Chai über alles! Und: Harter Winter nur mit Alkohol.

Heute bin ich schon genau 1 Monat in Varanasi 🙂 wie die Zeit vergeht. Jede Menge neue Eindrücke und vieles dazu gelernt, aber ich schätze, jeder Tourist, egal wie lange er schon hier sein mag, hat mehr von der Stadt gesehen, als ich 😀 ich habe tatsächlich innerhalb von 4 Wochen nur einen kleinen Tempel, die Abendzeremonie am Ganges und den Weg zur Schule und zum zum Projekt gehörenden Restaurant gesehen… Achja, und die Kirche. 😀 Habe ich eigentlich erwähnt, dass Varanasi der erste Ort ist, der mir so gut gefällt? Obwohl oder weil ich noch quasi nichts gesehen habe. Gleichzeitig habe ich hier gelernt, was Hass ist. Ich weiß, das klingt jetzt krass, aber den ersten Platz besetzt ganz klar das schreiende Mädchen aus der Kirche. Platz 2 teilen sich alle Riksha-, Auto-, und Motorradfahrer, die die Hupe bzw Klingel als Folterinstrument missbrauchen. Manche Rikshafahrer haben eine Bremse durch zwei Klingeln ersetzt, da es einfacher ist, die Bremse zu ziehen, als den ganzen Tag Daumengymnastik zu machen. Bremsen werden eh überbewertet.

Vor kurzem habe ich einen Polizeibus gesehen, besetzt mit Soldaten. Der Bus ist auf der falschen Strassenseite gefahren, dafür, dass er trotzdem voran kommt, haben 2 Soldaten -schwer bewaffnet- gesorgt. Als ich am Bus vorbei gelaufen bin, war ich so froh, dass es hell war und jede Menge Menschen um mich rum waren. Die Blicke aller Insassen waren auf mich gerichtet, was sie mir zugerufeh haben, will ich lieber nicht wissen…

Wo ich noch beim Verkehr bin. Vorgestern abend war es im Gasthaus total langweilig. Ich war nicht draussen, weil es geregnet hatte und mein Kuhhaufenerlebnis keinen Wiederholungsbedarf hatte. Freunde, die in der Bäckerei arbeiten, wollten unbedingt, dass ich komme, also bin ich hingefahren. Natürlich hat es genau dann wieder angefangen zu schütten, als ich das Gasthaus verlassen habe. War ja klar. Hab mich in eine Riksha gesetzt und war einigermaßen vor dem Regen geschützt. Hier ist aber mal wieder alles anders, als in Deutschland. Ein Abwassersystem halten Inder anscheinend für überflüssig (ich weiß, geniales Wortspiel 😉 )weshalb die Strassengräben übergelaufen sind und das Wasser und restliche Zeug auf der Strasse nicht abfließen konnte. Die Räder der Riksha waren zu 1/3 versunken, natürlich hatte der Fahrer nicht mal mehr theoretisch den Hauch einer Chance, den Schlaglöchern auszuweichen, außerdem hat sich ein Idiot auf Platz 3 meiner Geh-weg-du-bist-doof-Liste befördert, indem er mit ungefähr 200kmh 2cm an meiner Riksha vorbeigerast ist. Muss ich erwähnen, was mit dem Wasser geschieht, wenn Platz 3 mit 200kmh durchfährt? Ich, gnädig wie ich bin, wollte dem Rikshafahrer dann sogar den doppelten Preis bezahlen. Hatte Mitleid. Der Depp wollte das 5-fache. Wegen dem Regen. Der einzige Faktor, der den Rikshapreis bestimmt, ist hier die Entfernung zum Ziel. Also fand ich mein Angebot schon ziemlich großzügig. Es ist dabei geblieben. Ich zahle nicht das 5-fache, wenn ich schon von mir aus an biete, mehr zu zahlen, als ich müsste. Ich musste nur 3 Schritte gehen, um von der Riksha zur Schule zu kommen, aber ich stand in 30cm tiefem Wasser. Und wie sagt, das ist nicht einfach nur Regenwasser…

Der Abend wurde noch ganz nett. Die Nacht nicht. 18 neue Mückenstiche. Natürlich bin ich die einzige, die Stiche abbekommen hat. Um elf sind wir schlafen gegangen, um 12 wurde ich geweckt. Sie können nicht schlafen. Aha, gut zu wissen. Ich konnte schlafen. KONNTE. Das nächste mal werde ich um 3 geweckt, weil die Brote jetzt gebacken werden müssen. Nicht von mir, aber es schadet ja nicht, wenn ich es mitbekomme. Dann um 4:40Uhr. Sie wecken mich um 4:40Uhr, um mich zu fragen, ob ich auch einen Chai mittrinken will. Um 4:40Uhr!!! Nein, Mann! Das einzige, was ich um 4:40Uhr tun will, ist schlafen! Aber hier ist das mit dem schlafen anders. Es wird nicht der am Tag benötigte Schlaf nachts am Stück durchgeschlafen, sondern man schläft immer mal zwischendrin. Dass man auch tagsüber schläft, finde ich ja sehr sympathisch 🙂 Aber ich will nachts trotzdem gerne schlafen. 😀

Morgen ist wieder Feiertag 🙂 wie schön! Mal sehen, ob ich was mache. Also sightseeingmäßig. Letztens wollte ich ja eine Bootstour machen, aber es hatte wieder geschüttet. Und letzten Sonntag bin ich nicht dazu gekommen. Musste mich ausruhen 😀 hab Sanjey getroffen, wir haben gefrühstückt, uns unterhalten, Mittaggegessen, dann wollte er mir einen Film zeigen, aber ich bin eingeschlafen 😀 Nachmittags, als ich dann aufgewacht bin (Sanjey ist ein wahrer Freund, hat mich nicht geweckt :D) bin ich kurz am Ganges spazieren gegangen, habe den obligatorischen Chai getrunken (er besteht aus Milch, deshalb will ich ihn eigentlich nicht trinken, aber ständig lädt mich irgendjemand darauf ein. Wie heute. Nachdem ich nett „nein, danke“ gesagt habe, wurde er mir serviert.) und dann war es schon Abend. Zeit zum Essen und Schlafen 😉

Hier gibt es übrigens 5 Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Regenzeit, Herbst und Winter. Ständig werde ich gefragt, ob in Deutschland auch gerade Regenzeit ist. Wenn ich dann erkläre, dass es keine Regenzeit gibt, sondern dass es das ganze Jahr über verteilt zwischendurch regnet, wird entsetzt geguckt. Haha, da fällt mir gerade ein. Heute hat mich Anand, der Englischlehrer gefragt, ob es stimmt, dass es im Winter so kalt bei uns ist, dass man sich betrinken muss. Er würde nämlich gerne mal nach Europa reisen, aber er will sich eigentlich nicht betrinken. Ob es denn nicht Klamotten gebe, die den Körper ausreichend warm halten. 😀 Nee, leider wurden so Hightechklamotten noch nicht erfunden, da kommen wir nunmal nicht um den Alkohol rum. Aber im Sommer gehts. Da hats so um die 0° 😉 Auf meine Frage, wer ihm das denn erzählt habe, meinte er, das erzähle man sich hier so. Aha. Die Rikshafahrer, die erfahren, dass ich aus Deutschland komme, denken immer zuerst an die WM und das „Bierfest“. Das finden sie alle super 😉

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Das hat jetzt nichts mit dem Beitrag zu tun, aber egal. Sorry für die schlechte Qualität. Ihr seht neben dem Apfel 2 Guavas. Gewöhnungsbedürftig, aber sehr lecker 🙂 wollte ich euch nur mal gezeigt haben. 🙂

So, jetzt fahre ich wieder zur Schule.

Bis bald!

