Heute bin ich richtig angekommen im Urlaub Urlaub. Klar bin ich schon wieder ein Weilchen hier, aber das richtige Urlaubsfeeling kommt heute hoch. In Delhi und Varanasi ist die Zeit nur so gerannt und jetzt bin ich wieder auf dem Land im Bundesstaat Maharastra.
Heute Nachmittag fahren wir in die Berge, Sonnenuntergang anschauen. Ich bezweifle stark, dass wir den noch zu sehen bekommen, weil wir bereits halb 5 haben, aber ich habe auch nichts gegen eine Motorradfahrt und schon garnichts dagegen Zeit in den Bergen. Auch, wenn die Sonne dann schon untergegangen ist. Als wir ankommen, unterhält sich Chichi mit 2 Bäuerinnen und ich setze mich etwas weiter und genieße die Aussicht, bis es eine halbe Stunde später ganz dunkel ist. Wir besuchen eine Familie, die ich auch schon 2x getroffen habe. Sie leben in sehr einfachen Verhältnissen und haben kaum Einkommen. Zudem macht ihnen zu schaffen, dass immer wieder einer ihrer Büffel vom Leoparden gerissen wird. Die sind nachts daher auch drinnen im Haus. Im Haus fungiert der äußere Ring als Stall für 6 Büffel und 2 Kälbchen, außerdem gibt es auch Hühner. Durchquert man die ca. 3 m, gibt es eine etwas höhere Stufe und auf dem erhöhten Plateau ist quasi der Flur, von dem 2 Räume abgehen. In einem gibt es eine kleine Feuerstelle aus Lehm, auf der mit offenem Feuer gekocht wird. Hier sitzen wir zusammen mit den Eltern und ihrer Tochter. Da sie kein englisch sprechen und zudem ziemlich schüchtern gegenüber Ausländern sind, bin ich wenig in die Konversation involviert. Ich beobachte daher die Hühner und Büffel. Und stelle fest, dass ein Büffel nicht mehr da steht, wo er vorher stand, sondern ca. 1,5 m weiter rechts. Nämlich dort, wo auch meine Schuhe stehen. Und er pinkelt. Direkt neben meine Schuhe, die bekommen ziemlich viele Spritzer mit ab. Mist 😀
Etwa 1,5 Stunden später brechen wir wieder auf und wandern den kleinen Fußweg zurück an die Straße. Die Kuhpisse ist mittlerweile getrocknet, sodass ich zumindest trockene Füße habe. Ich schätze, meine Schuhe sind jetzt besonders gesegnet. Ich Glückspilz! Manchmal muss man sich die Dinge einfach schön reden.
Beim Motorrad angekommen stellenn wir fest, dass jemand die Luft aus beiden Reifen rausgelassen hat und so können wir nicht zurückfahren. Wir laufen also ein Stück, bis wir an eine für Fahrzeuge gut gelegene Stelle zum Halten kommen. Laut Chichi gibt es einen Bus, der auch noch spät am Abend fahre und auf den warten wir für mich. Er will das Motorrad vorsichtig zurück fahren und mich irgendwo treffen, wo mich der Bus absetzt. Ich bezweifle ein wenig, dass da wirklich ein Bus kommt, aber groß eine andere Wahl haben wir nicht. Der Himmel ist ganz klar und wenn gerade kein Verkehr vorbei fährt, den wir auf Bus abscannen, schauen wir auf die Sterne.
