Das ist der Titel zum Bild, der mir direkt eingefallen ist 🙂 fragt mich nicht, warum
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Das Treiben auf der anderen Uferseite
Allerletzter Tag und Langeweile. Ach und Europa, du bist super!
Festivals. Im Oktober gibt es quasi mehr Feiertage als Werktage. Ich habe im letzten Beitrag über das Durgafestival berichtet. Am Samstag dachte ich, wäre der letzte Tag. Wurde mir jedenfalls gesagt. Am Sonntag war nochmal letzter Tag 😀 tja warum es mehrere letzte Tage gibt? Jeder letzte Tag ist Grund zu feiern. Am Sonntag wurden dann die letzten, größten Statuen im Ganges versenkt. Und da habe ich dann auch Polizisten entdeckt. Ja, tatsächlich! Erst dachte ich ja, sie beschützen die Plastikstatuen. Ich bin in Indien, also wäre der Gedanke nicht soo abwegig 😉 Aber nein, sie dienten tatsächlich zur Sicherheit der Menschen. Jede Statue wurde feierlich, also mit Drommelbeschallung und unter Blütenbewurf (ist das ein deutsches Wort? Ich weiß es nicht) von mehr oder weniger starken Männern zum Ganges getragen. Dabei kommen die Hindus auch durch eine „Moslem area“. Warum die Hindus nicht einfach durchs Hinduviertel laufen? Weil dieser Weg Tradition ist. OK, also war das Viertel der Muslime früher mal hinduistisch. Nein, nein, das ist schon immer muslimisch. Aha. Na jedenfalls kommt es da leicht zu Auseinandersetzungen, weil sich viele Muslime provoziert fühlen. Und deshalb laufen jede Menge Polizisten mit. Für die, die es nicht wissen: generell kommt es öfter zu Konflikten zwischen Hindus und Muslimen, da fällt dann schon mal der Satz „na dann geh doch nach Pakistan“ (Pakistan gehörte früher zu Indien, hat sich im Konflikt zwischen Hindus und Muslimen als muslimischen Staat abgespalten. Ich hoffe, das ist politisch korrekt ausgedrückt. Sorry wenn nicht.) Die Statuen, die von weiter weg kommen, werden mit dem Auto, Traktor oder LKW zum Main Ghat gefahren. Was mich erschrocken hat, war die Tatsache, dass jede Menge Pilger in Baulastwagen hergefahren wurden. Da wurden so viele Leute in einen LKW gestopft, bis er voll war. In Deutschland wäre jeder Tierfreund aktiv geworden, wäre das Schlachtvieh oder sonstiges lebendiges Dasein auf diese Art und Weise transportiert worden. Hier geht es aber gerade um Menschen.
Viele Menschen hier halten mich für sehr beschäftigt. Wie schonmal beschrieben, ich arbeite ja zu festen Zeiten und kann dann nicht zu jeder mir beliebigen Zeit Pause machen und Chai trinken. Mit einer Ausnahme: Prakash. Praksh vom teashop, in dem aber auch Klamotten und Armbänder verkauft werden. Der allgemeiner Treffpunkt zum gemeinsamen Nichtstun ist. Prakash war in den letzten 2 Wochen mein Animateur. Erst war ich ja krank, dann waren Feiertage, dann hatte ich ein kleines Kreislaufproblem und saß in Folge all dessen nur rum. In meinem Zimmer oder in seinem teashop. Ich habe ja schonmal mein bei Krankheit obligatorisches Stimmungstief erwähnt, meine Motivation und Tatendrang hielten sich auch in Grenzen. Prakashs Schluss aus meinem Nichtstun war -ganz einfach- Langeweile. Klar, mein Tagesablauf war jetzt nicht unbedingt so abwechslungsreich, dass er preisverdächtig erscheint. Naja jedenfalls hat meine scheinbare Langeweile Prakash dazu veranlasst, sich als meinen persönlichen Animateur zu engagieren. Eigentlich ja echt nett. Er und seine koreanische Freundin haben mich zum Beispiel zum Essen eingeladen. Dass ich davon nichts wusste, ist eine andere Sache. Das war schon witzig. Am ersten Tag, als er und Hanmi hier angekommen sind, war ich noch gesund und abends bei Vikki, Guru und Sanjay essen. Als ich dann um 10:30Uhr wieder hier war, haben mich die beiden direkt gefragt, wo in denn gewesen sei, sie hätten mit dem Essen auf mich gewartet. Süß, aber das wusste ich nicht. Ich hatte sie nämlich nur einmal vorher gesehen, da bin ich im Flur an ohne vorbeifelaufen und habe hallo gesagt 🙂 Mein Fehler. Hätte wissen müssen, dass das die Essenseinladung ist. 😉 Nun bin ich ja nicht mehr krank, bedeutet ich gehe wieder zur Schule. Heißt ich habe wieder einen geregelten Tagesablauf und nicht 24h Zeit. Mehrmals am Tag bekomme ich jetzt SMS mit der Frage was ich denn tue, ob mir langweilig sei, und ich könne zu seinem shop kommen, dann ist mir nicht mehr langweilig. Das ist nett gemeint, aber mir ist nicht langweilig. Ich habe morgens Schule, nachmittags Englischunterricht, abends bin ich entweder in BBB (Restaurant was zum Projekt gehört), in der Schule (nicht zum Arbeiten, keine Angst) oder bei Vikki, Gulu und Sanjay oder, ja man mag es kaum glauben, einfach mal im Gasthaus. Und jetzt ist ja auch Sophia da, ein anderer Volunteer aus Deutschland. Da hat sich Prakash für mich gefreut. Also ehrlich gefreut, meinte wie schön, jetzt wäre mir nicht mehr so langweilig. Ja 😀
Sophia ist am Montag angekommen und irgendwie fühle ich mich für sie verantwortlich 😀 klar weiß ich, sie ist erwachsen und aus den gleichen Gründen hier, wie ich auch, dennoch habe ich den Mutti-instinkt in mir entdeckt 😉 und der sagt ganz klar: beschützen, an die Hand nehmen und vor allen negativen Erfahrungen bewahren, die ich bisher gemacht habe. Und zwar 24h am Tag 🙂 Liegt vielleich daran, dass ich selbst ins kalte Wasser geschubst wurde oder auch gesprungen bin und mir doch jemanden gewünscht hätte, der sich etwas um mich kümmert. Wobei ich im Nachhinein eigentlich ganz glücklich bin, dass alles so gelaufen ist, wie es ist. Ich merke schon jetzt, dass ich stärker geworden bin. Nein, auch die letzten Muskelfasern haben ihre sieben Sachen gepackt, ich erinnere an meinen kläglich gescheiterten Versuch, aufs Dach zu klettern. Ich meine mehr die Persönlichkeit. Ich merke, wie gelassen ich bin, dass ich die algemeine Ruhe der Inder in mir verinnerlicht habe. Gut, das versteht ihr jetzt vermutlich nicht. Ständig beschwere ich mich über den ganzen Lärm und jetzt verinnerliche ich plötzlich Ruhe. Tja, es ist hat tatsächlich so, dass Indien das Land der Gegensätze ist.
