Busy Varanasi

In Varanasi rennt die Zeit. Hier habe ich fast täglich Backworkshops für die Azubis gegeben. Thema: vegane Torten. Schwarzwälder Kirschtorte haben wir mehrfach gemacht, einmal in ’normal‘ und mehrmals in vegan. Und Donauwelle haben wir mit mehreren Cremes getestet. Die vegane Butter dort ist nämlich so bockhart, dass sie für Buttercremes eher beschränkt geeignet sind. Aufgewärmt und mit Kokosöl vermischt hat es aber ganz gut geklappt.
Dann hat sich mein Kratzen im Hals (schiebe ich auf die unglaublich schlechte Luftqualität in Delhi und Varanasi) zu einer ausgereiften Erkältung entwickelt. Musste jetzt auch nicht unbedingt sein. Dann noch in anderen Bereichen das Projekt unterstützt (Flyer erstellt,..) und so viel Zeit wie möglich mit Freunden verbracht. Kleines Highlight ist, dass ich noch Versuchskaninchen spielen darf für den Masseur. Im Gasthaus werden nämlich demnächst auch Massagen angeboten und da hat Micha mich gebeten, das aus der Perspektive einer Frau zu erleben. Man tut, was man kann, um zu helfen! Ich lasse mich also mehr oder weniger für den guten Zweck massieren. Läuft!

Zwischendurch meldet sich Jitender (der mit dem Bruder in Amsterdam) und bietet mir an, ich könnte mich jederzeit bei ihm und seinen Eltern (die sind zum zweiten Mal in Varanasi) melden, wenn ich hier irgendwelche Probleme hätte. Das ist nett. Und etwas komisch, weil ich mich hier vermutlich besser auskenne, als er.

Just Varanasi things:

Freitag Abend bin ich zu einer Babyparty eingeladen. Priyankas (bei deren Hochzeit ich letztes Jahr war) Schwägerin ist hoch schwanger und da ich auch sie ganz gut kenne und wir uns sehr gut verstehen, bin ich auch eingeladen. Sie sagt, es geht um 18 Uhr los, Priyanka (die selbst notorisch zu spät ist) warnt mich aber vor, ich solle nicht vor 19 Uhr kommen – aber am Ende machen wir aus, dass sie mich anrufen, wenn ich loslaufen soll. Passt. Ich bin um halb 6 im Gasthaus zurück und lege mich etwas hin, da ich ein wenig angeschlagen bin. Gegen 9 bekomme ich so Hunger, dass ich beschließe, mir unten im Restaurant was zu bestellen. Gerade, als ich bestellen möchte, bekomme ich den Anruf und laufe los. Ich werde von Priyankas Cousin Chiku begrüßt, er fragt, warum ich erst so spät gekommen sei. Ich sage, dass sie mich vergessen hatten und ich daher erst jetzt gekommen bin. Die Feier habe ich also verpasst ^^ das ist schade, ich bin aber auch nicht all zu traurig darüber, die 3 Stunden Ruhe gehabt zu haben. Sie schaut toll aus, ist mit jeder Mwnge Schmuck behängt und tront in einem mit Blumen geschmückten Zimmer, umringt von lauter Frauen der Verwandtschaft. Ich beglückwünsche sie kurz und werde dann in den Nebenraum geführt, in dem ich Essen bekomme. Der Vater bedient mich, das finde ich besonders. Da er normalerweise delegiert, wer mir was bringen soll, schiebe ich diese neue Situation auf die ganzen anderen Gäste. Er zeigt, dass er ein guter Gastgeber ist. Wir können aufgrund der Sprachbarriere nicht viel reden, er ist mir aber sehr sympathisch. Auch letztes Jahr bei der Hochzeit hat er mir gesagt, dass er sehr zu schätzen weiß, dass ich von so weit her gekommen bin. Ich mag ihn. Als ich mit dem Essen fertig bin, gehe ich wieder da mir das zu viel Trubel ist und ich hier nicht viel verstehe. Außerdem freue ich mich auf mein Bett.