Stargast

Hallo meine lieben 🙂

Am Donnerstag war ich in der Kirche. Dachte, ich schau mal, wie das hier so läuft. Geht. Niemals. In. Einen. Gottesdienst. In. Indien. Schrecklich. Er hat um 17:30Ur angefangen, um 8 bin ich geflohen 😀 Im Prinzip war es eigentlich ganicht so schlecht, aber die Lautstärke :O Ein Mädchen hat 2 Stunden lang in ein Mikrophon GESCHRIEN. Es wurde gesungen, nur kennt sie leider nicht den praktische Nutzen eines Mikrophons. Dass es verstärkend wirkt. Ehrlich, meine Ohren haben echt wehgetan. Aber ich dachte Nee, Ohren zuhalten kann in ja nicht bringen. Bis ich gesehen habe, dass ich eine indische Leidesgenossin habe, die es tut. Ich stand eh in der letzten Reihe, mich kennt niemand, was solls. Nach einer halben Stunde Pause, in der aus der Bibel gelesen und gebetet wurde, ging das Geschrei weiter. Um 8 war es mir dann echt zu viel. Wo bitte ist der Stromausfall, wenn er eine gute Tat vollbringen kann? Nach meinem letzten nächtlichen Ausflug, wo mir nicht ganz wohl war, habe ich dann beschlossen, gehen zu müssen. Vor mir sind schon andere gegangen. Und wie die Kirche aussah. 🙂 kein Fenster, dafür mit weiß-grau gemusterten Fliesen bis an die ca. 7m hohe Decke gefliesst. Nett 🙂 Das Kreutz schlägt alles. Ein Leuchtreklamekreutz 🙂

Ach so, der Gotesdiest war (natürlich) auf hindi. Und die ganzen Lieder auch. Und die Bibel. Aber meine neue beste Freundin, die neben mir saß, hat mir netter weiße die englische Bibel organisiert. Ja, ich bin von einer Menge Leute hier die beste Freundin. Ich weiß nicht einmal ihren Namen, aber sie hat gleich, als ich reingekommen bin gemeint, ich soll mich neben sie setzen und klargestellt, dass ich ihre beste Freundin bin.

Ich bin auch Alicias beste Freundin. Sie kenne ich aus dem Englischunterricht, gestern ist sie 19 geworden und hat mich als Ehrengast zu ihrem Geburtstag eingeladen. Und das Wort Ehrengast nehmen Inder ganz ernst. Leider. Sie hat ungefähr alle 10min beteuert, wie froh sie ist, dass ich hier bin und dass meine Anwesenheit ihr schönstes Geschenk sei. Ich musste mich auf den einzige Stuhl setzen, die Familie und Freunde saßen um mich herum. Schon unangenehm. Und Alicia sah aus, wie eine Prinzessin. Sie hatte sogar ein Diadem 😀 Das mit der Kommunikation war etwas kompliziert (wie eigentlich immer 😉 ) da sie ungefähr 30 Englischvokabeln kann, die sie in die hindisätze eingebaut hat 🙂 aber Ariba (sie hat nochmal betont, dass sie gerne Justin Bieber heiraten würde. Ich finde das sagt alles. Sie kommt damit leider nicht mehr als meine beste indische Freundin in Frage)kann etwas besser englisch und durfte über setzen. Dann gab es Essen. Jeder hat einen Teller mit einer Banane, 4 Keksen, ein paar Snacks, einem kleinen Stück Torte, 2 Chapatis und einer Schüssel Linsencurry bekommen. Ich bin ja nicht jeder, ich habe 2 Teller bekommen. Weil ich ja Ehrengast bin. Das Gute hier ist, dass man sich hier zum Zeichen der Freundschaft füttert. Ich habe dann mal beschlossen, dass alle super Freunde von mir sind, wie hätte ich bitte sonst mein ganzes Essen loswerden sollen? Auf nette Art und Weise mein Essen verscherbelt 🙂

Alicia und ihre Freundinnen haben mich angemalt 🙁 mit knallrotem Lippenstift. Ich sah aus, wie ein Clown 🙂 aber sie fanden es alle super und meinten, ich sähe aus, wie eine Inderin. Was für eine Beleidigung für hübsche Inderinnen 😀

Um 8 Uhr haben sie mich dann quasi raus geworfen 😀 meinten, sie bringen mich jetzt zum Gasthaus, und mir wurde das Handy mit dem Englischlehrer am Apparat in die Hand gedrückt. Er hat mich dann gefragt ob ich OK bin und das wars 🙂 Anscheinend hatten sie ihm versprochen, mich um 8 zum Gasthaus zu bringen. Der Bruder und eine Schwester haben mich dann mit dem Motorrad zum Gasthaus gefahren. Zum Glück hat das einen guten Stoßdämpfer. Die Straße bestand nämlich hauptsächlich aus Schlaglöchern ;D

Vorgestern hat es geschüttet. Nachmittags hat mich Pooja, eine Schülerin ca. 10 Jahre zu sich nach Hause eingeladen. Ich, wie immer eine Attraktion, habe die halbe Nachbarschaft in das kleine Haus (ca, 12qm) gelockt. Wobei die natürlich alle männlich waren und mich direkt zu sich nah Hause eingeladen haben. Da sie kein englisch können, und mein hindi noch nicht ganz perfekt ist, musste Pooja übersetzen. Ich hab dann mal nicht verstanden, was sie wollen… Dann hat mich Pooja zurück zur Schule gebracht. Auf der Strasse stand das Wasser 20cm hoch. Und es war schwarz. Habe ich schon erwähnt, dass an der Strasse Gräben sind, in die der Müll geworfen wird und der von den Männern auch gerne als Toilettenersatz genutzt wird? Die sind dann halt mit dem ganzen Regenwasser übergequollen.

Wo ich jetzt bei Wasser bin. Letzens saß ich abends mit Manish und Vikky am Ganges, als uns Typen angesprochen haben und meinten, im Ganges läge ein Mann. Keine Wasserleiche (hab ich leider auch schon gesehen), sondern noch lebendig aber mächtig betrunken. Zusammen haben sie ihn dann rausgefischt und ans Ufer gelegt. Das kommt hier öfter mal vor…

Heute ist ja Sonntag 🙂 Der einzig freie Tag in der Woche. Und ich kann um 6:30Uhr nicht mehr schlafen :O mal sehen, was ich heute mache. Einer hat mich zum Frühstück eingeladen, mal sehen ob ich hingehe. Nicht, dass ich unhöflich sein will, aber ich bin jetzt 4 Wochen hier und es gibt 5 Männer, die was von mir wollen. Das ist manchmal etwas anstrengend. Bei ihm bin ich mir nicht sicher. So wie er sich verhält hat er das Potential zu Nummert 6…

Ich muss mal irgendwas besichtigen. Nach einem Monat war ich nur in einem Tempel und ich wollte ja mal eine Bootstour machen. Und andere Tempel besichtigen. Und zur Uni, da soll es so schön sein.

