Ein weiterer Kuhzwischenfall und kalte Duschen

Schlafen gegangen bin ich kurz nach dem Abendessen. Abends brauche ich immer etwas Zeit, um das erlebte zu verarbeiten. Das ganze dabei schriftlich festzuhalten, tut mir gut. So ist dieser Blog überhaupt erst entstanden.
Ich darf als einzige Göttin im Haushalt im Zimmer mit Bett schlafen. Was mich letztes Jahr noch etwas gestört hat, finde ich jetzt gut. Zum einen hoffe ich, dass ein Innenraum etwas wärmer bleibt als die umliegenden Räume und außerdem gehe ich deutlich früher schlafen als der Rest. So liege ich nicht im Weg und vor allem auch nicht mittem im lautstarken Gequatsche. Gegen halb 9 am nächsten Morgen wache ich auf und kann nicht mehr schlafen, weil mir doch kalt ist. Wie „kalt“ genau, weiß ich nicht. Aber ich schätze es werden so an die 18°C sein. Gegen 10 stehen die andere auf und da schließe ich mich an. Die 3 haben im Wohnraum geschlafen, auf Matten auf dem Boden. Die Mutter fängt an zu kochen.

Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn meine beste Freundin bringt heute den kleinen Leo zur Welt. Ich brauche also dringend Internet. Ich mache mich dafür mit Chichis und meinem Handy (ich habe keine lokale Simkarte) auf den Weg ins Gebüsch, wo man scheinbar Empfang hat. Ich finde die Stelle und wir können ein paar Nachrichten austauschen. Dann gehe ich zurück und es gibt Frühstück: Chapati mit gekochten Kartoffeln (in Gewürzsauce). Es folgt eine sehr lange Konversation zwischen Onkel, Tante und mir mit einem überraschend motivierten Übersetzer Chichi. Gut, vielleicht hat zu seiner Motivation beigetragen, dass ich ihn vor 2 Tagen ziemlich klar gesagt habe, wie blöd es sich anfühlt, wenn die anderen versuchen, mir was zu sagen oder über mich reden und er sich weigert, zu übersetzen. Er beteuerte zwar, dass das keinesfalls gegen mich und viel mehr gegen besagte Personen gerichtet ist, aber das ändert verschwindend wenig an meinem Empfinden. Wir reden nun über ihren Sohn in der 10. Klasse und ihre Erwartungen an ihn. Und weil sie erzählen, dass sie sich für Prasen wünschen, dass er mal im Ausland arbeitet und sich dort niederlässt, sprechen wir auch übers Studium, Werdegänge, Möglichkeiten für Ausländer im fremden Land und schließlich sehr viel über kulturelle Unterschiede zwischen Indien und Deutschland. Das finde ich wichtig. Zum einen ist es für mich natürlich ganz angenehm, weitere Aspekte und Perspektiven kennenzulernen – zum anderen freut es mich auch, Menschen ein wenig Einblick ins Fremde geben zu können, die wenig Möglichkeiten haben, direkt mit anderen Kulturen in Berührung zu kommen.

Schließlich brechen wir auf. Auf geht es mit dem Motorrad den schmalen Erdweg entlang zurück zur Hauptstraße. Und wir werden schon erwartet. Auf etwa halbem Weg steht DIE KUH. Daran, wie sie zu uns aufschaut und losrennt, als wir umdrehen, um zurück zum Haus zu fahren, merken wir, dass es tatsächlich die gleiche sein muss. Und auch heute ist sie uns nicht wohl gesonnen. Wobei wir wirklich sofort umgedreht haben, als wir sie entdeckt haben.  Das war auch gerade noch rechtzeitig, denn wieder entkommen wir ihr nur knapp. Wären wir auf einer asphaltierten Straße, hätte die Kuh sicherlich keine Chance, aber sie scheint sich ihrem Vorteil der buckeligen Erdpiste bewusst zu sein. Diesmal haben wir das halbe Dorf als Zeugen. Ein Nachbar winkt uns kurz darauf zu, dass wir jetzt schnell fahren sollen. Und das tun wir auch. Lachend aber auch mit einem kleinen Schock.