Ich bin unheimlich stolz, wie ich mein neues Leben hier meister. Wie ich mir ganz alleine ein neues Leben aufgebaut habe. Klar war das nicht immer einfach, da war ja auch die Depriphase, aber zu wissen, dass ich es geschafft habe und die Tatsache, dass ich jetzt glücklich bin, geben mir unglaublich viel Kraft. Das Gefühl, dass die Welt mir nichts mehr anhaben kann. Fürs Leben gerüstet zu sein. Fühlt sich gut an 🙂 Auch wenn ich weiß, dass ich das noch lange nicht bin. Und sein werde.
Ich habe immer so wundervolle Übergänge, ich weiß. Jetzt geht es um Läuse. Ja, von meinem Lebensglück zu den nervigen, ekeligen (Autokorrekt findet sie nicht ekelig, sondern heilig 😀 ), kleinen Viechern, die meinen, in meinen Haaren das Glück ihres Lebens zu finden. Genau. In MEINEN Haaren. So ekelhaft! Heute morgen entdeckt. Bääh! Netz sind sie irgendwo in der indischen Kanalisation. Tot. Oh. Da fällt mir gerade ein. 1.) gibt es vvielleicht doch eine Kanalisation? Oder führt das Abwasser direkt in den Ganges? Dann wären die Leichen immerhin bei all den anderen Leichen und Kadavern… 2.) darf ich als Veganer Läuse töten? Ich beschließe mal ja. Läuse sind so ziemlich die schlimmsten Insekten, die ich bisher kennen gelernt habe. Nicht, dass sie besonders gefährlich sind nein. Also ich glaube nicht, dass die ernsthaft irgendwas anrichten können. Aber das Wissen zu haben, dass da gerade jede Menge kleiner Viecher seinen Platz an der Sonne in meinem Haarwirrwarr gefunden hat, ist echt ekelhaft. Und zu sehen, wie sie millionenfach in der Bürste hängen, löst auch keinen Jubel aus. Wunderbar ist, dass mir Nicole (die italienische Schulleiterin) gesagt hat, sie wende einmal die Woche dieses spezielle Shampoo an, weil man durch die Kinder in der Schule ständig Läuse bekommt. Heiterkeit wo bist du? Gutes Versteck, was du dir da ausgesucht hast, Respekt…
Aber jetzt zum Schluss doch nochmal ein erfreuliches Thema-ja, die Heiterkeit taucht wieder auf 🙂 ich habe einen Kuchen gebacken 🙂 einen -muss ich erwähnen, dass er vegan ist?- genialen Zitronenkuchen! Und dieses mal habe auch ich persönlich gebacken. Anish hat mir nur gezeigt, wie der Ofen geht. Das war schön! Also das Backen. Ich backe ja gerne. Vor allem, wenn ich dann das Resultat selbst essen kann 😀 Und Zitronenkuchen hatte ich schon ewig nicht mehr. Was für ein Genuss! Oh, da gibt es auch noch was anderes: Sophia hat mir VEGANE Schokolade mitgebracht! Schokolade! Vegan! Nur für mich! Die Freude war soooooooooo groß! Also wenn ihr mir eine Freude machen oder euch einfach so bei mir beliebt machen wollt-meine Eltern haben meine Adresse 😀 Und es ist mir egal, in welchem Aggregatszustand die Schokolade ankommt. Keine Ausreden finden 😀 Nach 7 Wochen Entzug ist das eines der schönsten Geschenke, die sie mir hätte machen können. Ich habe heute eine Apfelschorle getrunken. Oh, wie schön 🙂 ja, ich bin wieder in der alles-ist-so-toll-ich-könnte-die-Welt-umarmen-Phase. Sorry. Und Pizza! Ich habe Pizza gegessen! Ich liebe zwar das indische Essen, aber sowas europäisches hat schon was 😉 Was war ich glücklich, als ich auf dem Weg zum Flughafen (um Sophia abzuholen) ein Autohaus von Volkswagen gesehen habe! Oder eine Plastiktüte von Rossmann und Müller! Also die hatte Sophia dabei. Und es gibt tatsächlich Shampoo von Garnier hier! Ich weiß, das klingt jetzt alles nicht so berauschend, aber für mich ist es gerade ungefähr auf einem Niveau mit dem Weltfrieden. Als ich Ashif das Autohaus gezeigt habe und zu verstehen gegeben habe, dass das deutsch ist, hat er erstaunt geschaut-genau die richtige Reaktion 😉 netter Kerl 😀
In meinem Stimmungshoch gehe ich dann mal schlafen. Es ist 0:13Uhr. Ja, was langweile ich mich immer. Gut, dass da Prakash, mein Animateur ist 😀
Oh. 1521 Wörter. Uups, sorry…
Überbevölkerung? Untertreibung des Jahrtausends
Viele Menschen glauben zu wissen, dass Indien überbevölkert ist. Niemand, der je hier war, kann auch nur ansatzweise von sich behaupten, die Bedeutung des Wortes ‚Überbevölkerung‘ zu kennen. Das meine ich ernst. Momentan ist hier das Durgafestival. Was das genau bedeutet, weiß ich auch nicht, ich habe nur herausgefunden, dass in der gesamten Stadt Götterstatuen (aus Plastik) aufgestellt sind, dazu läuft zu laute Musik und der Raum, in dem sich die Statuen befinden, ist mit Tüchern geschmückt. Und Plastikkronleuchtern. Es lebe Plastik! Die Leute sind abends von Tempel zu Tempel gezogen und haben sich dort, und wo eben sonst noch Statuen standen, sich die Schönheiten angeschaut. Jedenfalls war heute der letzte Tag, und die Statuen wurden feierlich im Ganges versenkt. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Da ich von ungefähr jedem hier, den ich kenne, gewarnt wurde, während des Festivals ja nicht alleine im Dunkeln unterwegs zu sein, habe ich Gulu (der eigentlich Manish heißt) und Sanjay (der eigentlich gar keinen Bock hatte) mitgeschleppt. Als Bodyguard sozusagen.