Es gibt übrigens gute und schlechte Nachrichten. Oreos sind ausverkauft. Ja, einfach weg :O ABER ich habe andere vegane Schokokekse gefunden, die auch noch nur 13ct pro 100gr kosten. Und sie sind richtig lecker! 🙂

So, das wärs erstmal 🙂

Zu Hause im Schlemmerland

Mittlerweile bin ich länger als 3 Wochen hier und ich denke, ich kann sagen, dass ich jetzt hier zu Hause bin. Wie ihr ja schon bemerkt habt, gehts mir super und ich fühle mich total wohl hier. Ich habe Freunde gefunden und das Essen schmeckt. Und da ist noch die phänomenale Aussicht vom Dach. Natürlich vermisse ich euch trotzdem 🙂 aber ich hab mich eingelebt. Über die viel zu teuren Angebote für Rikshafahrten, Gemüse, Obst und Textilien lache ich nur noch. Weil mir das Leben Spass macht 😀 Viele Verkäufer aus den Gassen, durch die ich immer laufen muss, um zur Hauptstrasse zu kommen, kennen und begrüßen mich immer mit einem Lächeln im Gesicht 🙂 das ist schön. Ein Keksverkäufer versucht jedes mal, mir welche anzudrehen, ich finds witzig 😀 Manche fragen mich, ob ich sie den nicht wiedererkenne. Nee, sorry, aber so viele neue Gesichter. Da kann ich mir nicht jedes Gesicht merken, dass mich mal gefragt hat, woher ich komme und wie ich heisse. Langsam kann ich mir ein paar Namen der Kinder aus der Schule merken.
Wo ich jetzt bei Schule bin. Die sind soll süß, die Kinder. Sie fange richtig an, mir ans Herz zu wachsen. Obwohl sie nichts lernen wollen 😀 und obwohl mir 500Rs (6,25€) gestohlen wurden. Was solls, es ist nur Geld. Jetzt nehm in halt nur noch maximal 100Rs (1,25€) mit. Ich habe eine ganz besondere Beziehung zu einem Mädchen. Wir strecken uns immer gegenseitig die Zunge raus 😀 und ziehen Grimassen. Ihre Eltern arbeiten in der Schule, deshalb ist sie auch Abends immer da. Ruft immer „Julia Mam“, zieht eine Grimasse und rennt schnell wegm damit in sie nicht kitzeln kann. So süß 🙂 mein Lieblingskind. Ich weiß, ich sollte alle Kinder gleich gerne haben. Aber wie denn bitte, wenn manche einfach so süß und andere nervig sind? Da ist zum Beispiel so ein Streberkind 😀 sie ist die einzige, die alles kapiert, was natürlich toll ist, aber ihre Stimme. Etwa so hoch, wie eine Piccoloflöte spielt. Und dann sind da andere Kinder, die mich Dauerumarmen und so süß lächeln! Und manche finden es so lustig, mich hindi sprechen zu hören, dass sie mir am Liebsten alles jetzt sofort beibringen wollen. Ich kann jetzt übrigens bis 20 zählen. Was bin ich stolz 😉 Auf dem Gesamten Nachhauseweg habe ich vorwärts und rückwärts gezählt. Das entspannt. Und ich war so in Gedanken, dass mich die Rikshafahrer entweder nicht gefragt haben, oder ich es nicht mitbekommen habe 🙂

Seltsames Bild. Abends auf dem Weg zum Gasthaus laufe ich am verwirrtesten Rikshafahrer, den die Menschheit je gesehen hat, vorbei. Ja, ich bezeichne mich schon als Menschheit. Da seht ihr mal, was die Inder aus mir machen, wenn sie mich ständig wie eine Prinzessin behandeln. Wie gut, dass es da noch die Kühe gibt. Auf die ist Verlass, die wissen wenigstens, dass sie heilig sind und ich nicht 😉 Zurück zum Rikshafahrer. Ein europäisch aussehendes Touristenpaar hatte eine Riksha genommen und am Ziel angekommen mussten sie direkt ein Beweisfoto ihres Abenteuers machen. Der Rikshafahre wurde auf der Sitzbank platziert, der stolze Mann saß auf dem nicht ganz so komfortablen Fahrrad Sattel, tat so, als führe er (seht ihr? Konjunktiv. Wer den erfunden hat verdient keinen Preis. Wie bitte kam er auf die komischen Formen?) und die Frau hat das Foto gemacht. Das Gesicht vom Rikshafahrer hätte ich gerne in Großaufnahe fotografiert 😀 sein ganzes Weltbild wurde da innehalb einer halben Minute auf den Kopf gestellt.
Zu den Rikshafahrern. Mittlerweile kennen mich schon recht viele und wissen, wo ich hin muss. Morgens wird sich darum gestritten, wer mich heute fahren darf. Auch wenn ich schon einen Fahrer gefunden habe, bzw er mich erobert hat ;), wird weiterdiskutiert und ich werde weiter umworben. Witzig ist, dass ich auch von Rikshafahrern gefragt werde, ob sie mich nicht fahren sollen, wenn ich mich schon in einer sich fortbewegenden Riksha befinde. Nicht witzig aber erwähnenswert sind die stets hilfsbereiten Polizisten. Achtung, Ironie. Ihr wisst schon, die mit den Schlagstöcken, Gewehren und dem nicht ganz so furchterregenden aber stets vorhandenen Essen. Habe schon ein paar mal gesehen, wie sie eine Riksha oder ihren Fahrer geschlagen haben. Und wenn ich dann in einer Riksha an einem Freund und Helfer vorbeifahre und sehe, dass er seinen Schlagstock hebt, fördert das nicht unbedingt mein Sicherheitsgefühl. Das fördert eher mein Bedürfnis, ihm Essen zu geben 😀
Apropos Essen: in der ersten Woche hatte ich ja so mein Problem mit der Nahrungsaufnahme. Hatte sogar abgenommen. Das ist mehr als gelöst. 😀 ich habe quasi immer Hunger und esse viel zu viel. Und mit viel meine ich viel :D. Am Wochenende (ja, ich hatte tatsächlich ein Wochenende weil Montag Feiertag war. Samstag ist hier ja ganz normaler Werktag) war ich mit Manish frühstücken, es gab Gemüsecurry mit frittierten Chapati. Super lecker! Ich habe allerdings erst um 12 gefrühstückt, weil ich a) länger geschlafen habe (nur bis 9, aber das ist schon fast ein Wunder. Es war so wunderbar :D) und b) früher kein indisches Frühstück runterbekomme. Das ist eher was für mittags. Oder abends. Aber da gibt das nicht mehr, weil es ja Frühstück ist. Abends gibt dann halt anderes Curry 😀 In dem -ich weiss nicht, wie ich es neben soll. Restaurant ist übertrieben. Eher Strassenstand mit Sitzmögichkeit- habe ich 5 handgroße Chapatis und zwei kleine Schüsseln Curry gegessen. Die Männer an meinem Tisch fanden es super lustig, dass ich si viel gegessen habe. Als Nachtisch gab es eine undefinierbare Süßigkeit. Den Namen Süßigkeit hat es sich eindeutig verdient. Jede deutsche Mutti hätte es seinem Kind wegen möglichem Zuckerschock und schwarzen Zahnverfärbungen verwährt. Das beste kommt noch. Die Süßigkeit wird gegessen, um den scharfen Geschmack vom Curry zu übertünchen. Den find ich aber so gut, deshalb hab ich den Nachtisch zwischendrin gegessen. Konnten meine indischen Mitmenschen garnicht nachvollziehen. 😀 Sie wollten mir direkt mehr von dem Zeug bringen.
Eine Stunde später haben Manish, ein Freund von ihm und ich dann noch Masala Dosa gegessen. Das ist wie Crêpe mit Gemüsefüllung und einer scharfen Soße. Ich hab meins und die Hälfte von Manishs gegessen. Hatte auch die Hälfte von seinem Curry gegessen 😀 Also wenn ich hier sterben sollte, garantiert nicht, weil ich verhungert bin. Ich hab übrigens einen Grund für den monströsen Schärfegrad herausgefunden. Der bringt einen noch mehr zum schwitzen, ist also nicht unbedingt clever, wenn es eh schon gefühlte 50 Grad hat. Ganz einfach. Wenn das Essen so scharf ist, isst man weniger und gibt damit auch weniger Geld aus. Ich glaube ja, dass der Schärfegrad vor allem dafür gut ist, sämtliche Viren, Bakterien und was es da sonst noch so an Überltätern gibt, abzutöten. Immerhin wird ja an der Strasse gekocht, alles wird mit den Händen angepackt, das Geschirr wird nicht mit Trinkwasser gewaschen. Das deutsche Gesundheitsamt würde Amok laufen. Beziehungsweise es hätte eine Beschäftigung für die nächsten Jahrhunderte. Statt Tellern werden auch gerne riesige, getrocknete Blätter verwendet. Und wenn man Essen zum Mitnehmen kauft, wird es entweder in aus Zeitungspapier gefertigten Taschen oder einfach in Plastiktüten verpackt. Plastiktüten sind hier ganz beliebt. Besteck gibt eh nicht, es wird alles mit der Handgegessen. In der Schule ist es immer eine Tortur, einen Löffel zu finden. Hab mir jetzt einen gekauft 😉 Ich versuche zwar auch vieles mit der Hand zu Essen, aber bei Reis mit Soße ganz ohne Chapati ist der Löffel dann doch ein guter Freund und Helfer. Und wirbt den Polizisten ihren Ruf ab 😉
Ich freu mich, dass ihr mitlest!
Ganz liebe Grüße!!! 🙂