Ein anderer Erdweg und andere Kühe 🙂

In Indien gibt es 3 Jahreszeiten: Winter, Sommer und Monsun. Im Januar ist Winter und die Temperaturen schwanken zwischen ca. 16°C nachts und 30°C tagsüber. Da keine Regenzeit ist, strahlt die Sonne am blauem Himmel. Der Fahrtwind ist sehr angenehm. Wir fahren an einer Farm vorbei, an der wir schon häufiger vorbei gekommen sind. Und mehrmals haben wir auch schon gesagt, dass wir mal dort halten wollen. Der Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Wir halten vor dem Tor und gehen auf das Grundstück. Es ist ein riesiger Garten voll mit Obstbäumen und -strächern. Und 2 Melonenfeldern, die mich optisch an Spargelfelder erinnern. Wir treffen auf einen Mann, er ist der Besitzer des ganzen und führt uns gerne rum und zeigt uns seine Pflanzen. Seine Frau und er legen den Garten in Permakulturweise an, lediglich die beiden Melonenfelder werden künstlich bewässert und werden für Wirtschaftszwecke angebaut. Den Rest bezeichnen sie als Hobby, eigentlich arbeiten die beiden nämlich als Autoren und Editoren. Auf ihrem Grundstück haben sie 14 indische und 7 nicht heimische Mangoarten, Papayas, Chikus, Rosenäpfel, Mandarinen, Jackfruits, Orangen, mehrere Beeren, blaue und gelbe Bananen, Kokosnüsse und Pflanzen, aus deren Samen man Lebensmittelfarbe herstellen kann. Das sind gerade alle, an die ich mich erinnere, es waren noch einige weitere dabei, die ich garnicht kannte. Ihr Sohn lebe in Mannheim, erzählen sie mir, als aufkommt, dass ich Deutsche bin. Und sie hätten Mitleid mit ihm und den ganzen anderen Deutschen, die auf den Genuss ihrer Früchte verzichten. Die beiden sind mir sehr sympathisch. Ihr Konzept lautet, jeder kann kommen und selber ernten. Wie schade, dass ich zur falschen Jahreszeit gekommen bin. Die meisten Früchte werden im Sommer (ab Mai rum) Saison haben. Trotzdem geben sie uns aber eine kleine Tüte mit noch nicht reifen Chikus, Bananen und Zitronen aus Malta mit. Da freue ich mich schon sehr drauf!

Und dann ist es schon wieder Nachmittag und nach einem weiteren Zwischenstopp auf einem Feld im Schatten eines Mangobaums fahren wir in Mamas Dorf. Mama (gesprochen Maamaa) heißt Onkel mütterlicherseits und es ist der Onkel, dessen Nachbar mir mal einige Kilo Mangos geschenkt hatte. Mangos gehören leider auch zu den Früchten, die jetzt Blüte haben und erst im Mai reif sind. Wir bekommen Chapatis und Bohnen zum Abend und fahren zum Sonnenuntergang wieder an einen See. Er ist ungewöhnlich voll, sodass wir garnicht zu unserem Baum kommen. Aber auch von der Seite aus haben wir eine schöne Aussicht und können ab und an ein paar Affen beobachten.

Unser Gefährt des Vertrauens am See:

Nach dem Abendessen fragt mich der Sohn von Mama, ob ich mit ihm Federball spielen möchte. Ich bin bereits geduscht und trage ein Nachthemd, aber bin dabei. Draußen ist es schon etwas frisch, sodass ich mit meinen Wanderschuhen, Nachthemd und Pulli drüber in der Beleuchtung der Veranda Federball spiele. Das ist ein guter Abend. Als wir fertig sind, sagt er noch etwa 5x good night zu mir und ringt mir das Versprechen ab, morgen wieder zu spielen. Leider stehe ich aber zu spät auf und er muss schon los zur Schule. Am Vorabend wurde mir empfohlen, besser im Haus der einen Familie zu duschen, da der Raum hier etwas höher ist und es für mich daher angenehmer ist. Mir wurde in einem großen Topf Wasser erwärmt, das in einen Eimer mit Schöpfer umgefüllt wurde. Bis ich am nächsten Morgen aufstehe, ist es schon sehr warm. Außerdem war die Nacht auch recht warm und so beschließe ich, dass ich auch mit normalem Wasser duschen kann. Als ich aus dem Bad rauskomme, fragt Chichi direkt, wo ich denn gesteckt hätte – sie hätten mich gesucht. Als ich ihm sage, dass ich geduscht habe, fragt er mich direkt, wer mir denn Wasser aufgewärmt hätte? Berechtigte Frage, da ich hier mit praktisch niemandem kommunizieren kann. Dass ich kalt geduscht habe, hält er für völlig absurd.

Das Abendessen:

Dafür kommt ein anderer Nachbarsjunge vorbei und begrüßt mich direkt mit „hello Julia didi“ (hallo Schwester Julia). Dabei grinst er breit. Ich bin beeindruckt, dass er meinen Namen kennt. Letztes Jahr war ich zur Generalprobe der örtlichen Grundschule für ihre Tänze eingeladen worden und habe dabei sehr viele Kinder getroffen. An sein Gesicht erinner ich mich nicht mehr. Auch abseits des Jungen kommen immer wieder Nachbarn vorbei, die von meiner Anwesenheit erfahren haben. Sie gesellen sich dann etwas zu uns, unterhalten sich aufgrund der Sprachbarriere ausschließlich mit den anderen und winken zum Abschied.

Am Mittag brechen wir mit dem Mangoonkel (eigentlich Nachbar) auf, er will uns eine Höhle zeigen. Während er mit Flipflops und einer Machete losläuft und uns im Gebüsch immer wieder einen Weg freischlägt, fühle ich mich in meinen Wanderschuhen leicht overdressed. Aber ich habe auf dieser Reise ausschließlich die Wanderschuhe und ein Paar Flipflops dabei und da sind mir für so einen Ausflug die festen Schuhe dann doch lieber. Zwischendurch (als wir mitten im Wald sind und viel Schatten haben) deuten sie mir an, ich soll mein Tuch lieber wieder als Kopftuch tragen und möglichst viel Gesicht bedecken. Chichi erklärt, dass hier scheinbar Pflanzen wachsen, die bzw deren Blüten einen Juckreiz auf der Haut hervorrufen. Nach ca. 45 min sind wir an der Höhle angekommen. Sie ist klein aber sehr kühl. Wir bleiben einen Moment hier und machen uns dann wieder auf den Rückweg.

