mir rumgeklopft. Am Anfang konnte ich mich dabei nicht so entspannen, weil die Frau wohl so garkein Gefühl für Musik hatte. Im konstanten Intervall mit der Musik die Teile auf meinen Rücken zu klopfen, hat sie überfordert 😉 aber dann kam jemand anderes und später bei einem anderen Lied hat sie es doch noch ganz gut hinbekommen. Ich habe es total genossen, auch die etwa 20 Zuschauer konnte ich ausblenden (bin ich ja gewöhnt). Warum weiß ich nicht, aber im Süden haben die Leute die Gewohnheit, sich zu bedanken wenn sie jemandem (also mir) geholfen haben. Ich frage jemanden nach dem Weg und der bedankt sich dann nach einer ausführlichen Erklärung bei mir… So haben sich dann auch die Masseure bei Mischi und mir bedankt -immer wieder gerne, Leute 😉 und wir durften ihnen aufschreiben, wie wir uns gefühlt haben, haben etliche Fotos gemacht und am Schluss haben sie uns gebeten, dem Chef zu danken. Die Bitte kam so:“would you like to say thank you to our chef, he is sitting there“ 🙂 klar haben wir das artig gemacht, er hat sich gefreut, die Masseure sowieso und ich war gerade kostenlos massiert worden, also war meine Stimmung im hach-Welt-was-bist-du-schön-Modus.

Abends hat sich Mischi Zigaretten und ein Bier geholt und zusammen saßen wir dann am Ufer -recht unspektakulär. Eine Mauer. Alkohol in der Öfentlichkeit (ausser Restaurants) zu trinken ist verboten und kann anscheinend mit bis zu 5000Rs bestraft werden. Das hat uns extra noch der Typ gesagt, der uns zum Weinshop gebracht hat. Vor der Polizei am Ufer hat er uns auch gewarnt. Aber wie das so ist, saßen wir dann auf der Mauer, Mischi mit Zigaretten und dem Bier, versteckt in einer schwarzen Plastiktüte. Natürlich kommt ein Polizist mit ein paar anderen Typen vorbei und sie sagen zu Mischi, dass sie sich anders auf die Mauer setzen soll, weil das sonst gefährlich ist. Dann fragen sie, was das in der Hand ist, Michi lässt die Biertüte ins Wasser fallen und sagt, sie rauche nur. Nach der Belehrung, dass Alkohol in der Öffentlichkeit verboten ist und der Mahnung, sie solle ja nicht trinken, gehen sie dann aber zum Glück wieder.

Heute mittag habe ich eine Slumtour gemacht. Und ich muss sagen, dass ich mich im Slum wohler fühle, als im Rest Mumbais. Aber dazu muss man auch erstmal erklären, wie man sich den größten Slum Asiens voszustellen hat. Er ist unterteilt in Industrie und Wohnen. Der Industrieteil sieht aus, wie der der meisten Städte. Es gibt auch ganz normale Strassen mit Verkehr. Hier wird vor allem Plastik und Aluminium recycelt, Tontöpfe werden hergestellt und Kleidung genäht. 89% der Lederprodukte werden ins Ausland exportiert. Die meisten Arbeiter kommen aus ganz Indien und sind ohne Familie nur zum Arbeiten nach Mumbai gekommen. 8 Monate arbeiten sie hier und kochen und schlafen in ihren 12-14 Stunden Freizeit am Tag am Arbeitsplatz. Im Wohnbereich leben hauptsächlich Leute, die Jobs in der Stadt haben (und mehr Geld verdienen). Sie mieten die Wohnungen (1Raum ohne Bad mit Kochnische. Etwa 8qm für eine Familie) für 3000Rs =42€ im Monat (Slumarbeiter verdienen zw. 4500 und 6000Rs im Monat). Es gibt staatliche und auch private Schulen, außerdem -und da haben es die Slumbewohner besser, als der Großteil Indiens- bleibt der Slum von Stromausfällen verschont.

Also ich hatte mir das deutlich schlimmer vorgestellt. Zumahl ich auch mehrere Bewohner mit Smartphone (die sind in Indien nicht günstiger, sondern im Verhältnis zu Essen und Kleidung -also den Lebenshaltungskosten- verdammt teuer) gesehen habe. Klar sind die Wohnverhältnisse mehr als schlecht, es ist super eng (oft kommen keine 2 Personen in einer Gasse aneinander vorbei und die ‚Wohnungen sind winzig, eine Toilette teilen sich, wenn ich mich richtig erinnere mehr als 1000 Menschen. Zur Regenzeit wächst das Moskitoproblem stark an, die Wohnungen im Erdgeschoss laufen oft mit Wasser voll). Aber zumindest ist die Kriminalität durch 2 Polizeistationen nur sehr gering und die Leute leben nicht in Wellblechhütten sondern Steinhäusern. Viel wichtiger aber ist, dass die Atmosphäre nicht so elend ist, wie sie oft im Fernsehen dargestellt wird. Es ist ganz normal.

Im Slum habe ich mich wohler gefühlt, als im Rest Mumbais, der von westlichen Einflüssen quasi überrollt ist.