Vorher konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, warum ich jetzt nicht alleine raus soll, vor 9Uhr ist das schließlich sonst nie ein Problem. Jetzt weiß ich warum. Jedes Festival ist ein willkommener Grund, sich zu besaufen und Drogen zu nehmen. Dieses Festival dauert 9 Tage und heute ist der letzte, das heißt heute ist quasi der Höhepunkt des Übels 😀 Erstmal waren überall Menschen. Und nicht wie sonst, mit so viel Platz, dass um jede sich nähernde Kuh ein großer Bogen gemacht werden kann, sondern zu viele Menschen. Überall. Das Grauen jeder Person mit der geringsten Berührungsangst. Geschweige denn von Platzangst. Hab ich ja zum Glück beides nicht, aber trotzdem. Ich war so k.o.! Man glaubt gar nicht wie anstrengend es ist, einfach nur unter zu vielen Menschen zu sein. Man muss ja nichteinmal so was tun, wie Kommunikation zu betreiben, es reicht alleine die Anwesenheit von gefühkt ganz Indien an dem Ort, wo ich bin. Das war anstrengender als ein Tag in der Schule. Die halbe Stunde unter ganz Indien.
Ein paar Hände haben ihren Platz auf meinem Hintern gefunden. Die eigentliche Tatsache, warum mich das richtig aufgeregt hat war, dass es unmöglich war, den Arsch zu finden, zu dem die jeweilige Hand gehört. Ich hatte mir nämlich fest vorgenommen, jeden Angrabscher mit der Faust zu schlagen. Scheinbar aus Reflex. Ja, manchmal bin ich aggressiv. Was mich noch aggressiver gemacht hat war, dass ich die Idioten nicht schlagen konnte. Meine Bodyguards haben das nicht mitbekommen. Waren zu sehr mit atmen, überleben und laufen beschäftigt. War wohl auch besser so. Am Ende hätten sie noch ne Schlägerei gestartet. Und sowas, wie gekennzeichnete Fluchtwege oder so einen Schnickschnack gab es nicht. Ich bezweifel auch, dass es überhaupt genügend Fluchtwege gab. Naja, der heilige Ganges hätte es wahrscheinlich für viele getan.
Ich weiß, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich mich gefühlt habe. So viele Menschen auf einem Fleck würden in Deutschland nie zusammentreffen. Schon alleine weil es in Deutschland nicht so viele Menschen gibt. Und wenn wir so viele wäre, wären wir zu muffelig. Was ich damit meine, ist, dass wir natürlich besseres zu tun hätten, als Plastikstatuen beim planschen zuzuschauen. Fernsehen zum Beispiel. Oder im Haus bzw Garten rumwerkeln. Oder sonst irgendwas. Außerdem haben wir viel zu strenge Sicherheitsauflagen. Finde ich saber garnicht schlimm. Die Sicherheitsmaßnahmen. Wo sich die ganzen Polizisten versteckt haben ist mir ein Rätsel. Die sind immer nur da, wo nichts ist. Da wird ein Tempel von gefühlt 100 Polizisten bewacht, aber wenn sich ganz Indien in Varanasi am Ganges trifft, haben die Helfer frei, oder wie? Oder bewachen die dann immer noch die Tempel? Seltsam. Ach, mir fällts ein. Natürlich. Sie waren bestimmt essen. Garantiert.
Beweisfotos werden natürlich geliefert. Also nicht vom Festessen der Polizisten, sondern vom Gewusel. Ich will mal kurz erklären, warum das immer so lange dauert. Im Internetcafé spiele ich die Fotos von der Kamera auf den PC. Von dort kann ich sie dann hochladen. Das ist auch alles gar kein Problem, wenn man ein geduldiger Mensch ist. Geduld ist nicht meine Stärke. Auch wenn ich hier das nichts tun gelernt habe. Innerhalb von einer Stunde haben es tatsächlich 3 Bilder geschafft. Ja, was für ein Erfolg. Achso, Mist. Ich glaube die Beweisfotos kann ich gar nicht hochladen. Habe sie nur als RAWdatei gespeichert und die ist grundsätzlich größer als die 6Mb Grenze. Mal schauen, was sich machen lässt.