Mit einer Cousine vor der Höhle:

Am späten Nachmittag fahren wir wieder heim. Wir machen am gleichen Straßenstand Zwischenstopp, bei dem wir auch schon auf dem Hinweg gehalten hatten: hier gibt es frische Wassermelone, Pomelos und die obligatorische Auswahl an frittierten Snacks. Der Stand liegt an einem See mit Seerosen. Und Krokodilen, die wir aus der Ferne schwimmen sehen. Wir kommen noch an bevor es dunkel und damit kühl ist, was mir sehr recht ist. Die Muter erwartet uns schon und fragt mich als erstes, warum ich denn in der Früh kalt geduscht hätte? Zum einen bin ich ja sehr glücklich, dass ich die Frage auf marathi verstehe (zumindest die Wörter kay = warum / angol = Dusche / tandi = kalt / pani= Wasser). Und zum Anderen wundere ich mich, warum sie a. davon weiß und b. warum das von Relevanz ist. Ich sorge offensichtlich wieder für Gesprächsthemen.
Den Abend lasse ich mit einem Gespräch mit den Eltern ausklingen. Und auch hier verstehe ich wieder ein bisschen was auf marathi. Einmal versucht der Vater, mir was zu erzählen, er sucht dabei verzweifelt nach einem Wort auf englisch-bis ich ihm das marathi Wort anbiete und sie freuen sich mindestens so sehr wie ich, dass wir wieder ein bisschen besser kommunizieren können.

Hochzeit und Kuhattacke

Die Tage in Chiplun bekommen wir ganz gut rum. Wir fahren mit dem Motorrad auf einen Hügel in der Nähe, machen eine kleine Wanderung und schauen uns von dort den Sonnenuntergang an. Einmal fahren wir zu einem Fluss, der teils unterirdisch verläuft. Auf dem Weg fahren wir lange Strecken durch Wälder, links und rechts nichts weiter als Bäume und Sträucher. Wir fahren um eine Kurve und Chichi fragt, ob ich den Unterschied sehe. Nee. Sie haben hier einen großen Baum gefällt. An dem sind wir letztes Jahr schon ein paarmal vorbei gefahren. Ob ich mich nicht an den erinnern könne. Nee, kann ich nicht. Ich habe zwar einen guten Orientierungssinn und kann mich leicht an Orte erinnern – aber so krass, dass mir ein fehlender Baum in einem Wald auffällt, den ich zuletzt vor einem Jahr durchfahren habe, bin ich auch nicht 😀
Angekommen stellenn wir fest, dass man nicht wirklich viel sieht. Es öffnet sich eine kleine Höhle, aus dem der Fluss rauskommt und oben drüber ist ein ausgetrocknetes Flussbett, das vermutlich nur zur Regenzeit mit Wasser gefüllt ist. Wir laufen ds Flussbett etwas hoch und tatsächlich ist der Weg ganz schön. Es sind interessante Steinformationen.

Einen Tag kommen ein Onkel sowie eine Tante zu Besuch. Sie kenne ich bereits von den letzten beiden malen. Sie sind nett, der Onkel gehört allerdings zur Sorte „ich bin ein erfahrener Mann und sage euch jungen Leuten, was ihr wie zu tun habt“ und da werde ich mit eingeschlossen. Schön, dass ich irgendwie dazu gehöre, aber in dem Bereich könnte ich auch gerne drauf verzichten. Einmal fragt er mich, ob er mir eine persönliche Frage stellen darf und da war ich ja schon neugierig, was da jetzt kommt.
„When are you getting married?“ (Wann heiratest du?) Natürlich. Die Frage aller Fragen. Meine Antwort darauf war, dass ich das nicht weiß, da ich bisher niemanden kennen gelernt habe, mit dem ich das in Betracht ziehen würde. Dann meinte er, er hätte eine Bitte an mich: ich soll bitte schnell heiraten. Meine Frage, warum verwirrt ihn kurzzeitig. Ob das daran liegt, dass er nicht gewohnt ist, dass seine wertvollen Ratschläge hinterfragt werden, oder weil ich als jüngere Frau nicht generell nur ja sage, oder ob es einfach an der sehr großen Sprachbarriere liegt – keine Ahnung. Er antwortet, dass ich dann gesettelt bin. Ab dem Punkt klingt sich Chichi mit in die Konversation ein und wirft ein, dass der Onkel damit sagt, ich hätte jetzt ein unruhiges/nicht zufriedenstellendes Leben aber ab hier ist die sprachliche Barriere zu groß und das Thema verläuft im Sande. Dann bringen wir die beiden zum Busbahnhof, klappern vorher allerdings noch einige kleine Baumärkte ab. Das finde ich ganz interessant. Es gibt zum Beispiel Dachdeckung aus Plastik (ähnlich Wellblech), das die Form und Farbe einer Fläche Ziegel hat. Wir fahren unverrichteter Dinge weiter und verabschieden die beiden nicht, ohne ihnen zu versprechen, sie die nächsten Tage im Dorf besuchen zu kommen. Es ist das Haus, in dem wir letztes Jahr Prasen und seine Oma besucht haben, nur dass Prasen kurz vor Prüfungen steht, daher in Mumbai ist und da die Eltern ihn nicht alleine lassen wollten, ist die Oma jetzt bei ihm.