Varanasi Gassen am Abend:

Am Samstag fahre ich Priyanka bei ihrer Schwiegerfamile besuchen. Da ich mir die Haare gewaschen habe und es am Abend und in der Nacht nicht warm genug ist, um sie an der Luft zu trocken, gehe ich in ihr altes Elternhaus und leihe mir einen Föhn. Dann diskutieren wir etwas, wie ich jetzt zu ihr fahre: Priyanka hatte mir genau erklärt, wo ich welche Autoriksha nehmen muss. Aber gestern Abend hatte mir ihr Bruder dann versichert, dass er oder sein Cousin eh auch hinfahren würden und mich mitnehmen könnten. Heute wirkt es aber, als würden sie nur wegen mir fahren und das halte ich für übertrieben, da mir Priyanka gesagt hat, wie ich fahren muss.

Varanasi Verkehr:

Wir einigen uns also darauf, dass ich mich allein auf den Weg mache. Dann muss ich aber erstmal warten, denn sie wollen noch Süßigkeiten für die Schwiegerfamilie mitgeben. Und dann rufen sie noch an, um zu klären, welcher nun der für mich geeignetste Weg ist. Es ist der, den mir Priyanka verraten hatte. Den ich ihnen auch zur Bestätigung nochmal erklärt hatte. Hach ja. Manchmal find ich dieses jeder kümmert sich und mischt sich ein rührend und machmal unnötig verzögernd. Endlich mache ich mich auf den Weg und finde nach etwas Suche ein shared Auto (Tuktuk, dass sich mehrere teilen). Eines, das nicht 500 Rs sondern nur die angebrachten 25 Rs von mir will. Perfekt.
Auf dem Weg ruft mich Priyankas Mann an und sagt, er hole mich von der „Haltestelle“ des Tuktuks ab, ich muss kein weiteres suchen. Auch gut.
Ich habe bereits mit Priyanka, ihrer Schwägerin, ihrem Bruder, ihrem Cousin und ihrem Mann darüber gesprochen, wie ich zu ihr fahre. Wenn das normal ist, wird mir auch langsam (aber auch wirklich nur langsam) klar, weshalb die Leute hier alle ständig am Telefonieren sind. Man kommt ja zu garnichts mehr. Meinem auf Effizienz getrimmten, deutschen Hirn gefällt die Ineffizienz des ganzen nicht so gut. Aber dem Teil meines Herzens, der es einfach wundervoll findet, wie man sich umeinander kümmert, geht das Herz ein bisschen auf.
Und schon ist die Zeit rum in Varanasi und ich fliege nach Mumbai.

Wieder mal habe ich mich bewusst dafür entschieden, nicht zu fragen, was wann und wie passiert, wenn ich ankomme. Ich vertraue.
Dass meine Nachrichten von gestern immernoch nicht bei Chichi angekommen sind, beunruhigen mich ein kleines bisschen. Aber ich habe die Adresse der Wohnung in Mumbai und außerdem die Kontakte der beiden Cousins, die auch dort wohnen. Kurz vor Abflug meldet sich Chichi, ich solle Bescheid geben, wenn ich gelandet bin. Er sei im Jungle und hätte daher die letzten Tage keinen Empfang gehabt. Als ich ankomme telefonieren wir kurz und ich mache mich auf den Weg zur Wohnung. Aufgrund eines Missverständnisses stelle ich dann kurzerhand mein Gepäck bei den Nachbarn in die Wohnung und gehe essen, bis Akshay von der Arbeit kommt. Eigentlich hätte ich den Schlüssel bei ihm holen sollen. Was auch erklärt, weshalb er mir die Adresse seiner Arbeit geschickt hatte. Geht aber auch so.
Ich gehe mit verschiedenen Saucen gefüllte, frittierte Bällchen (pani puri) am Stand meines Vertrauens essen und besorge mir eine Tüte mit scharfen Bananenchips. Die liebe ich über alles!
Mot den Chips beladen setze ich mich zum Tempel vor der Wohnung und warte, bis kurz später auch schon Akshay kommt und wir nicht viel später zusammen zum Punkt laufen, den Chichi mit dem Busfahrer ausgemacht hat, wo der mich einsammeln soll.

Ich kann einigermaßen schlafen auf meinem Liegeplatz und morgens gegen 5 komme ich an. Juhu! Die ersten Tage verlaufen ruhig. Ich bin immernoch ziemlich angeschlagen und habe das Gefühl, dass es meinem Körper ganz gut tut, sich auszuruhen.

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