Nach 10 min fährt ein Bus aus der Gegenrichtung an uns vorbei und ich bin jetzt auf jeden Fall zuversichtlicher, dass auch aus der andere Richtung ein Bus kommen wird. Nochmal eine viertel Stunde später winken wir meinen neuen Shuttleservice ran und Chichi erklärt dem Busfahrer und Fahrkartenverkäufer, wo sie mich rauslassen sollen. Wir fahren auf der einzigen Straße, die in der Gegend auf die andere Seite des Nationslparks führt und da der Nationalpark Berge sind, ist es eine Pass. In gewohnt hoher Qualität, durchsäht mit etlichen Schlaglöchern und einigen Stellen mit fehlender Deckschicht, wob man quasi auf Schotter fährt. Was mich dazu veranlassen würde, das Tempo zu reduzieren, reicht dem Busfahrer offensichtlich bei weitem nicht aus und wir brettern nur so über diesen holprigen Weg. Mir wird übel und da ich noch von meiner letzten Reise auf Passstraßen in den Bergen in Südindien in Erinnerung habe, dass hierbei Ingwer helfen soll, schmeiße ich mir ein Ingwerbonbon ein. Und warte darauf, dass es hilft. Es hilft nicht. Außer mir sitzen im Bus noch ein Mann, eine Frau mit Baby und eine Frau. Die Frauen möchten von mir wissen, woher ich komme und wo ich hin möchte. Gute Frage, wo ich hin möchte. Keine Ahnung. Ich vermute stark, dass mich der Bus nicht vor die Haustür in Tambdi bringt, außerdem ist Tambdi ein Name für einen Teil des Dorfes. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der einem was sagt, wenn man nicht gerade in dem umliegenden 5 km wohnt. Also sage ich Chiplun. Von der Frau mit dem Baby im Arm bin ich beeindruckt. Ich halte mich selbst am Vordersitz fest, um auf der glatten Sitzbank nicht durch den Bus zu fliegen und sie hält dabei auch noch ein Baby auf dem Arm. Irgendwann wird der Bus langsamer und hält an. Der Fahrkartenverkäufer deutet mir, ich solle aussteigen und so steige ich aus. Mit mir steigen auch Busfahrer und Fahrkartenverkäufer aus. Sie reden auf mich ejn und deuten, ich solle jemanden anrufen. Ah. Ok, dann ruf ich mal Tambdi Dad an. Er nimmt ab und ich gebe das Handy dem Busfahrer. Sie sprechen ganz kurz und dann kommt auch schon Chichi angerollt. Er sagt ihnen, ich solle noch ein Stück mitfahren und so steigen wir alle wieder ein und weiter geht es. Ich bin gerührt, wie sich um mich gekümmert wird. Schließlich hätten sie mich auch einfach stehen lassen können. So kaufe ich nochmal ein Ticket für 5 ct und steige ca. 3 min später endgültig aus. Sie winken mir zum Abschied. Ich erkenne die Kreuzung und beschließe, auf Chichi zu warten. Er ruft aber kurz später an und wir vereinbaren, dass ich ca. 400 m zurück laufe, denn dort hat er einen Laden gefunden, der ihm die Luft aufpumpt. Bzw die Reifen wechselt, denn die Ventile sind rausgerissen. Und dann geht es heim.
Bei der Reperatur:
Ich liege am Waldrand und höre dem Wind zu, wie er die Blätter rauschen lässt. Es ist Winter und die Regenzeit ist lange genug her, dass die Büsche und Gräser langsam trocken genug sind, um Feuer zu fangen. Um ihre Grundstücke vor Wildfeuern zu schützen, verbrennen einige Leute bereits Streifen um ihr Grundstück herum. Chichis Familie hat die Tage „grass cutter“ kommen lassen, 2 Männer mit Motorrasenmähern, um das Gebüsch auf dem Grundstück zu mähen und das Haus vor Wildfeuer zu schützen. Hier in dem Wald, in dem ich liege, ist die Familie ein weiteres Grundstück. Hier möchte Chichi eine Hütte bauen und befreit aus diesem Grund eine Fläche von Gebüsch. Immer wieder zündet er dafür Haufen an, die jedoch schwer brennen, da sie noch zu feucht sind. Das mit dem Grundstück hier ist so eine Sache. Hier ist ein gemauertes Fundament, denn die Familie wollte ursprünglich hier ihr Haus drauf stellen. Das Grundstück gehört ihnen aber garnicht, das gehört wem anders. Diese Person ist allerdings schon seit Jahren nicht vor Ort und da laut Chichis Aussage seine Familie die ist, die sich „um das Grundstück kümmern“ (was auch immer das heißen mag), waren sie der Meinung, können sie hier auch gerade ihr Haus drauf bauen. Irgendwie hatte der Grundstückseigentümer dann aber davon mitbekommen und war wohl dagegen. So haben sie ihr Haus dann doch auf ihr eigenes Grundstück gebaut. Übrig ist aber das gemauerte Fundament und hierauf möchte Chichi seine Hütte stellen. Wann das der Grundstückseigentümer mitbekommt und wie er das dann findet, steht wohl noch in den Sternen.