Ich weiß, wer du bist! Und: das Zerstörer-Gen

Es gibt ihn tatsächlich auch in Varanasi! Ja! Kaum zu glauben, aber ich habe ihn kennen gelernt. Einen Teil Menschheit, der zwar nicht ganz normal ist 😉 aber dafür echt nett! Und das, wo ich doch in letzter Zeit nur Menschen kennen gelernt habe, die… naja, die man nicht unbedingt in seinen Freundeskreis integrieren möchte. Es ist echt verrückt. Varanasi hat über eine Millionen Einwohner und ich lerne Leute kennen, die wissen, wo ich her komme, was ich mache, wie lange ich bleibe etc. Genau. Ich dachte auch erst mal ‚häh‘? Also.
Heute morgen wollte in eigentlich nur frühstücke gehen (hier Frühstück man Hühnchen, Curry, Reis, Nudeln usw. daran muss ich mich erst noch gewöhnen…) als mich einer abgelagert -nein, Autokorrekt. Angelabert, nicht abgelagert- und auf einen Chai eingeladen hat. Da heute Sonntag ist, habe ich eh nichts zu tun. Als warum nicht? Der Chai hat nicht geschmeckt. Egal, bin noch nicht wieder gesund, also schadet ein heißes Getränk bestimmt nicht. Dann hat Manish mich mit in sein Gasthaus genommen (er arbeitet da) und seinen Freund Vikky vorgestellt. Der mich fragt, ob ich eine Freundin von Julia aus Frankfurt bin. Ich arbeite doch für eine NGO und bleibe 8 Monate hier, oder? Ehm. Ja? Warum weisst du das? Es stellt sich raus, dass Manish und er Freunde von Julia sind, die auch in Bad Vilbel wohnt und mir vor meiner Abreise mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat, sie selber war nämlich auch schon als Volunteer in Indien. Und hat ihren indischen Freunden von mir erzählt. Die beide haben mir was zum Frühstücken geholt (Crêpes mit Gemüse Füllung, echt gut) und noch einen Chai. Dann haben sie mir ein T-Shirt geschenkt, keine Ahnung, wie sie darauf gekomme sind… Dann kam noch eine ältere Frau, die mir als Mutter Teresa vorgestellt wurde 😀 und hat mir irgendwelche undefinierbaren aber geschmacklich gute Süßigkeiten gegeben. Und sie hatte eine Blumenkette, die sie mir in die Haare gewickelt hat. Und wenn ich das nächste mal komme, muss ich auf jeden Fall mit zu ihr nach Hause gehen, dann kochen wir was zusammen und essen gemeinsam. Ist das nicht irre nett? Wild fremde Menschen beschenken mich und laden mich ein. Vikky studiert französisch hier an der BHU (Uni), das heißt, ich kann mich mit ihm auf französisch unterhalten!!! Französisch fehlt mir nämlich tatsächlich. Generell Fremdsprachen. Klingt jetzt seltsam, weil ich ja den ganzen Tag englisch rede und hindi höre, aber französisch vermisse ich wirklich. Und dann studiert Vikky einfach französisch-ist das nicht super? Es ist nur nicht so einfach, es zu sprechen. Muttersprache deutsch, hier rede ich nur englisch, und höre und lerne hindi. Und man vergesse nicht meine phänomenalen Lateinkenntnisse 😀 Mein Hirn ist leicht überfordert 😀 Manish und Vikky haben mir direkt ihre Handynummer gegeben, damit ich mich melden kann, wenn ich in Schwierigkeiten bin. Auch lieb.
Oh, ich liebe Indien! Hier herzukommen ist wohl die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe 🙂
Ich wünsche jedem von euch, einen Ort zu finden, der euch so glücklich macht, wie mich Indien.
Klar, wir wollen mal nicht übertreiben. Nicht alles ist hier so genial. Zum Beispiel die Qualitätshosen, die ich mir vor 2 Wochen aufschwatzen lassen habe. Habe gestern versucht, auf ein Dach zu klettern. Nicht lachen, eigentlich bin ich sportlich. Jedenfalls ein bisschen. Genug, um auf ein blödes Dach zu klettern. Aber ich habe keine Muskeln mehr :O ich habe es nicht geschafft. Schande. Meine Hose wurde zerstört. Weil ich meine Beine weiter als 30cm verbogen habe. Ein Loch, so groß, wie meine Hand. Sehr schön, ich war nämlich in der Schule. Wenigstens waren keine Kinder da, ich wurde nur von den Jungs aus der Bäckerei ausgelacht. 😀 Zugegebenermaßen verdient 😀
Bäckerei. Ich durfte gestern einen Kuchen backen! Das hat mich so gefreut! Wobei ich das vielleicht anders formulieren muss. Anish hat gebacken und ich hab ihm gesagt, was er machen muss. Ich habe gebacken 😉 Und obwohl er den Kuchen über eine Stunde im Ofen gelassen hat, war echt lecker. Natürlich war er lecker, es war Schokokuchen. Nein, so kann das nicht stehe bleiben.

<3 VEGANER SCHOKOKUCHEN <3

So ist es richtig 🙂 Was für ein Genuss! Ich glaube, ich muss öfter was backen. Aber dann wirklich selber. Kann ja den armen Anish nicht als Kuchenbacksklaven missbrauchen. Wobei das natürlich schon nicht schlecht ist. Ihm einfach mein Rezept zu geben und dann den fertigen Kuchen zu bekommen 😉
Ach so, sorry, dass ich immer so Romane schreibe. Aber wie gesagt, es gibt einfach so viel zu erzählen! Und seltsamerweise macht mir das Schreiben auch Spass. Blöd, dass ich das nicht früher bemerkt habe. Im Deutschunterricht zum Beispiel. Wo ich bei Schule bin. Gebt niemals einem Inder ein Buch oder Heft in die Hand. Nie. Ihr werdet es nicht ohne Blessuren zurückerhalten. Nein. Inder haben ein Gen, das wir Europäer glücklicherweise nicht haben. Das "Ich-muss-dieses-Buch-zerstören-Gen". Ich habe ein Vokabelheft für sämtliche Wörter und Sätze, die ich in hindi lerne. Die Lehrer und Kinder haben es mit Millionen Knicken bestraft. Und haben einfach was reingekritzelt. Das tut mir echt weh. Wirklich, ich hasse Knicke in einem Blatt. Und dann auch noch in millionenfacher Ausführung. Ihr wollt nicht sehen, wie mein Heft nach 2 Wochen aussieht. Mein Wörterbuch wurde noch am ersten Tag mit einem Kulistrich geziert. Von einer Lehrerin. Ich wollte es niemandem geben, damit es so bleibt, wie es ist. Aber was machen, wenn mich eine Lehrerin fragt, ob sie es sich mal anschauen kann? Es verstecken oder sagen "ja, aber sei bitte vorsichtig" kann ich ja nicht bringen. Aber meins. Schon wenn ich sehe, wie Inder in einem Buch blättern, würde ich gerne jedes Buch aus Indien verbannen. Zum Schutz vor mutwilliger Zerstörung.
Oh mein Gott, ich habe gerade kein Internet -Rajesh vom Gasthaus sagt, das liegt daran, dass es gestern geregnet hat- und schreibe in 'Word To Go'. Auf einmal schließt das Programm und ich finde das Dokument nicht mehr :O aber jetzt habe ich es ja doch wiederentdeckt 🙂 Schock! Ich fühl mich wie ein Junkie, dem vor seinen Augen sein Jahresvorrat im Klo runtergespült wird. Sollte ich mir Sorgen machen? Ich glaube schon. Genau das wollte ich nämlich mit Genuss mit all dem Deutschkram vom Unterricht tun. Unvorstellbar. 😀

Normaler Mensch auf der Suche nach Gleichgesinnten.