Ich wünsche euch eine gute Nacht und schöne Träume. Von einer Blumenwiese oder so. Mir geistert heute Nacht vermutlich die gesamte Population Indiens in den Träumen rum. Also freut euch über Blumenwiesen. Die gibt hier nicht, kein Platz. Und jede Menge Kühe.
Julia
Relax!
Mein koreanischer Freundeskreis löst sich auf 🙁 Hanmi und ihre Mutter sind vorgestern Nacht abgereist, der Koreaner, der einigermaßen englisch kann, reist am Samstag nach Südafrika und dann nach Südamerika und mein Integrationshelfer und seine Frau fliegen am Wochenende nach Delhi. Süß war, dass sie meinten, sie werden mich vermissen 🙂 sie haben erzählt, dass sie auch zwei Kinder (23 und 25) haben, denen würden sie aber nie erlauben, nach Indien zu reisen. Sie selber reisen ein paar Wochen hier rum. Nächstes Jahr geht es nach Südamerika und übernächstes Jahr wollen sie durch Afrika reisen. Wie gerbe würde ich das gleiche tun 🙂 und irgendwann will er noch Pilgerwege in Spanien ablaufen, aber sie ist dagegen. Verstehe ich, er will immerhin 800km laufen. Zu Fuß. Da hätte ich jetzt auch keinen Freudesschrei ausgestoßen. Ihr war schon die 4tägige Trekkingtour in Nepal zu viel. Also Motivation sieht anders aus:) Es ist schade, dass sie abreisen, denn auch wenn die Kommunikation kompliziert war, war es doch immer nett mit ihnen 🙂 Vor allem mit Hanmi, weil sie schon öfter hier war und deshalb weiss, wo sie die leckersten Snacks herbekommt 🙂
Da auch sie quasi kein englisch spricht, habe ich für sie ihr Hotel in Bangkok storniert. Eigentlich wollte sie mit ihrer Mutter von Indien aus hinfliegen, aber der Zug zum Flughafen hatte so viel Verspätung, dass sie den Flug verpasst hat und de nächste ging dann halt erst 5 Tage später, also war sie noch länger hier. Wo ich jetzt bei Verspätung bin. Letztens habe ich von einem Bekannten mitbekommen, dass sein Zug schon 15 STUNDEN Verspätung hatte. Zu dem Zeitpunkt war er immer noch nicht abgefahren. Also meine lieben Freunde in Deutschland, entspannt euch. Die 10 min Verspätung der Deutschen Bahn könnt ihr doch wegstecken. Wenn nicht, denkt jedes mal an die 15 Stunden Verspätung hier. Das entspannt doch gleich, oder? 😉
Generell sollten wir mal entspannen. Viel zu hektisch, zu stressig. Das Leben in Europa. Wir sollten uns mehr Zeit zum Relaxen nehmen. Zeit, das Leben zu genießen. Vielleicht nicht so viel Zeit, wie die Inder haben, aber auf jeden Fall mehr, als wir uns nehmen. Hier relaxe ich schon so viel, dass das Relaxen anstrengend wird 😀 zu viel sollte es also auch nicht sein. Aber auf alle Fälle mehr, als momentan. Auch sollten wir gelassener sein. Dann hat der Zug halt mal 30min Verspätung, was solls? Ist es uns wirklich Wert, dafür den restlichen Tag genervt zu sein und vollkommen gestresst durch den Alltag zu hetzen? Ich gehöre-gehörte ja auch zu der Fraktion. Fraktion oh-mein-Gott-die-Welt-geht-unter-was-soll-ich-bloß-tun-wenn-mein-Plan-nicht-auf-die-Minute-genau-stimmt? Jetzt nicht mehr 😉 Meine Fraktion nennt sich jetzt eher ‚egal. Erstmal Chai trinken, dann weitersehen.‘ die ist mir deutlich sympathischer 😀
Beziehungsweise erstmal schlafen. Das werde ich jetzt tun. Hatte einen mehr oder weniger anstrengenden, aber schönen Tag 🙂
So, das war mein heutiges Wort zum Freitag.
Bis bald meine Lieben, und denkt dran: nicht alles so ernst nehmen. Locker bleiben 🙂
Änglisch für Ahnfengär
Wollte nur kurz bescheid geben, dass alles in Ordnung ist. Ich habe, wie erwartet, kein Malaria, nur eine Infektion, gegen die ich jetzt Antibiotika bekommen habe. Das zu erfahren hat aber etwas gedauert. Wie geschrieben, war ich gestern um 5 da und wurde weggeschickt, ich solle morgen -also heute- wiederkommen. Morgens oder wenn es mir am besten passt. Ich also um 11 nochmal hin, habe dann den Zettel bekommen, auf dem die Ergebnisse stehen, aber der Arzt, bei dem ich war, fängt erst um 3 an zu arbeiten. Ich solle um 3 wiederkommen 🙂 man erfährt immer stückchenweise, was man wann wie tun muss… Dann war ich halt 4x im Krankenhaus, um Blut abgenommen zu bekommen und die interpretierten Ergebnisse zu erfahren 🙂
Wie sagte ein Freund so schön ‚thats an Indian hospital‘. Ja, stimmt 😀
Ach, da fällt mir noch was ein, was nicht unerwähnt bleiben kann. Es geht mal wieder um englisch. Ich habe heute Nachmittag folgende SMS bekommen:“Yu no silip“. Ehm. Was? Waren die ersten geistreichen Gedanken, die diese SMS verursacht haben. Er wollte wissen, ob ich schlafe. Zur Erklärung: meine indischen Freunde finden, dass ich zu viel schlafe. Inder finden, dass ich zu viel schlafe. Inder. Die, die den halben Tag schlafen, deren Lieblingsbeschäftigung ‚to take a rest‘ ist. Ich schlafe zu viel. Ja, bestimmt 🙂 ich bin doch zum Frühaufsteher mutiert. Und momentan bin ich -wie ich jetzt schon 1000x erwähnt habe- krank. Da darf man ja wohl mittags schlafen. Sehen meine indischen Aufpasser anders. Manish ruft mich letzten Donnerstag an und lädt mich zum gemeinsamen Frühstück ein. Nett, aber ich wollte einfach nur im Bett liegen. Hab gesagt, dass ich krank bin. Seine Reaktion: ja dann komm doch zu uns! Hallo? Was verstehst du bitte nicht an „ich bin krank“? Wenn ich krank bin, bin ich grundsätzlich schlecht gelaunt und finde jeden, der mit mir reden will schrecklich nervig. Da hatte der arme Manish also schon mal ne schlechte Grundvoraussetzung. Dazu kommt noch, dass er mich angerufen hat. Ich hasse es, mit jemanden zu telefonieren, der kein deutsch spricht. Es ist ja so schon schwer genug, mit Indern auf englisch zu kommunizieren, und wenn ich dann stockend -dauerschlechte Verbindung- englisch höre, dass auch noch so seltsam ausgesprochen wird, dass ich teilweise ein paar Sekunden brauche, um zu kapieren, welche Wörter da gerade verwendet wurden, trägt das nicht unbedingt zur Steigerung meiner Laune bei. Puh, langer Satz 😀