Am Samstag fahren wir ans Meer. Auf halbem Weg machen wir Zwischenstopp auf einem Hügel und snacken ein Vada Pav, ein Kartoffelbratling mit Gewürzen im Burgerbrötchen.
Mit dem Essen tu ich mir gerade noch etwas schwer. Wir frühstücken gegen 11 (weil ich auch bis 10 schlafe), um 1 gibt’s dann Mittagessen, dann sind wir unterwegs und Abendessen ist dann zwischen 23 und 1 Uhr irgendwann. Gegen 5 gibts „evening tea“ mit Snacks, die verpassen wir aber immer. Wir holen dann oft unterwegs Snacks, aber die sind größtenteils fettig und wenig gesund. Ich verstehe die Essenszeiten nicht. Die waren die letzten 2 Jahre auch schon so komisch, da muss ich mich erst wieder dran gewöhnen.
Gestern Abend vorm späten Abendessen haben sie mir dann gewürzte, scharfe Bananenchips gegeben, ich liebe diese Teile. Das war ein Fehler, weil ich ziemlich Hunger hatte und das Abendessen kaum abwarten konnte. Nachdem ich viel zu viele Chips gegessen hatte, hatte ich zur großen Überraschung von Tambdi mum keinen Hunger mehr und habe nur eine kleine Portion gegessen. Was in dem Fall auch nicht so tragisch war, weil ich fast nur Knoblauch geschmeckt habe. Naja, jedenfalls habe ich mir wegen der vielen frittierten Snacks und Mahlzeiten vorgenommen, „nur noch“ maximal einmal täglich was frittiertes zu essen. Meine Freunde und sämtliche Leute, die sonst mitbekommen, was ich zu mir nehme, finden es fragwürdig, warum ich bei so manchen Snacks nicht zugreife. Chichis Bruder meinte zu mir „don’t think, just eat“ (denk nicht drüber nach, iss einfach), als ich ihm erklärt habe, warum ich nicht endlos viele Chips auf einmal essen möchte und anschließend beim Abendessen bei den frittierten Linsenwaffeln nicht auch noch zugegriffen habe.

Samstag Abend sind wir dann bei der Tante und dem Onkel zu Besuch und übernachten, damit wir nicht so lange durch die Kälte Motorrad fahren müssen. Besonders jetzt kommt uns der Zwischenstopp ganz gelegen, da das Motorradlicht spinnt und erst garnicht funktioniert hat und nach etwas Wackeln an so manchen Kabeln nur leicht. Die Straßen sind nicht beleuchtet und gleichen auf dieser Strecke einer kleinen Kraterlanschaft. Keine gute Voraussetzung, ohne funktionstüchtigem Scheinwerfer unterwegs zu sein. Kurz bevor wir ankommen, fahren wir einen kleinen Erdweg zum Grundstück. Vor uns laufen 2 Kühe, die nach kurzer Zeit mit uns im Rücken losrennen. Chichi fährt ihnen lange ziemlich dicht hinterher und ich habe den Eindruck, das stresst die Tiere. Deshalb schlage ich vor, wir sollten entweder einen größeren Abstand halten oder sie überholen. Chichi ist nicht überzeugt, er hat Angst, dass uns die Kühe angreifen könnten. Er macht es dann aber doch und tadaa, eine der beiden Kühe fängt an, uns garnicht mal so langsam hinterher zu rennen. Gut, meine Expertise im Bereich Kühe auf einem engen Weg mit dem Motorrad überholen, nachdem man ihnen schon ein gutes Stück ziemlich nah hinterhergefahren ist nun nicht mehr 0, sondern hat um eine Erfahrung zugenommen. Wir können ihr tatsächlich nur ziemlich knapp entkommen und ich hatte tatsächlich schiss – immerhin saß ich ja auch noch hinten und wäre zuerst getroffen worden. Chichi hatte also recht. Als die Kuh kurz vorm Haus einen anderen Weg weiter rennt, steigen wir beide leicht geschockt ab und gehen lachend aufs Haus zu. Es ist 21 Uhr und ich hoffe, es gibt bald essen.

Neben dem Haus gibt es ein Klohaus mit 3 Kabinen. Dabei ist eine indische Toilette, auf der man auf dem Boden hockt und eine westliche Toilette. Allerdings hat die Oma den Schlüssel fürs Vorhängeschloss zur westlichen Toilette nicht gefunden, weshalb ich das indische Klo verwendet habe. Dieses Jahr verkündet mir die Tante lächelnd, dass ich auf das erste Klo gehen soll, weil das gut für mich sei. Ein Teil der westlichen Kloschüssel ist noch in der originalen Plastiktüte eingehüllt und ich frage mich, ob ich die Toilette heute einweihe. Außerdem ist die Klobrille an den Stellen, wo beim Hocken die Füße wären so verbreitet, dass man tatsächlich darauf hocken kann. Solche Toiletten habe ich schonmal gesehen, aber ich verstehe den Sinn nicht ganz. Wenn man eh hockt, finde ich es deutlich angenehmer, dafür nicht erst auf eine Kloschüssel steigen zu müssen.

