Zurück im Land der Extreme

Ich bin ein Glückspilz! Es ist Mai 2024 und ich habe schon wieder Urlaub! Ich kann wirklich nicht behaupten, urlaubsreif zu sein. Im Januar erst habe ich meinen neuen Job angefangen und es gefällt mir richtig gut. So gut, dass ich gerade eigentlich viel zu früh in den Urlaub aufbreche. Dennoch bin ich schon wieder in Indien. Das ging schnell. Es ist Sommer und es ist vor allem Mangosaison! Das kann ich mir nicht entgehen lassen!

Ich besuche meine Adoptivfamilie in der Nähe von Mumbai, auf dem Land nahe der Westküste Indiens. Und ich bin aufgeregt. Meine indischen Adoptiveltern wissen noch nichts von ihrem Glück. Ich werde 2 Wochen bei ihnen verbringen und mit Rani, Sadaff und Chichi ganz viele Mangos essen, ans Meer fahren und in die Berge gehen. Zumindest sind das meine Vorstellungen. Da bin ich aber durchaus flexibel, denn als erfahrene Indienreisende weiß ich ja mittlerweile, dass die Dinge eh immer anders kommen.

Der Flug und auch die Einreise verlaufen reibungslos. Ich sehe, dass Chichi versucht hat, mich anzurufen und um Rückruf bittet. Ich rufe ihn zurück und fragt mich, wie ich denn jetzt weiterkomme. Keine Ahnung. Er fragt, ob ich Ola oder Uber habe, ich antworte, dass ich glaube, dass die Apps ohne Simkarte nicht funktionieren. Außerdem bräuchte ich bitte zur Sicherheit nochmal die Adresse der Wohnung in Mumbai. Er lacht, sagt, er schickt sie mir und wir legen auf. Kurz darauf bekomme ich den Screenshot einer Bestätigung für ein auf mich wartendes Taxi samt Anweisung, wo das auf mich wartet. Ideal. Ich mache mich auf den Weg. Ich komme im entsprechenden Abschnitt des Parkhauses an und es herrscht ein Hupkonzert. Willkommen im Land der Extreme! Kurz später nickt mir ein Taxifahrer wissend zu, zeigt mir den Weg und da er so überzeugt wirkt, folge ich ihm. Ich bin auf diesem Parkplatz weit und breit die einzige, die offensichtlich keine Inderin ist und ich schätze, dass Chichi ihn instruiert hat, nach einer Ausländerin Ausschau zu halten. Tatsächlich steht sein Auto auf der Parkplatznummer, die mir Chichi geschickt hat. Ich gebe ihm den Code und wir fahren los. Es ist garnicht so einfach, überhaupt aus dem Parkhaus rauszukommen, denn die Fahrspur ist bereits dreireihig befahren und immer wieder versucht ein Auto, auszuparken. Schwierig. Um zum Ambiente beizutragen, hupt man, sobald keine ideale Durchfahrt möglich ist. Also ständig. Ich muss lachen. Das ist auf jeden Fall ein authentischer Start in meinen nächsten Indienaufenthalt! Im Parkhaus habe ich kurzzeitig wieder W-lan und Chichi schreibt, er verfolgt live den Standort des Taxis, ich solle mir keine Sorgen machen. Das ist lieb.

Ich habe glücklicherweise einen sehr durchsetzungsstarken Taxifahrer erwischt, wodurch wir relativ zügig raus kommen. Und irgendwann kommen wir laut Navi dort an, wo Chichi ihn hinbeordert hat. Es ist dunkel und ich erkenne die Straße nicht. Gut, er ruft Chichi an, der ihm Anweisungen gibt und 2x um die Ecke steht Chichi auf der Straße und wartet. Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass er mich in Mumbai abholt, es aber nicht erwartet und freue mich demnach sehr, ihn zu sehen!