Hallo nochmal 🙂 Habe ich schon erwähnt, dass ich den Tag der Lehrer liiiiiiiebe? Heute Abend im Englisch’unterricht‘ 😉 haben die Mädchen Rosenblüten auf den Deckenventilator gestreut und Torte, Chips und Blätterteigtaschen mitgebracht. Und Geschenke. Schokoriegel und Stifte. Hach, was bin ich doch für eine gute Lehrerin! Natürlich wissen sie alle nicht, dass ich Veganer in bin, bzw es zu sein versuche. Und an der Torte war garantiert nichts vegan. Wie soll ich ihnen dann klarmachen, dass ich leider nichts von den Leckerein essen kann? Im Moment bin ich eh nur Vegetarier, das mit vegan muss sich noch einpendeln. Aber es war soooooo lecker! Die Lehrer haben sich gegenseitig gefüttert. Ich hätte es zwar lieber selbst in den Mund genommen, aber hey, am Geschmack hat sich ja nichts geändert 😀

Inder kennen nicht die Filme ‚Fluch der Karibik‘!!! Die leben hinterm Mond. Wirklich. Es kommt noch besser. Sie kennen nämlich auch keine klassische (und romantische) Musik. Beethovens 5. Symphonie? Brahms Ungarische Tänze? Rossinis Wilhelm Tell? Nie gehört. Ich meine, ich bin kein Musik-Ass aber wenigstens die bekanntesten Stücke kenne ich. Ja, OK, ich musste googele, von wem sie komponiert wurden, aber ihr wisst schon, was ich meine. Schrecklich! Ich muss meinen indischen Freunden noch viel Musik zeigen. Das kann ich nicht hinnehmen 😀

Ehm. Gerade hatte ich eine-seltsame-Erfahrung mit dem Japaner, der neben mir im Zimmer wohnt. Seit vorgestern. Ich hab meine Zimmertür offen, damit ich etwas Zugluft habe und falls Menschen da sind, die spontan Lust auf Oreos haben (ist das zu glauben? Autokorrekt weiß nicht, wie man Autokorrekt schreibt. Das musste ich gerade einspeichern. Und es kennt keine Oreos?!). Gestern habe ich mich 10 min mit dem Japaner -sorry, aber ich hab seinen Namen vergessen- unterhalten. Eben kam er dann in mein Zimmer und meinte, er geht morgen schon wieder und er wird mich vermissen. OK, nett. Nach einem 10min-Gespräch vermisst er mich. Gut, warum nicht. Die Männer hier sind eh komisch, also warum nicht auch die männlichen Touristen? Jedenfalls wollte er, dass ich ihm Bilder zeige. Von Deutschland. Google sei Dank, gibt es genug. Dann legt er sich auf mein Bett und will massiert werden. Hab halbherzig den Nacken massiert. Wie will ich den denn sonst los werden? Nee nee, mit massieren meint er was anderes. Will es mir zeigen, legt sich auf einmal auf mich und versucht mich zu küssen. Wenigsten ist er nach meiner Abwehr in sein Zimmer gegangen. Mist, ich hab ihm eine Packung Oreos für die Weiterreise geschenkt. Hätte ich die mal lieber behalten.

Welt, was habe ich dir getan? Warum treffe ich ständig so seltsame Menschen? Wo versteckt sich der normale Teil Menschheit?

Wenn ihr es wisst, her mit der Antwort. Ehrlich. Langsam wirds doch komisch. Oder bin am Ende ich die, die verkorkst ist? Aber das kann doch nicht sein :O

Eine reichlich verwirrte Julia geht jetzt besser schlafen. Vielleicht war ja doch nur alles ein Traum.

Wir sehen uns. Nein, hören uns. Nee, auch nicht. Egal, ich meld mich wieder.

Verkorkste Realität

In Indien gibt es tatsächlich den Tag der Lehrer. Es wird gefeiert und die Schüler schenken ihren Lehrern eine Kleinigkeit. Und die Lehrer werden beglücktwünscht. Dieser Tag ist heute. Ich habe auch ein paar Stifte und Süßigkeiten bekommen. Ein Junge (ca. 8Jahre) hat mir einen Schmatzer auf den Mund gedrückt… Der zwickt mich sonst immer in die Wange. Heute ist ein schöner Tag. Denn: Erkenntnis des Tages: die Kinder können tatsächlich richtig süß sein. Nicht nur 3 Sekunden, sondern mehrere Stunden am Stück. Hätte ich nicht gedacht. Nicht, dass ich sie sonst schrecklich finde, nein. Jedenfalls fast nie 😉 Aber heute war es anders. Was aber leider nur daran liegt, dass heute kein Unterricht war, sondern nur Filme über Krishna gezeigt wurden. Ich saß also auf dem Boden (hab ich das eigentlich schon erwähnt? Die Kinder sitzen immer auf dem Boden, im besten Fall auf Sitzkissen) und hatte 3 Kinder auf mir sitzen und 2 an mir gelehnt. Es war zwar ziemlich warm, aber total goldig. Es wurde darum gekämpft, wer auf meinem Schoß sitzen darf. Bzw die Kinder, die einen Platz in meiner Reichweite ergattert hatten wurden gnadenlos von den anderen weggeschubst und -gezerrt. Süß! Aber wo ich gerade bei Wärme bin-schlechte Nachrichten, ich hab mich doch nicht an die Hitze gewöhnt. Jedenfalls noch nicht komplett. Bin krank geworden, (keine Angst, nur ne Erkältung. Ich schätze, das ist die Rache für den Schlafmangel. 5 Stunden war letzte Woche der Durchschnitt. Und Sonntag waren es nur 2. Wer es nicht weiss, ich brauche mindestens 9 um überlebensfähig zu sein. Und sonntags mindestens 12.) Deshalb war mir wohl kalt. Und wo ich schon dabei bin, was richtig zustellen. Wenn es noch funktionierende Geschmackszellen in meinem Mund gab. Jetzt nicht mehr. Heute gab es Pasta. Definition: Nudeln mit Öl. Und scharf. Sehr, sehr scharf.

Die Kinder können garnicht aufhören, mich dabei zu beobachten, wie ich mir die Nase putze. Richtig gelesen. Nase putzen. Nicht unbedingt das spektakulärste Kunststück, für die Kinder aber allemal sehenswert. Richtig, sie kennen nämlich keine Taschentücher. Die gibts hier nicht. Bzw nicht da, wo ich bin. Als ich eine Packung Taschentücher im Unterricht rausgeholt habe, hatte ich plötzlich die Aufmerksamkeit der halben Klasse. Die bekäme ich nicht einmal, wenn ich einen Schreikrampf hätte. Hätte ich mir aber denken können, immerhin wurden sie noch nicht vom positiven Nutzen des Klopapiers überzeugt. Jetzt muss halt das kostbare Klopapier dran glauben. Ich erinnere, eine Rolle kostet 50Rs(60ct). Eine Packung Oreos kostet 27Rs. Eine leckere und große Mahlzeit bekommt man schon für 30Rs. Ihr seht, wie wertvoll es ist.