Aber ich glaube, Manish hatte tatsächlich nicht kapiert, dass ich krank bin. Bin ihm nämlich gestern auf der Strasse begegnet (war Essen kaufen) und er hat mich gefragt, ob ich die Woche sehr beschäftigt war. Weil wir uns gar nicht gesehen haben. Nee du, als beschäftigt würde ich das jetzt nicht bezeichnen. Habe ihm meinen Tagesablauf beschrieben. Reaktion: Oh, das hättest du mir doch sagen müssen, dann hätte ich dir Medikamente und Essen gebracht. Das hatte mir sein Freund Vicki auch schon vorgeschlagen. Als er mich angerufen hatte. Aber nee danke, erstens wusste ich nicht welche Medikamente, zweitens müssen die mich nicht so zerstört sehen und drittens nee. Wie gesagt, Stimmungstief. Trotzdem nett.
Und nochmal zurück zu den „englischen“ SMS. Es gibt da noch mehr 😀 und ja, sie sprechen so witzig, wie sie schreiben 😀
„Yo col me nau annie prabal ha“ übersetzt: you call me now, if you have any problem, OK? (Das war, als ich im Krankenhaus war)
„I’m sori I’m distop I’m. Mit neat“ übersetzt: Im sorry that I disturbed you at midnight“ (da wurde ich um 3:18Uhr nachts!!! angerufen, um dann ein rauschen zu hören -super Verbindung- und direkt darauf eine SMS zu bekommen „no no I’m mistyek sori“. Den Grund für den Anruf habe ich nicht rausfinden können. Wobei sich meine detektivische Arbeit in Grenzen hält. Habe einmal nachgefragt, aber wurde nicht verstanden. 🙂 mein Handy schalte ich nachts jetzt immer aus. Auch, weil ich ständig Werbeanrufe bekomme. Spät abends, wenn ich schon schlafe. Oder ich bekomme Anrufe, aber niemand ist an der anderen Leitung. Auch immer wieder nett. Manchmal werde ich auch von Automaten angerufen. Mit so natürlicher Stimme. An schlechten Zeitpunkten (zum Beispiel Stimmungstiefs) werden die von mir angemeckert. Beeindruckt sie leider garnicht. Schade. 🙂
Freunde? Freunde!
da bin ich wieder 🙂 hallo!
wie ihr wisst, war ich letzte Woche krank. Und bin es leider immernoch. Was bedeutet, dass ich die letzten 7 Tage nichts anderes gemacht habe, als zu schlafen, Musik zu hören, zu essen, zu schlafen, Musik zu hören, zu schlafen, zu essen, mit meinen koreanischen Freunden in Prakashs Shop rumzusitzen, zu schlafen, zu essen, …Also mein Tagesablauf war nicht soooo spannend. Worüber also schreiben? An einem Morgen, es ging mir etwas besser, haben mich meine koreanischen Freunde wieder zur Bootstour mitgenommen. War doof. Ich meine, es war wieder wundervoll, diesmal haben wir den Sonnenaufgang genossen, das Wetter und vor allem das Licht waren einfach genial! Aber die Tour ist um 5:30 Uhr gestartet, es hatte nur 26°, ich noch Fieber und Kopfschmerzen. Die durch den ständig vibrierenden Motor noch weiter angefeuert wurden. So ein Motor, wie ihn Traktoren haben. Mir war kalt aber ich habe viele tolle Fotos geschossen 🙂
Koreaner sind schon nett 🙂 also jedenfalls die, die ich kenne. Wobei mir einer unheimlich war. Weil er auf einmal anfing irgendwelche ehemalige Bundespräsidenten von Deutschland aufzuzählen. Für die, die noch nicht wissen, wie gut ich mich mit Politik auskenne: garnicht. Politik und Wirtschaft habe ich mit stolzen 4 Punkten abgewählt. Der Unterricht war so ziemlich der uninteressanteste, den ich hatte. Lag aber am Lehrer. Zurück zu den Koreanern 😉 der, der mir da was aufgezählt hat, ist eigentlich ganz nett, versucht mich immer besser in die Gruppe zu integrieren. Vielleicht arbeitet er als Integrationshelfer? Falls es den Job in Korea gibt? Na jedenfalls sprechen die Koreaner quasi immer koreanisch -ja ich weiß, da wäre jetzt niemand drauf gekommen- weil sie nur seeeeeeehr wenig englisch können. Wobei das eigentlich schon fast übertrieben ist. Er versucht dann, mit mir über irgendwas auf englisch zu reden. Englisch ist schon was schönes. Wenn Menschen mit verschiedenster Herkunft es sprechen. Aber englisch mit koreanischer Aussprache ist eine Herausforderung 😀 Ich finde ja immer lustig, dass meine koreanischen Freunde ständig versuchen, mir irgendwas auf koreanisch zu erzählen. Blöd, ich kann kein koreanisch. Manchmal versuche ich, verwirrt, wie ich bin, auf hindi nachzufragen. Zwecklos 😀 Manchmal sprechen sie dann die koreanischen Wörter 5x unterschiedlich aus. Wirkt auch keine Wunder. Aber es ist immer nett mit ihnen. 😀 Mein Integrationshelfer hat es gar nicht gerne, wenn ich nicht auf Bildern drauf bin 😀 jeder lässt sich von ihm vor dem Sonnenaufgang fotografieren, nur ich mache keine Anstalten dazu, weshalb er mir direkt erklärte, er wolle jetzt mit meiner Kamera ein Bild von mit vor dem Sonnenaufgang machen. Ehm, OK. Vor dem Sonnenaufgang bedeutet Gegenlicht. Bedeutet, man sieht entweder eine schwarze Julia vor orangener Sonne oder weiße Julia vor weißer Sommer und weißem Himmel. Wenn es ihn glücklich macht 😀 ich musste auch posen. Sollte nicht als Spargel das Bild schmücken. Die Fotos sind wundervoll 😀