Klar lässt dich das jetzt so einfach sagen, weil ich nur kurz im Slum war und ihn zudem nur als Tourist erlebt habe. Aber es hat mich doch sehr an Varanasi erinnert und hey – Ich liebe Varanasi 🙂

Ich muss übrigens was beichten. Ich war bei Starbucks. Und nicht, dass ich da nur eine vegane heiße Schokoladr mit Soyamilch getrunken habe, die -das muss ich leider zugeben- auch noch genial geschmeckt hat. Nein, mir wurde das ganze auch noch im Becher zum Mitnehmen gegeben. Wenigstens war der aus Papier und ohne Plastikdeckel. Ich wollte skypen, nur haben die Internetcafes der am vermutlich modernsten Stadt Indiens weder Kameras noch Skype. Also brauchte ich wifi.

Jetzt komme ich wohl zum krassesten Unterschied, den ich von einem auf den nächsten Tag erlebt habe.

Am Tag nach der Slumtour habe ich am Bahnhof eine Spanierin kennen gelernt, wir kamen ins Gespräch und es endete darin, dass wir zusammen shoppen gegangen sind. Das heißt, ihr privater Taxifahrer durfte uns zwischen mumbais Shoppingzentren rumkutschieren. Ich habe eine Mischung aus Bluse und Kurta gekauft, für leider 4000Rs. Es sind etwas mehr als 50€ (apropos. Der Euro wird von Monat zu Monat schwächer. Im August habe ich für 1€ 85Rs bekommen, mittlerweile sind es gerade mal 69Rs. Während der Dollar stabil geblieben ist. Nur für die Finanzfreaks unter euch 😉 ) und damit verdammt teuer. Für das Geld hätte ich jetzt eine Einzimmerwohnung einen Monat mieten können. Aber naja. Es sieht einfach zu schön aus 🙂

Und was noch zu dem krassen Gegensatz gehört, ist der Umstand, dass in Mumbai wie gesagt jede Menge Leute in westlicher Kleidung rumlaufen, weshalb die großen Klamottenläden die traditionell indischen Klamotten, die mir gut gefallen und nach denen ich geschaut habe, in die oberen Stockwerke verlegt haben. Unten sind die hippen Klamotten, die man genauso gut auf der Zeil verkaufen könnte. Schon die Läden sind so riesig, dass man mit der Rolltreppe hochfahren kann. Gewohnt bin ich hier Läden, die höchstens 30qm groß sind und in denen nichts offen rumhängt, sondern man sich von einem Verkäufer die gesamte in Regale gestopfte Kollektion zeigen lassen muss.

 

Gerade habe ich (fast) eine 30St Zugfahrt hinter mir. Wir tuckern jetzt noch mit etwa 5km/h vor uns hin, aber ich glaube bald kommen wir in Varanasi an. Was bin ich froh 🙂 Wobei die Zugfahrt garnicht anstrengend oder stressig war. Eigentlich sogar ziemlich entspannt und angenehm (was unter anderem daran liegt, dass ich nicht direkt am Gang geschlafen habe und somit weniger Angst hatte, nachts begrapscht zu werden. Auserdem waren 2 Familien und ein Türke in meinem 6er, sodass ich die Grapschgefahr niedrig eingestuft habe. Schlafen konnte ich deshalb besser, als bei der letzten Fahrt), nur hat sich mein Rücken ein bisschen beschwert.

Morgens um 6:35Uhr sind wir in Mumbai losgefahren, da habe ich erstmal solange geschlafen, bis dann die 2 Familien mit je einem Kleinkind kamen und sich ausgebreitet haben. Bis mittags hatte ich meine Ohrstöpsel drin, und weil ich die Nacht nur 3 Stunden geschlafen hatte, war ich dann mit Indien auf halber Lautstärke wie in Trance 😉 Angenehm. Wirklich angenehm. Dem Erfinder der Ohrstöpsel sei jede Menge Dank gebührt!

Ja und dann war es plötzlich schon halb 7 und der Türke und ich haben beschlossen, dass das Schlafenszeit ist. Also hingelegt, Musik gehört und sofort eingeschlafen. Den ganzen Tag über laufen Verkäufer durch den Zug, die ihre Waren nicht nur diesem Abteil ankündigen wollen, sondern anscheinend glauben, jeder im Umkreis eines Kilometers wolle wissen, was man kaufen kann. Und so schreien sie „Chai, Chai“, „Coffee, Coffee“, „Samosi“, „Idli“, „Pani, Water“, …

Aber wenn ich nachts durst habe und meine Wasserflasche leer ist, läuft natürlich niemand mehr rum, um sein Wasser zu verkaufen. Ich merke an, dass ich bei anderen Zugfahrten von den Rufen geweckt wurde. Wir standen glücklicherweise gerade an einer Station, also raus aus dem Zug, Wasser geholt und wirder zurück. Im Gang liegen lauter Leute rum, die ohne Sitzplatzreservierung reisen. Vielleicht hat deshalb kein Wasserverkäufer Lust, noch mitten in der Nacht an Leute wie mich zu denken, die sich vorher nicht ausreichend eingedeckt haben.

 

Morgen schreibe ich weiter. Ich bin müde. Mal wieder 🙂

Gute Nacht Deutschland!

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