Die Tante kocht mir dann einen großen Topf Wasser und füllt ihn in einen Eimer in der Dusche um, damit ich mit warmem Wasser duschen kann. Dann steht sie mit einem Handtuch bereit und bringt mir eine riesige, neue Seife. Ich sage ihr, dass ich Seife und Handtuch dabei habe und,es nicht benötige. Ein Nachthemd wäre aber super, da ich keins dabei habe. Das sind so kleine Situationen, in denen ich immernoch unsicher bin, wie ich mich richtig verhalte. Um das für die Zukunft zu klären, frage ich später aber nochmal nach. Ich erkläre ihnen, dass ich in Deutschland als Gast alles mitbringen muss, das ich an Kleidung, Duschkram etc benötige und dass ich deshalb alles mitgenommen habe. Und dass ich unsicher war, ob es unfreundlich von mir war, beides aufzuschlagen. Wir reden eine Weile darüber und tatsächlich ist egal, ob ich die Sachen annehme oder nicht, nur müssen sie sie mir als Gastgeber anbieten. Denn hier gilt: der Gast ist Gott. Das Sprichwort finde ich besonders aus dem Mund von Buddhisten witzig, weil sie keinen Gott haben und es ablehnen, eine oder mehrere Götter zu verehren. Zumindest hat Tambdi dad mir das letztes Jahr mal in einem sehr ausführlichen Gespräch erzählt.

Abendessen gibt’s dann um 11.

Von Goa nach Chiplun

Noch vor meiner Ankunft in Goa hat Mili mir geschrieben, dass sie gerade Probleme mit einem Auge hat. Zum Beweis hat sie mir 2 Selfis geschickt, auf denen ich speziell am Auge ehrlich gesagt nichts erkennen konnte. Ihr Gesicht wirkte aber geschwollen, daher habe ich ihr geantwortet, dass ihr Gesicht geschwollen ausschaut.
Mit meiner Ankunft und unserem Treffen stelle ich allerdings fest, dass es nicht nur ihr Gesicht ist, sondern sie hat generell ziemlich zugenommen. Ups. Sie fragt mich auch, wie ich es schaffe, nicht zuzunehmen. Und wenn man bedenkt, dass sie ernährungstechnisch quasi mein Antagonist ist und sich ausschließlich von Fleisch, Fisch, Reis und am liebsten Frittiertem ernährt – gepaart damit, dass sie Bewegung verabscheut, hätte ich da schon eine Idee ^^ glücklicherweise gilt man in Indien mit etwas Übergewicht aber ja als „healthy“ (gesund), weshalb sie zumindest deshalb gesellschaftlich keine Diskriminierung erfahren dürfte.

Heute ist Montag, Tag 2. Mili und ich haben beide verschlafen und treffen uns statt 9:30 Uhr erst um 14 Uhr. Sie hat uns einen Roller organisiert und mit dem fahren wir zusammen in die nächst größere Stadt, wobei wir die gewohnten Rollen einnehmen: ich bin Fahrer und sie navigiert. Sie muss zum Arzt und Blut abnehmen lassen und anschließend versucht sie mich in einem Klamottengeschäft davon zu überzeugen, mir irgendwas kaufen zu dürfen. Da gefällt mir aber nichts. Und abgesehen davon geht das auch langsam zu weit. Ich übernachte kostenlos in Suraj‘ Hotel und esse auch kostenfrei in seinem Restaurant. Darauf besteht sie, da er als Mann alle Einnahmen für sich behält und sie stark kontrolliert. Mich einzuladen, ist ein Weg, zumindest ein Bruchstück des ihr zustehenden Gewinns zurück zu bekommen. Und da muss ich an unsere gemeinsame, kleine Reise vor ein paar Jahren denken. Ich war noch Studentin und im Sommer zu Besuch. Und da bei ihr gerade einiges los war, habe ich sie eingeladen, ein paar Tage mit mir zusammen zu verreisen. Und es war auch schön. Es gab jedoch ein paar Situationen, in denen ich mich etwas schlecht gefühlt habe. Und das war zum Beispiel, als sie unbedingt noch essen gehen wollte (ich hatte nicht viel Hunger, mir hätte eine Kleinigkeit gereicht) und ein recht teures Restaurant ausgesucht hat. Da haben wir dann gegessen, sie hat einen gemischten Teller mit 12 verschiedenen Gerichten bestellt und nur ca. 25% davon gegessen, weil sie dann doch schon satt war. Der Rest ging in den Müll. Das fand ich ziemlich blöd. Zum einen, weil ich es prinzipiell blöd finde, Essen wegzuwerfen. Und zum anderen, weil es für dort echt teuer war. Umgerechnet 11€ hatte ihre Mahlzeit gekostet und ich habe mich etwas ausgenutzt gefühlt (man kann auch für 3€ gut essen). Und jetzt ist es das Gegenteil. Ich bin bei ihr zu Besuch und sie zahlt alles und lässt mich nicht einmal die 14ä5 ct für Sicherheitsnadeln lässt Mili mich zahlen. Vielleicht ist das jetzt ihre Art, mir für manche Unterstützung zu danken, vielleicht ist es für sie aber auch einfach klar, dass Familie nicht zahlt, wenn sie die erforderlichen Mittel hat. Ich weiß es nicht. Ich schätze, es ist eher zweiteres und habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass ich mich mal etw ausgenutzt gefühlt hatte.