Nachdem es mir dann deutlich schlechter ging, habe ich dann doch gar nichts mehr gemacht. Also mache ich immer noch 😀 Keine Schule, keine schreiende Kinder, kein Blockflötenlärm. Auch mal ganz nett 🙂 Aber ich vermisse die Kinder schon. Obwohl sie so anstrengend sind 🙂 Heute haben mir dann Leute von der Schule gesagt, ich solle mal besser mein Blut checken lassen. Also auf zum Krankenhaus. Erstmal musste ich für 10Rs (12,5ct) einen Zettel kaufen, auf den ein Mann Datum, Uhrzeit und meinen Namen (einfach nur Julia) eingetragen hat. Dann wurde ich zu einem Arzt geschickt, der mich gefragt hat, was mir fehle. Ich habe erklärt, dass ich eine Woche lang Fieber hatte, das jetzt zwar weg ist, aber ich würde zur Sicherheit gerne mein Blut kontrollieren lassen. Nein, ich will keine Medikamente haben, hab schon welche. Irgendwas hat er dann auf besagten Zettel geschrieben, nachdem er mit einer Taschenlampe in meinen Hals geleuchtet hat. Irgendein alter Mann hat mich dann mitgenommen, zu jemandem, den ich fürs Blutabnehmen bezahlen soll. 315Rs, lächerlich im Vergleich zu Deutschland. Dann ging es zum Blut abnehmen. Ich hatte ja vorsichtshalber Desinfaktionsmittek mitgenommen (ja, man weiß ja nie, am Ende benutzen die bei mir eine gebrauchte Spritze) aber es war alles super, genau so hygienisch, wie in Deutschland. Nur nicht so ordentlich-also das Zimmer. Mir wurde um 12:30 mit nicht nüchternem Magen Blut abgenommen. Das war gar kein Problem. Um 5 soll ich wiederkommen, dann bekomme ich die Ergebnisse. Der alte Mann wollte dann natürlich Geld haben, fand ich auch OK, schließlich hätte ich ohne ihn keine Ahnung gehabt, was ich als nächstes bei wem tun muss, ich habe ihm 5Rs gegeben. Er wollte 20 haben, um sich was kühles zu trinken zu kaufen. Das bekommt man auch für 5RS, Leuten, die mich verarschen wollen gebe ich nicht mehr, als nötig.
Nächsten Montag kommt Sophia, ein volunteer aus Deutschland! Ich freue mich schon 🙂 Eine Freundin von mir. Wobei ich jetzt die indische Bedeutung von Freund verwende. 🙂 Ich kenne sie nicht wirklich, wir hatten nur per mail Kontakt, aber hier gilt jeder als Freund, den man auch nur im entferntesten irgendwie kennt. Zum Beispiel hat mich mal irgendein TeashopBesitzer angelabert, gefragt woher ich komme, das übliche halt. Als ich ihn das nächste mal getroffen habe, hat er mich als Sarah, seine deutsche Freundin vorgestellt. Er hat einem seiner Freunde angeboten, dass ich ihm deutsch unterrichte. Ich will das nicht und habe auch keine Zeit dazu. Einem anderen hat er noch nett angeboten, wenn ich ihm irgendwie helfen könne, solle er es nur sagen, schließlich sei ich ja mit ihm befreundet und unter Freunden hilft man sich ja. Aha. Aber ich würde dann doch lieber selber bestimmen, wem ich helfe. Mich fragen ständig irgendwelche Leute, ob ich sie in englisch unterrichten könne, sie würden mir dann hindi beibringen. Ich habe ja zum Glück schon Hindilehrer in der Schule. Das reicht auch 🙂
tja, obwohl ich am Anfang nicht wusste, worüber ich jetzt schreiben soll, ist doch wieder so viel zusammengekommen 😀
PS. war um 5 im Krankenhaus. wegen den Blutergebnissen. Sie sind noch nicht da, ich soll morgen wiederkommen. Hach, Indien 🙂
Haha
Kurzmitteilung
Ich hab noch was vergessen. Nochmal zum Thema ich fühle mich indisch. Ich fange jetzt auch schon an, mit dem Kopf zu wackeln. Also Inder nicken nicht wie wir, sondern kippen den Kopf von links nach rechts oder anderesrum. Am Anfang fand ich das echt verwirrend, weil die Geste was von ‚ja, OK, aber jetzt hau ab‘ hat. Und jetzt merke ich, dass ich auch so mit dem Kopf wackel 😀
Was auch witzig ist, auf hindi heißt ja ha. Wenn Inder jemandem zustimmen, sagen sie hahahaha 😀
Die Blockflötenplage und andere schreckliche Dinge
Respekt ist eine gute Sache, finde ich. Auch ein freundlicher Umgang miteinander, sowie diese kleinen Wörter bitte und danke sorgen für eine bessere Atmosphäre. Die müssen sich im indischen Wortschatz aber noch etablieren. Wenn etwas nicht so läuft, wie man möchte, wird man hier schon gerne mal handgreiflich. Die Kinder in der Schule kämpfen dauernd miteinander, am Anfang wollte ich sie immer sofort stoppen, aber mittlerweile schau ich nur noch hin, wenn jemand heult. Weil keiner was dagegen tut, es scheint normal zu sein. Und es ist für eine Person unmöglich etwas dagegen zu tun. Wenn man die Kinder oder auch die Mädchen aus dem Englischunterricht nach ihren Hobbies fragt, bekommt man oft kämpfen als Antwort. Wenn ein Kind etwas tut, was einem anderen nicht passt, wird es halt mit einem Schlag auf den Kopf belohnt. Manchmal machen das auch die Lehrer. Und leider auch Eltern.