Mein Gasthaus schließt den Eingang um 22:30Uhr ab. Als ich letztens nach dem Konzert zurück gekommen bin, war gerade Stromausfall. Das heißt, die Gassen waren nicht beleuchtet und es war stockdunkel. Und ich alleine. Ja, das war doof. Aber um 8:30 Uhr ist draussen mehr los, als mittags, also dachte ich, wird es ja auch um 10 so sein. Nee, da ist Indien wohl schon im Bett. Natürlich hatte meine Taschenlampe einen Wackelkontakt. Egal, es ist ja nichts passiert, jedenfalls stand ich um 10:29Uhr (deutsche Pünktlichkeit 🙂 )vor dem Gasthaus. Was abgeschlossen war. Mein Handy hatte keinen Empfang, als ich Bablu anrufen wollte. Scheiß Netz. Weshalb ich so fest gegen die Tür geschlagen habe, dass jemand kam. Oh ja, Gewalt ist auch eine Lösung. Beste Begründung aller Zeiten für den verschlossenen Eingang: sie dachten, ich wäre auf dem Dach. OK, ist hinnehmbar. Nicht, weil die vom Gasthaus mit einem Freund und einem Gast auf dem Dach saßen und zusammen gegessen haben. Jaja, ich könnte sie alle umarmen. Eigentlich wollte ich auf irgendwas hinaus. Aber ich hab gerade vergessen, worauf 😀

Vielleich sollte ich mal was zur indischen Männerwelt und ihrem Verhältnis zu Frauen schreiben. Ich hab ja vor meiner Abreise recht viel über die indische Kultur gelesen. Aber wieder ist es was anderes, mittendrin zu stecken, als im behüteten Deutschland darüber zu lesen. Ein Freund hat mir erzählt, dass er bisher eine Freundin hatte. Das Zusammensein bestand aber nur aus heimlichen Telefonaten und hielt nur wenige Tage. Die Frau wurde dann verheiratet. Arrangierte Hochzeit der Eltern. Das ist hier immer noch Gang und Gebe (wie schreibt man das? So siehts komisch aus, aber Autokorrekt, mein Freund hat nichts dagegen). Einige von den Mädchen im Englischkurs haben mir gesagt, sie träumen von einer Liebeshochzeit. Das sei aber undenkbar, da das nicht von der Familie akzeptiert wird. Immerhin würde das heißen, dass den Eltern, die normalerweise den Partner für ihr Kind aussuchen, in ihrer Entscheidung für das Glück der Kinder nicht vertraut wird. Es ist hier natürlich auch nicht möglich, einfach nur zusammen zu sein. So ganz ohne Hochzeit. Es muss geheiratet werden. Es gehört sich auch nicht, mit dem anderen Geschlecht zu reden. Ausser der Familie. Verstehe ich nicht. Ich glaube, dass das der Grund ist, warum ich hier bei den Männern unter die Rubrik „leicht zu haben“ falle… Europäerinnen haben eh keinen guten Ruf, da sie sich nicht den indischen gesellschaftlichen Konventionen beugen. Bzw sich einfach aus Gewohnheit „falsch“ verhalten. Klar, wir sind ja keine Inder sondern kommen aus einer komplett anderen Kultur. Das wird aber ignoriert. Mir kommt ständig ein schiefes Grinsen von Zwinkern begleitet entgegen, teilweise laufen mir auch einfach Männer hinterher. Aber die werden gnadenlos abgeschüttelt. Das fehlt mir jagerade noch. Einmal hat mir ein Mann klarmachen wollen, dass er heute abend frei sei, aber nur heute, morgen schon wieder nicht. Oh mein Gott, was denkt der denn bitte? Realität, bitte näher dich seinem Hirn!

Achja, zum Thema nähern. Seit ich berichtet habe, dass mir ständig in den Oberarm gekniffen wird, hat es aufgehört! Tatsächlich, danke! Nur eine Frau hat meinen Arm in die Hand genommen. Aber nicht reingekniffen. Yes, Fortschritt 😉 Stop, nicht so schnell. Da Laufe ich heute wieder die Strasse entlang und da kneift mich eine Frau in die Wange. Hallo, ich besitze Nervenzellen. Und Gefühle und sowas. Was da halt alles dazugehört. Warum ignorieren das die Inder denn bitte? Ich verstehe den Sinn nicht. Wollen sie testen, ob das alles nur eine Maske ist? Oder einfach mal ein bleiches Mädchen berühren? Oder einfach mal so? Just for fun? Einfach mal Aggressionen raus lassen?

Bitte, bitte lasst das. Nicht, dass ich bleibende Schäden davon trage, ist ja kein OP, aber es nervt. Nerven. Ja, da ist noch was, was man mal lassen könnte. Mir ständig auf die Füße zu treten. In der Schule. Das interessiert die Kinder nicht einmal. Also dass der Untere meiner ist. Teilweise stellen die sich mit Absicht drauf. Bin ich vielleicht ein Fußabtreter? Nein. Sicher nicht. Ich mutierte aber zu einem, wenn das so weiter geht.

Ich bringe Neha, meiner Hindilehrerin jetzt übrigens deutsch bei. Also so grundlegende Sachen und einfache Sätze. Das macht gleich mehr Spass, weil ich sie jetzt auch abfrage. Wobei sie aber erstaunlich schnell lernt. Aber sie hat es auch einfacher. Immerhin ähnelt deutsch dem Englischen, hindi ist für mich wie chinesisch… Aber es macht Spass, es zu lernen 🙂

So ich hab ja schon über den Schlafmangel geschrieben. Rastet mal, was ich jetzt mache 🙂 Um 2 Uhr mittags.

Genau, gute Nacht :))

Hilfe, die Ninjas kommen!

Ich glaube, ich habe mich an die Hitze gewöhnt. Heute Nacht war mir nämlich echt kalt. Und das im Gasthauszimme, also nicht einmal draussen. Zur Info: heute Nacht hatte es 28Grad. Ich habe bei 28Grad gefroren. Vor ein paar Wochen konnte ich in Deutschland nicht schlafen, weil mir bei 28Grad viel zu warm war. Tagsüber ist es jetzt wieder angenehm, es hat 32Grad.

Und ich glaube, dass meine Geschmackszellen alle abgestorben sind. Mir schmeckt nämlich das Essen und ich finde es nicht mehr so scharf. Heute gab es das gleiche Gericht, wie vorletzte Woche schon mal und da habe ich keinen Löffel voll runterbekommen. Heute fand ichs super 🙂 Gestern abend bin ich zu einem Konzert in der Brown Bred Bakery (das Restaurant, das zum Projekt gehört) gegangen, es war echt gut! Einer hat getrommelt und ein anderer auf einem Instrument gespielt, dessen Namen ich leider schon wieder vergessen habe. Es war einer Gitarre ähnlich. Man hat richtig gesehen, dass den beiden ihre Musik Spass macht, da habe ich direkt Lust bekommen, wieder in einem Orchester zu spielen 🙂 bei dem Konzert habe ich einen Engländer kennen gelernt, der gerade 10 Wochen durch Indien reist, dann ein paar Monate durch Südasien, bis er im März an einer chinesischen Schule als Lehrer abeitet. Krass. Mit ihm und einem belgischen Studenten habe ich mich über die Leute, das Leben und die zahlreichen außergewöhnlichen Eindrücke unterhalten. War echt schön, mit Europäern zu reden. Man lernt hier schon schräge Typen kennen.