Ich stelle fest, wir sind tatsächlich ein eingespieltes Team und das mit der Navigation klappt überraschend gut! Letztes mal hat sie für jede Richtungsangabe „straight“ (geradeaus) gesagt, aber heute läuft es wie am Schnürchen. Yeah! Das Fahren macht Spaß!

Nach einem ausgiebigen Mittagessen fahren wir zu einem Tempel, an den ein großer Markt angrenzt. In den Tempel geht Mili nicht, denn sie trägt keine 100% saubere Kleidung und außerdem hat sie gerade Fisch gegessen. Soll mir recht sein, denn Tempel habe ich eh schon einige gesehen. Wir schlendern dafür über den Markt, auf dem von Plastikspielzeug über Essen, Handyhüllen, Küchenkram und Taschen fast alles angeboten wird, das man im Alltag so brauchen kann. Wir lassen uns beide eine neue Schutzfolie aufs Handy kleben und sie spielt ein Spiel, bei dem sie Tischtennisbälle in bestimmte Fächer rollen muss. Sie gewinnt ein paar Wäscheklammern und ist zufrieden. Am Abend holen wir auf dem Rückweg noch einen großen Sack Strohhalme fürs Restaurant, bevor es zurück geht. Und auf der Rückfahrt schleicht sich Milis alter Navigationsstil von vor 2 Jahren wieder ein. Erst verwechselt sie mehrmals links und rechts und schließlich sagt sie kaum mehr was und wenn straight. Na gut, vielleicht beschränkt sich unsere gute Teamarbeit auf eine bestimmte Tageszeit.

Meine Zeit in Goa ist schon wieder rum und mein Zug nach Chiplun fährt heute (7.01.) um 10:22 Uhr ab Pernem. Gestern Abend hat Mili zurückgerechnet und meinte, ich sollte am besten um 8 Uhr los. Dann komme ich früh genug an, um mich am Bahnhof zurecht zu finden und den richtigen Zug zu finden. Sangam, der Freund dessen Roller wir auch geliehen hatten, fährt mich zum Bahnhof. Um 8:40 Uhr kommen wir an und an dem Bahnhof gibt es 2 Gleise. Der Bahnhof ist sehr überschaubar. Und jetzt bin ich zwiegespalten. Einerseits weiß ich wertzuschätzen, dass wir überpünktlich sind – aber andererseits hält Mili es offensichtlich für notwendig oder zumindest angemessen, dass ich über eine Stunde habe, um herauszufinden, auf welchem der 2(!) Gleise mein Zug fährt. Ich hätte locker eine Stunde länger schlafen können.

Die Zeit am Bahnhof vergeht dann doch ganz gut. Eine Mutter mit ca. 1 Jahr altem Baby hat mich relativ schnell entdeckt und es sich zum Ziel gemacht, ihr Kind dazu zu bringen, mich verbal zu begrüßen. Das Kind ist süß, winkt mir nach einiger Zeit auch, ist aber wenig gewillt, irgendwas zu mir zu sagen. Die Mutter hat aber eine ordentliche Ausdauer und so verbringen wir recht viel Zeit damit, auf das Kind einzuwirken. Wie sich herausstellt, fahren alle Züge von Gleis  und Gleis 2 wird für die Züge ohne Halt verwendet. Ein Polizist bringt für mich in Erfahrung, auf welchem Gleisabschnitt mein Wagon ankommt und gibt mir sogar extra Bescheid, wann ich loslaufen soll. Wir sind etwa eine Stunde verspätet und da irgendwas mit der Angabe des Polizisten nicht passt, steige ich 5 Wagons von meinem entfernt ein. Und muss dann einmal durch den Küchenwagon und laufe somit samt Gepäck einmal durch die fahrende Küche. Als ich meinen Platz finde, er ist in einem klimatisierten Wagon mit Liegeplätzen, bin ich von einer netten Gruppe Männer umgeben, die beruflich Pyrotechniker sind und für eine große Hochzeit in Goa die Feuerwerke gemacht haben. Nach einem kurzen Gespräch lege ich mich erstmal etwas schlafen. Wie erwartet friere ich, denn die Klimaanlage kühlt die 29°C draußen scheinbar nicht nur auf 25°C runter sondern auch mit Wollsocken und Pulli finde ich es nicht angenehm, den kalten Zug auf den Beinen zu spüren. Also setze ich mich irgendwann unten wieder dazu. Die Männer haben Essen bestellt (aus besagtem Küchenwagen) und das wird gerade gebracht. Essen an Bahnhöfen und in Zügen meide ich lieber. Nicht, dass ich schlechte Erfahrungen damit gemacht habe, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass das qualitativ und geschmacklich hochwertig ist. Die Männer bestehen allerdings darauf, dass ich mitesse, denn sie hätten eh zu viel. Ich bin mir unsicher, ob sie das wirklich übrig haben, aber da ich schon mehrfach abgelehnt habe und tatsächlich hungrig bin, nehme ich etwas an. Es ist essbar, wird aber vermutlich keinen Michelinstern erhalten. Meine Mitfahrer amüsieren sich darüber, dass die einzige Ausländerin hier vegetarisch isst, während sie Huhn gewählt haben. Zum Abschied schenke ich ihnen eine kleine Packung Spekulatius, die ich als Gastgeschenk aus Deutschland mitgebracht hatte und sie freuen sich sehr darüber.