Das ist etwas, worüber ich mich total aufrege. Verstehen manche aber garnicht. Als ich einem Freund erzählt habe, dass mir in der Schule schon zum 2. mal Geld gestohlen wurde, und dass ich weiß, wer es war aber keine Ahnung habe, was ich dagegen tun kann, weil das Mädchen von ihren Eltern geschlagen wird, wenn die es erfahren, meinte er nur ja dann sprich mit ihren Eltern. Dann wird sie geschlagen. Ich will nicht, dass sie geschlagen wird, es muss doch eine andere Lösung geben. Aber du weisst nicht, welche, und wenn sie geschlagen wird, lernt sie, dass es falsch ist. Jetzt stiehlt sie nur, wer weiß, was als nächstes kommt. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Da hätte ich ihn am liebsten geschlagen. Ich war so wütend auf ihn. Zum Glück ist ihre Lehrerin meiner Meinung. Sie hat mir das Geld übrigens wiedergegeben, hatte es noch nicht ausgegeben. Es waren nur 35ct. Und sie wollte sich nicht mehr auf meinen Schoß setzen oder rumgetragen werden. Eigentlich ist sie ein sehr anhängliches Mädchen. Ich mag sie, deshalb ändere ich auch nichts an meinem Verhalten ihr gegenüber. Ich denke, sie weiß, dass es falsch ist zu stehlen und ich weiss auch nicht, was es bringen soll, sie jetzt mit Missachtung zu strafen. Ich hoffe, sie hört auf damit. Meine Tasche schließe ich jetzt trotzdem im Büro ein. Sie ist nämlich nicht das einzige Kind, das klaut und ich weiß nicht, wer mich beim ersten mal bestohlen hat.
Auch auf der Strasse sehe ich manchmal Eltern ihre Kinder schlagen. Nicht so stark, dass sie sich was brechen, aber stark genug, dass es weh tut. Und vor kurzem gab es an einer großen Kreuzung eine Schlägerei. Anscheinend mit mehr als 1000 Leuten. Weiss aber nicht, wie zuverlässig die Quelle ist. Wenn ein Fahrzeug zu langsam fährt, wird es halt vom Hintermann angedotzt. Und Rückspiegel sind generell immer eingeklappt, sonst würden sie abgefahren werden. Wenn ein Fahrrad ohne Klingel (ja, man glaubt es nicht, aber es gibt hier tatsächlich Fahrzeuge OHNE Klingel) durch die Gasse fährt, bekommt man eine genervtes ’side!‘ zu hören. Wenn ich den Kindern in der Schule Essen austeile, schreien sie meistens ‚Reis, Reis‘ und ‚mehr!‘ manchmal frage ich, wie es denn mal mit einem bitte wäre, aber ich vermute, das sagen sie dann nur, um schnell Essen zu bekommen 🙂 Ja, soweit zum Umgang miteinander.
Jetzt zu einem anderen Thema. Blockflöten 😀 nicht unbedingt ein schönes Thema, aber da ich ja von vielen von euch eine bekommen habe, sollte ich vielleicht darüber berichten. Also. Ich habe letzte Woche angefangen, zu versuchen, den Kindern Blockflöten beizubringen. Richtig, versuchen. Dagegen ist es ein Kinderspiel, mal eben den Weltfrieden herbeizuführen. Mal abgesehen davon, dass mir natürlich nicht zugehört wird, weil es viel spannender ist, das Instrument auf eigene Faust zu erkunden, wird mit den Flöten genauso sorgsam umgegangen, wie mit Büchern. Und wenn ich es dann tatsächlich soweit gebracht habe, dass alle den selben Ton spielen, klingt es furchtbar, weil die Flöten nicht gestimmt sind. Aber den Kindern macht es Spaß. Den ganzen Morgen lang werde ich gefragt, wann sie denn wieder singen können. Ja, sie nennen Blockflöte spielen singen, keine Ahnung, wer ihnen das verraten hat. Was tue ich mir da bloß an 😀 hättet ihr mal besser eure Flöten im Keller verstauben lassen 😀 ich muss ja nicht nur das Flöte spielen beibringen, sondern natürlich auch sowas, wie Noten zu lesen. Und ständig fragen mich Lehrer, ob ich es ihnen nicht auch beibringen könne. Naja, mal sehen, wie es weitergeht 😉
Das beste kommt immer am Schluss. Ich habe eine Bootstour gemacht! Das habe ich schon seit 4 Wochen vor 😀 Zusammen mit einer koreanischen Gruppe. Das war vielleicht nicht so intelligent, weil der Guide alles auf koreanisch erzählt hat. Aber es war schön. Und wie! Ich habe jede Menge Fotos gemacht, demnächst will ich auch welche hochladen. Wir sind auch ans andere Ufer gefahren, an den riesigen Sandstrand, den ihr auf dem Foto seht, das den Ausblick aus meinem Zimmer zeigt. Sofort kamen Kinder mit viel zu dünnen Pferden und haben einen kleinen Ausritt angeboten. Danach sind wir zu einem Burning Ghat gefahren. Das ist ein Ort, an dem die Leichen verbrannt werden. War mir unangenehm. Lauter Leute, die um ihre Angehörigen trauern und wir Touris schauen ihnen dabei zu. Insgesamt war die Tour wunderschön 🙂 wir haben den Sonnenuntergang vom Ganges aus beobachtet und ich finde es total schön, einfach nur in dem Boot zu liegen 🙂 Die 2 Stunden waren auf jeden Fall die 1,25€ Wert. Habe ich erwähnt, wie genial ich finde, dass hier alles so mega günstig ist?