Apropos schräge Typen. Habe einen alten Mann gesehen, der mit 2 Affen an der Leine gassi gegangen ist. Und einen, der beim Fahrradfahren einen Afen auf der Schulter sitzen hatte. Seltsame Menschen. An einer Kreuzung hat ein Polizist einem Rikshafahrer die Luft aus den Reifen gelassen. Keine Ahnung warum. Die Polizisten sind eh seltsam. Sie tragen einen etwa 1m langen Schlagstock mit sich und ein mindestens genau so langes Gewehr. Und bewachen die zahlreichen Tempel und Bankautomaten. Was die wohl befürchten? Den Weltuntergang in Form von Ninjas? Wirklich hilfreich sind sie auch nicht. Sitzen in ihren Stühlen und essen. Wenn man sie nach dem Weg fragt wissen sie ihn nicht. Klar sind sie keine Wegweiser aber die haben doch eh nichts zu tun, da könnten sie wenigstens behilflich sein. Aber nee. Ich versteht schon, Essen ist wirklich wichtiger.

Ich komme gerade vom Englischunterricht. Amand hat gesagt, es würde heute um 5 beginnen. Es hat um halb 6 begonnen. Und es waren nur 6 Schülerinnen da. Weil heute ein Test angekündigt war. 3 haben den Test mitgeschrieben. Ich hab nichts gemacht, wäre beinahe eingeschlafen. Ein Mädchen hat mir einen Ring und einen riesigen pinken Haargummi geschenkt. Den gleichen, den sie auch hat. Sie ist erst 12 Jahre alt, das ist also echt süß von ihr, aber ich glaube ihr steht er besser 😉 sie wollte mir auch ihren Armreif schenken, dafür ist mein Arm aber zu dick. Zum Glück. Ich will nicht, das sie mir so viel schenkt. Zum Abschied geben sie und ihre Schwester mir immer Handküsse. Ouah, warum tun sie nicht einfach so, als wäre ich ganz normal? Bin ich doch. Dachte ich jedenfalls immer. Aber nicht hier. Ich bin mindestens 1 Kopf größer, habe helle Haut, Sommersprossen und Leberflecken, blaue Augen und rote Haare. Indien hält es nicht für angebracht, mich als normal zu bezeichnen.

Hier sind mal die mir am häufigsten gestellten Fragen: 1.) wo kommst du her? 2.) wie lange bist du schon da und wie lange bleibst du? 3.) wie gefällt dir Varanasi und Indien überhaupt? 4.) wie heisst du? 5.) bist du verheiratet? (Meine Antwort ist hier nicht wirklich akzeptabel. Eine Frau hat mir entgeistert gesagt, da müsse ich mich aber ranhalten. Ja, danke.) 6.) wie heisst dein Vater? 7.) wie viele Geschwister hast du und wie heissen sie? (Tut mir leid Mama, aber deinen Namen wollen nur wenige wissen)

Und für die, die wissen wollen, was für Musik gehört wird: im Moment sind die Songs „Sunny sunny Yaarijan“ und „Hangover“ angesagt. Einfach in YouTube eingeben, das erste Video ist richtig. Indien hat tatsächlich sein eigenes Hollywood. Also Bollywood. Ich weiß, das weiss jeder. Aber Inder kennen auch keine Hollywood Filme oder Schauspieler. Auch keine Musik! Sie leben tatsächlich in ihrer eigenen Welt. Mit einer Ausnahme. Ariba vom Englischkurs (die, die kurze Klamotten mag) findet Justin Bieber toll. Und findet total doof, dass Selena Gomez mit ihm zusammen ist. Oh Gott. Da kennt eine Inderin jemanden aus Hollywood und dann muss es Justin Bieber sein. Super.

Am Samstag hatten die Lehrer Krisensitzung. Irgendein Vorgesetzter war da und hat alles Mögliche kritisiert. Dass die Kinder zur Unterrichtszeit irgendwo rumlaufen, dass sie nicht genug und gleichmäßig lernen. Und das liegt ganz klar am Versagen der Lehrkräfte. Dass es ein Staatsakt ist, die Klasse gleichmäßig voranzubringen, wenn jeden Tag mindestens 3 Kinder pro Klasse fehlen, die Kinder ihre Hausaufgaben nicht machen und im Unterricht einfach nicht nicht zuhören, hat er ignoriert. Auch dass die Kinder stark unterschiedliche Lernfähigkeiten haben ist egal. Natürlich sind die Lehrer verantwortlich und müssen ihr bestes geben, um die Kinder zu unterrichten. Aber jetzt muss ich sie doch in Schutz nehmen. Ich glaube auch nicht, dass es viel bringt, innerhalb von 6 Tagen einen Lehrplan für 3 Jahrgangsstufen zu erstellen, in dem für jede einzelne Woche festgehalten wird, was die Kinder lernen müssen. Ich will nicht wissen, wie lange das hessische Kultusministerium gebraucht hat.

Heute war eine Lehrerin krank und ich habe eine Klasse 45 min in EVS (Sachkunde) unterrichtet. Naja, eigentlich müsste man das Wort unterrichten neu definieren, wenn man den Satz so stehen lassen will. 😀 Ich habe die Kinder einen Text über Insekten, Spinnen und Würmer lesen lassen. Keiner hat aufgepasst, wo wir gerade sind, keiner hat zugehört, alle waren laut. Schrecklich. Ich weiss, warum ich kein Lehrer werden will. Zur Strafe mussten 2 Kinder vor die Tür und 3 stehen und die Hände heben. Was die anderen dazu veranlasst hat, nichts anderes mehr zu tun, als zu schauen, ob die Bestraften ihre Strafe einhalten. Super. Was war ich froh, als die 45 min. um waren :). Die Schule sollte eine Verhaltensnote einführen. Vielleicht motiviert es die Kinder ja, am Ende des Tages noch ein zusätzliches „very good“ zu bekomme. Sonst sind sie auch wild drauf.

Was ich in Deutschland auf jeden Fall zu schätzen gelernt habe ist, dass es was gegen Ruhestörung unternimmt. Ich dachte zwar immer, ach lasst doch Muslime ihren Glauben ausführen, aber da wusste in auch nicht, wie nervig das für Nichtmuslime sein kann. Ehrlich. Müssen sie wirklich alles in Mikrofone brüllen? Reicht es nicht, im stillen zu beten? Find ich schon. Jedenfalls morgens um 4. Da haben sie anscheinend nichts bsseres zu tun, als Varanasi zu wecken. Auch wenn ich meinen Wecker oft überhöre, um 4 muss ich nicht aufstehehn. Will ich auch nicht. Und abends ab 8 muss das auch nicht mehr sein. Da machen die doch glatt den Affen in Sachen Ruhestörung Konkurrenz. Wer hätte das gedacht?

Apropos Affen. Ein Tourist hat mir erzählt, dass er gesehen habe, wie ein Affe von einem Dach auf einen Strommasten gesprungen ist und tot runterfiel. Der Block hatte dann wohl mal wieder Stromausfall.

Das wars für heute 🙂

Ach, noch eins: Hund heisst auf hindi kutta. Der weibliche Hund heisst bitch kuttia.

Ihr seht, ich bin dabei, fleissig zu lernen. Mai hindi sikhne ki kosis kar rhi ho. (Ich versuche hindi zu lernen) Allerdings erstmal in englischen Schriftzeichen. Das ist schon schwer genug. Es gibt 12 Vokale und 36 Konsonanten. Und es gibt halbe Buchstaben. Wer hat sich denn bitte das ausgedacht? Entweder ist da ein Buchstabe oder eben nicht, was soll denn bitte ein halber? Habe mir ein Wörterbuch gekauft mit Bildern drin. Kenne ja auch nicht jedes englische Wort. Und deusch-hindi hatten sie nicht da 😉

So, jetzt wars das aber 🙂

Bis bald!