Nachdem Chichi am Bahnhof in Chiplun erst die andere Ausländerin für mich gehalten hat (die hat braune Haare?!), ist ihm irgendwann doch aufgefallen, dass er der falschen hinterher läuft und findet mich am Ausgang. Und während ich dort auf ihn warte, hält mich ein Fahrer genauso für die andere Ausländerin und versucht mich davon zu überzeugen, dass er mich zu irgendwelchen Leuten/Orten bringt, die mir nichts sagen. Als er mir schließlich ein Telefon in die Hand drückt, an dem mich wer fragt, ob ich denn Mia sei und ich nein sage, glaubt mir auch der Fahrer und läuft kurz später mit der richtigen lächelnd an mir vorbei.
Nach nur 10 min Autofahrt sind wir bei Chichis Familie und ich komme in der idyllischen Ruhe an. Bis vier 6 Monate alte Welpen auf mich zurasen. Für sie verzichte ich aber gerne auf die Ruhe!

Ab nach Goa!

Neues Jahr, neue Reise – aber altes Ziel. Natürlich geht es wieder nach Indien, aber nach 4 Wochen Indien hänge ich noch knappe 2 Wochen Oman dran. Ich möchte auch nochmal ein neues Land besuchen.
Los geht die Reise von Frankfurt aus. AirIndia hat für mich entschieden, dass es auch reicht, wenn ich einen Tag später fliege und so komme ich am 3.1. am späten Abend in Delhi an. Ich habe auf dem Flug neben zwei Netten Indern gesessen, die in Bielefeld leben und Heimatbesuch antreten, da einige Hochzeiten in der Familie anstehen. Sie erzählen, dass sie in Indien auch sofort als Auswärtige identifiziert werden. Und sie haben festgestellt, dass sie sich häufig selbst verraten – da sie mittlerweile häufig bitte und danke sagen. Und auch wenn mir bewusst ist, dass man die Wörter in Indien nicht wirklich verwendet, hilft es sicherlich, es ins Gedächtnis gerufen zu bekommen. Wir steigen aus und in Busse um. Die beiden sind in einem Bus vor mir und winken bei der Abfahrt. Wie lieb.

Naresh holt meine ganzen Gepäckstücke und mich vom Flughafen ab. Ich habe den großen Koffer und die Hälfte meines Handgepäcks mit Backartikeln, Mitbringseln und Kleidung gefüllt und außerdem noch im Duty free in Frankfurt wie auch Delhi Zeug besorgen sollen, das jeweils in extra Tüten verpackt ist. Da ich am nächsten Morgen für den Flug nach Goa schon wieder früh aufbrechen muss, packe ich im Hotel schnell um und verabschiede Naresh mit dem Großteil des Gepäcks. Im Tausch hat er mir von seiner Frau zubereitetes Abendessen da gelassen. Ein guter Tausch war das. Micha hatte zuvor noch gefragt, ob sie mir Brot mitbringen sollen. Aber auf garkeinen Fall! Das ist richtig lecker, keine Frage. Aber ich werde doch nicht als erste Mahlzeit in Indien gutes, deutsches Brot essen. Und so hat Naresh Frau mit Kartoffeln gefüllte Dumplings gemacht und dazu Gemüse mit Chapati.

Es ist jetzt 12 Uhr abends und ich sollte dringend schlafen gehen, da mein Wecker um 4:40 Uhr klingelt. Aber mein auf deutsche Zeit gepolter Körper hält nicht viel davon, zwischen 19:30 und 0:10 Uhr zu schlafen und so habe ich gerade mal eine Stunde geschlafen, als mich der Wecker für den Goaflug weckt. Das mit der Zeitverschiebung hatte ich bei der Buchung vom Goaflug irgendwie ausgeblendet. Ups. Das schäbige Hotel meines Vertrauens liegt am Rande des Flughafengebiets und das Taxi braucht nur 10 min zum Terminal. Ich hege aber ein Misstrauen gegenüber Taxifahrern und da ich befürchte, dass mein gebuchtes Taxi nicht auftaucht. Alles schon gehabt, ich frag die Rezeption, bei der ich ein Taxi gebucht habe und dann kommt eine Antwort wie „maybe he is sleeping“ – wow, ok danke.
Und da es der Erfahrung nach um 5 Uhr morgens signifikant schwieriger ist, ein Taxi aufzutreiben als zu normalen Uhrzeiten, habe ich dafüt zusätzlichen Puffer eingeplant. Tatsächlich steht mein Taxifahrer aber schon in der Lobby, als ich um 5 runter komme. Mein Rezeptionist zeigt auf ihn, nickt, er nimmt meinen Koffer. Ich muss noch was unterschreiben, verabschiede mich und laufe dem Mann mit meinem Koffer hinterher – da ruft der Rezeptionist mir hinterher, dass das mein Taxifahrer ist. Gut, dass wir ins Dunkel der für ihn offensichtlich nicht ausreichend geklärten Situation noch Licht gebracht haben.