Das wars für heute 🙂 achja, ich bin schon wieder krank. Aber sonst gehts mir prima! Viele liebe Grüße!
Ich, auf dem Weg zur Inderin ;)
Hach, was fühle ich mich schon indisch 🙂 nicht nur, weil ich das indische Essen super finde. Auch, weil ich so gut im Straßenverkehr zurecht komme. Ich habe ja schon mal beschrieben, wie der funktioniert. Also finde ich, ich kann echt stolz auf mich sein. Vor allem, weil ich öfter mal Inder sehe, die am Strassenrand stehen und überlegen, wie sie innerhalb der nächsten Stunde auf die andere Seite gelangen können. Und ich dann voll cool rüber gehe, ohne eine Schramme abzubekommen 😀 Als ich letztens Teigtaschen gekauft habe, hat die Verkäuferin kein englisch verstanden, dann habe ich auf hindi wiederholt, wie viele ich haben möchte (zum Glück brauchte ich nicht mehr als 30) und sie hat mich verstanden! Ich war so stolz und habe sie soooo angegrinst 😀 ich hätte sie umarmen können. Meine neue beste Freundin 😉
Außerdem habe ich jetzt jede Menge Schmuck gekauft. Ständig werde ich gefragt, warum ich keine Ohrringe, Armreifen und Fußketten trage. Und irgendwie hatte ich das Bedürfnis, auch mehr Schmuck zu tragen. 2 Ketten, 3 Fußketten und 3 paar Ohrringe habe ich mir für nur 3,75€ geleistet 🙂 Für die Fußketten habe ich 2 Verschlüsse bekommen, weil mein Fuß zu dick ist 😀
In Deutschland habe ich ja auch nicht unbedingt viel Schmuck getragen, aber den Schmuck, den ich da habe, würde vermutlich keine Inderin als Schmuck bezeichnen 🙂 es muss silber oder gold sein und am besten glitzern. Meine Lieblingskette ist ein Tonbär an einem braunen Band. Vermutlich wäre ich hier gefragt worden, was ich da um den Hals hängen habe 😉
Hier isst niemand auf Porzellangeschirr, sondern entweder auf Platiktellern, aber hauptsächlich auf Metalltellern. Auch die Lunchboxen sind aus Metall. So eine habe ich mir dann auch mal zugelegt, auch wenn ich keinen Lunch habe, den ich mitnehmen kann 😉 Es gibt so coole Snacks, die heißen Nam kee oder so ähnlich, total lecker (ich lade demnächst ein Foto hoch) und natürlich super günstig. Die kommen jetzt in meine indische Brotdose 😀
Was ich noch gelernt habe, ich bin mal wieder so stolz auf mich 😉 , ist mit den Händen zu essen. Nicht lachen, das ist nicht so einfach, wie es klingt. Wenn das Essen nur aus Reis mit Soße besteht. Wenn ich bei Freunden bin, will ich nicht jedes mal meinen Löffel (meinen ständigen Begleiter) nehmen, wenn alle anderen mit der Hand essen. Und ich muss sagen, es klappt immer besser. Meine ganze Hand ist dann zwar voll mit Reis und Soße, aber dafür ist das restliche Essen in meinem Magen und nicht auf meiner Hose und sonst wo. Aber was ich hier an Essen vermisse, ist Gemüse. In der Schule gibt es immer nur Miniportionen Gemüse zu Monsterportionen Reis mit Dal. Wenn es Gemüse gibt. Gestern gab es Pasta (ich habe mich so gefreut, dieses mal war es nicht zu scharf), aber es waren einfach nur Nudeln mit Gewürzen. Es hat gut geschmeckt, aber auf 1 kg Nudeln kam anteilhaft eine Tomate. Die die Kinder meist auch noch rausgepickt haben. Unverständlich. Ich hab das Bedürfnis, mehr gesundes Zeug zu essen. Weil hier ja auch alles so fettig ist. Und das Gemüse, was es gibt, kenne ich nicht, habe ich oft noch nie gesehen. Ich wünsche mir frische Paprika und Möhren. Lieber Weihnachtsmann 😉
Beinahe hätte ich vergessen, es zu erwähnen. Ich kann aus der Flasche trinken, ohne sie mit dem Mund zu berühren. Und ohne mir den gesamten Inhalt auf T-shirt und Hose zu kippen. Nur ein paar Tropfen. 🙂 aus dem Krug oder Becher versuche ich es demnächst besser nicht. Das würde mich deprimieren 😉
Den obligatorischen Mittagsschlaf halte ich auch immer öfter 🙂 was tut das gut! Ich bin danach zwar noch müder, als vorher, aber das legt sich schnell wieder. Wenn ich nachts schon nicht so lang schlafen kann, muss ich den Schlaf ja irgendwann nacholen 🙂 ich mutierte hier tatsächlich zum Frühaufsteher. Wer hätte das gedacht? Ich kann einfach nicht mehr schlafen. Ich. Frühaufsteher. Ja klar. 😀