Als Mann muss er natürlich meinen Koffer nehmen (in dem ausschließlich Geschenke sind) und ist irritiert, wie ich a) alleine damit gereist bin und b) warum ich überhaupt mit so viel Gepäck reise. Das wird er später rausfinden. In der Wohnung bietet er mir Tee an und noch bevor ich fertig überlegt habe, ob ich jetzt einen als Willkommensgeste trinken soll, hängt er lachend an, dass er wisse, dass ich keinen mag und nur zur Sicherheit fragen wollte 😀 dann versucht er noch mit glücklicherweise arg geringer Anstrengung, mich zum Essen zu überreden, er würde was bestellen. Ich habe absolut keinen Hunger und außerdem auch noch eine Breze und Semmeln dabei. Ich gebe ihm die Breze und sage, er soll typisch deutsches Brot probieren. Er wirkt nicht übermäßig begeistert, aber immerhin auch nicht ganz abgeneigt.

Am nächsten Tag treffen wir Kajal und Akshay, eine 17-jährige Cousine sowie einen Cousin, den ich schon kenne. Die letzte 3/4 h auf dem Markt bin ich alleine mit Kajal unterwegs und damit wir uns nicht verlieren, halten wir uns an den Händen. Sie passt auf mich auf. Gestern noch saß ich normal in der Arbeit und heute laufe ich mit einem Mädchen, das ich erst seit 20 min kenne, händchenhaltend über einen Markt in Mumbai. Skurril.

Am Abend fahren wir los zur Bushaltestelle. Diesmal haben wir leider keinen Schlafbus, sondern einen Bus mit normalen Sitzen. Auf dem Weg holen wir noch ein Paket ab, sagt Chichi, als wir irgendwo auf einem Privatgrundstück halten und er aussteigt. Ich warte mit dem Taxifahrer. Etwa eine halbe Stunde später kommt Chichi ohne Paket zurück und deutet mir, auszusteigen und unsere Sachen mitzunehmen. Ok. Dann kommt auch schon ein kleiner Lastwagen um die Ecke. Da laden wir meinen großen Koffer hinten mit in den Laderaum. Auch hier ist kein Paket, dafür aber eine Couchgarnitur. Das kann es ja nicht sein, denke ich verwundert. Wie so eine blutige Anfängerin. Ich steige vorne ein und unser neuer Fahrer des Vertrauens bringt uns zu einer Tankstelle an der Autobahn und hier warten wir etwa 2 h auf den Bus. Nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung, andererseits ist es auch garnicht mal so schlecht, zur Abwechslung rechtzeitig vor dem Bus an Ort und Stelle zu sein. Ich will mich also nicht beschweren. Irgendwann fährt unser Bus dann ran, ich steige mit unserem Gepäck ein und Chichi regelt, dass mein Koffer unten ins Gepäckfach kommt. Ziemlich lang diskutieren sie, stehen vor dem geöffneten Gepäckfach und ich biete schon an, den Koffer mit zum Sitzplatz zu nehmen. Und dann holen sie irgendwann die Couchgarnitur raus und versuchen, die unterzubekommen. Ein Dreisitzer und 2 Sessel. Chichis Definition eines Pakets ist eindeutig offener als meine Auslegung. Irgendwann sind die 2 Sessel verstaut und sie sehen ein, dass der Dreisitzer wirklich nicht reinpasst. Und auf machen wir uns des Weges. Bis eine halbe Stunde später Chichis 14-jähriger Cousin Parsen dazusteigt. Parsen ist sehr nett und auch neugierig. Er hatte noch nie Kontakt zu jemandem aus dem Ausland. Die nächsten Stunden ist so für Unterhaltung gesorgt.

Morgens gegen halb 7 steigen wir aus. Der Bus fährt jedoch schon weiter, noch bevor wir die Sessel und meinen Koffer rausgeholt haben. Also fährt unser neuer Transporter hinterher, Chichi telefoniert mit dem Fahrkartenkontrolleur (natürlich hqt er dessen Handynummer?!) und kurz später kommen sie samt Sessel und Koffer wieder zurück. Geschafft, ich bin zurück in Tambi 🙂

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