Natürlich bin ich viel zu früh am Flughafen und die Schlangen der Security Kontrollen nonexistent. Als ich meine Taschen für den Scan vorbereite, findet ein Putzmann auf der Ablage sorgfältig in Papier eigerollte Pfannkuchen. Als er die Ablage umrundet, tauchen auf dem Boden noch mehr davon auf – sicherlich hat hier eine Mutter jemandem liebevoll eine Brotzeit vorbereitet – nur die wird hier jetzt leider im Müll landen. Der Putzmann und ich müssen über die Menge der Pfannkuchen lachen und das war auch schon das Highlight des Morgens. Im Foodcourt sitzen bereits einige Leute und essen Dominos Pizza, Subway Sandwiches und indische Speisen. Um 5:40 Uhr in der Früh. Das irritiert mich.

Die 2 Stunden Flug nach Goa gehen schnell rum und Devesh, ein Bekannter eines Freundes von Mili und ihrem Mann holt mich ab. Für meinen halbtot-weil-müde-Zustand hat er mir eindeutig zu viel Energie und spricht ein bisschen zu gerne. Aber er kann ja nichts dafür, dass er eine grummelige, unausgeschlafene Julia neben sich sitzen hat.

Nach gut 1,5 Stunden Fahrt stehen wir vorm Hotel von Milis Mann. Da ich vor der Check-in Zeit angekommen bin, muss ich noch etwas in der Außensitzecke warten. Kurz nach mir kommt eine Gruppe Russen, die sich zu mir gesellen und mit einem lokalen Taxifahrer reden. Er redet mit ihnen in einer Mischung aus Konkani und ein paar englischen und russischen Wörtern und sie reden hauptsächlich russisch mit ein paar englischen Wörtern. Interessant. Dass ich mit Kasachstan mal angefangen habe, ein wenig russisch zu lernen, macht sich tatsächlich bemerkbar-denn so manches verstehe ich ein bisschen. und werde für eine Rusdin gehalten.

Morjim ist ein bei Russen sehr beliebter Urlaubsort in Goa und ich wurde hier auch in der Vergangenheit häufig für eine Russin gehalten. Auch viele Speisekarten sind auf russisch und englisch verfasst. Und auch dieses mal werde ich auf russisch begrüßt. Russisch grüßen bekomme ich gerade noch hin, aber es ist etwas komisch, zwar als Ausländerin erkannt zu werden (im Gegensatz zu Kasachstan, wo ich als Einheimische gelesen wurde), aber im Reisealltag für eine Russin gehalten zu werden (auch von den Russen). Die Russen wundern sich, wenn ich nach einer russischen Begrüßung ins englische wechsel, falls sie mit mir weiterreden. Und die Inder stellen irgendwann doch die Frage, ob ich garkeine Russin sei ^^

Das Zimmer in Suraj‘ Hotel ist sauber und schön. Nach der Delhiübernachtung kommt mir das ganz besonders gelegen. Ich packe meine Sachen um (den Mantel und Wollpulli brauche ich hier bei 30°C tagsüber und 23°C nachts eher weniger), esse eine tibetanische Suppe im Restaurant und lege mich dann für einen nicht ganz optimalen Powernap hin. Es ist viel nap und wenig power. Dann besuche ich Mili, sie ist noch daheim. Da sie erst um 4:30 Uhr am Morgen schlafen geht, hat sie einen anderen Rhythmus. Wir quatschen etwas, dann gehe ich zum Sonnenuntergang an den Strand. Der ist leider so unspektakulär, wie ein Sonnenuntergang nur sein kann. Alles grau, man sieht nichts von einer Sonme. Irgendwie hatte ich auf ein größeres Farbspektrum gehofft. Ich gehe noch etwas spazieren, aber besonders weit komme ich nicht-denn dann beginnt ein Partyabschnitt und den meide ich lieber.

So viel zu meiner Ankunft in Goa! Die nächsten 2 Tage verbringe ich mit Mili und werde ein paar Besorgungen mit ihr machen. Dann geht es weiter zu Chichis Familie, etwa 5 Zugstunden weiter an der Westküste Richtung Norden.

 

Ps. Das Dateiformat der Handyfotos wird von dieser Seite leider nicht unterstützt, weshalb ich leider noch keine Fotos hochladen kann. Ab dem nächsten Beitrag sollte es dann aber klsppen 🙂