 

Chaos und Glück

Zur Schule gehört ein Schulhund. Und er hat Welpen! 5 kleine tollpatschige 4beiner tapsen auf dem Schuldach rum-ist das nicht süß?! Ich mach demnächst Bilder von ihnen 🙂

Auf dem Schuldach ist mein Lieblingsplatz. Also abends, wenn die Sonne untergegangen ist und ich nicht vor mich hinbrutzle (ist das über haupt ein Wort? Und wenn ja, wie wird es geschrieben?). Dann setze ich mich auf die Mauer und beobachte das Treiben auf der Strasse. Keine Ahnung, warum, aber es hat eine beruhigende Wirkung. Zu beobachten, in welchem Chaos ich gelandet bin. Und dass dieses systemlose Chaos auch noch funktioniert 🙂 Also meistens jedenfalls… Undenkbar in Deutschland. Ein „Verkehrssystem“ ohne Ampeln, ohne Verkehrsschilder, mit nur einem einzigen Gebot: wer am lautesten, ausdauerndsten und aufdringlichsten hupt, hat Vorfahrt. Klingt erstmal nicht so kompliziert. Ist es auch nicht. Man stürzt sich rein ins Chaos und kommt irgendwann irgendwo irgendwie wieder raus. Gut, es war schon ein paar mal knapp, da hat eine Riksha meinen Sonnenschirm mitgerissen, vor einem Motorrad musste ich in den Graben flüchten und ich wurde von einer Kuh gegen ein Motorrad gepresst. Die weiss anscheinend, dass sie heilig ist. Der Weg war nämlich breit genug für uns beide. Und man meint ja, eine Kuh könne ein paar cm ausweichen, wenn sie jemandem begegnet. Nö. Der Schwächere gibt nach 😉 Mit Kühen hab ichs ja im Moment. Beste Freunde werden wir wohl in nächster Zeit nicht. Mit den Affen könnte das schon eher was werden. Diese Nacht schlaf in wieder auf dem Dach, mal sehe, wie sich da unsere Beziehung entwickelt 😀

Aber nochmal zurück zum Verkehr 🙂 die Schule ist zu Fuß 30 min. vom Gasthaus entfernt, je nachdem wie heiß es ist oder wie motiviert zur sportlichen Tätigkeit ich bin, Laufe ich oder nehme für 25ct eine Riksha. Und ja, bei 36 Grad 30 min zu laufen, kann man als Sport bezeichnen. Dazu kommt ja noch, dass man alle 10m jemanden abwimmeln muss, der einem in der Riksha fahren will, oder der einem zu seinem Shop führen, wo es genau die gleichen Klamotten gibt, die ich habe, und das nur für 1,20€ pro Stück. Nicht unbedingt verlockend. Weil die Klamotten, die ich gekauft habe alles verfärbt haben und sich schon fleißig auflösen 😀 Außerdem muss man darauf achten, sich nicht in einer Schnur von einem kaputten Drachen zu verfangen (Inder lieben es, Drachen steigen zu lassen) , nicht in Müll zu treten, keinen Kuhfladen zu erwischen und nebenbei weder von einem Fahrrad, einer Fahrradriksha, Motorriksha, einem Motorrad oder einer Kuh überfahren zu werden. Oder totgetrampelt. Wie gesagt, ich habs nicht so mit Kühen. Ich finde das verdient die Bezeichnung Hochleistungssport. Außerdem ist das der Beweis für die Multitaskingfähigkeit der Menschen. Nicht für meine, aber die der meisten Inder. Immerhin gibt es jede Menge von ihnen, also müssen sie in dem Chaos zurechtfinden.

Mein Verhältnis zu Affen bleibt weiterhin angespannt. Diese Nacht habe ich wieder auf dem Dach geschlafen, weil es hier so schön kühl und windig ist. Ich kann es kaum glauben, aber mir war tatsächlich kalt. KALT. In Indien. Das muss ich erstmal verdauen. Wegen der Kälte konnte ich nur 2 Stunden schlafen. Dabei is doch Sonntag! Der einzig freie Tag in der Woche. Ich wollte mindestehns 10 Stunden schlafen. Und jetzt liege ich morgens um 6:15Uhr auf dem Bett und schreibe. Ich sag ja, seit ich hier bin, bin ich komisch. Ich liege also seit 4Uhr (!!!) morgens wach und beobachte den Sonnenaufgang. Und gerade, als die Sonne tatsächlich aufgeht und ich Bilder machen will kommen die Affen. War ja klar. Die sind bei mir jetzt auch unten durch.

Aber es war trotzdem wunderschön auf dem Dach. Planänderung, das Dach vom Gasthaus ist mein neuer Lieblingsplatz. Einfach nur in den Sternenhimmel zu schauen und sich dabei glücklich und frei fühlen. Das ist toll! Obwohl ich nicht wirklich geschlafen habe war ich glücklich. Und das soll was heißen, immerhin bin ich ohne Schlaf im Normalfall der am schlechtesten gelaunte Mensch des Universums. Indien macht irgendwas mit mir. Keine Ahnung, was, aber ich schwöre, ich habe keine der häufigeren Drogenangebote angenommen. Ich glaub ic muss mir Sorgen machen, dass ich schon öfters angesprochen wurde… Vielleicht liegt mein Stimmungshoch auch einfach nur daran, dass ich freiwillig hier bin, ohne Druck oder Zwang vor mich hin existiere und  zu nichts verpflichtet bin. Da macht das Leben doch gleich viel mehr Spass! Was noch toll ist: ich möchte Oreo danken. Auf Oreo ist Verlass. Ich musste zwar 7 Minikioskbesitzer befragen, bis ich die Keksebekommen habe, aber sie sind da! Kekse, die schmecken und auch noch vegan sind! Und sie kosten weniger als 50ct 😀

So, jetzt legte ich mich doch nochmal schlafen.

Bis bald 🙂

Julia

Donnerstag. Mir fällt kein kreativer Name ein.

„Denk nur an die armen Kinder aus Afrika, die wären froh, wenn sie zur Schule gehen DÜRFTEN und würden sich freiwillig hinsetzen, um zu lernen“

Wer hat sich bitte diesen Schwachsinn ausgedacht? Lüge. Große Lüge. Eltern seid stolz auf eure Kinder und deren Schulleistungen. Natürlich kann ich das nicht beurteilen, weil hier nun mal keine arme, afrikanische Kinder sind. Ja, wer hätte das gedacht. Auf arme indische Kinder trifft es jedenfalls nicht zu. Nicht auf die Kinder aus der Badi Asha School. Vermutlich sind sie froh, in die Schule gehen zu können, da die Alternative betteln and arbeiten ist. Aber deshalb im Unterricht aufpassen? Neee.

Heute war ich das erste mal im Englischunterricht für Frauen. Er findet abends statt und alle waren total begeistert, dass ich da war. Sie haben sich bedankt, dass sie sich mit mir unterhalten konnten. Also das ist dann doch zu viel. Immerhin bin ich nicht die Queen. Auch wenn ich mir so vorkomme. Ständig winken mir Leute zu, Kinder rennen hinter der Riksha her. Da muss man ja aufpassen, nicht vollkommen abzuheben. Aber dafür sorgen die Kühe. Jaja, schon wieder. Heute in Flipflops gestolpert und vollekanne mit der Fußspitze in einen noch warmen Kuhfladen getreten. Wenigstens war ich auf dem Weg zum Gasthaus. Was bin ich bloß für ein Glückspilz. Zurück zum Unterricht. Das soll eine Art Austausch werden. Sie sollen von mir englisch lernen (vor allem die Aussprache und Grammatik. Nicht lachen, meine Aussprache ist im Vergleich zur indischen quasi perfekt 😀 ) und sie bringen mir hindi bei. Ich find das eine super Idee 🙂 Eins der Mädchen (16Jahre) hat mir flüsternd anvertraut, dass sie am liebsten kurze Kleidung trägt. Bikinis findet sie Klasse! Das hat sie quasi gebeichtet. 😉 Ich freu mich schon auf morgen. Heute abend hat mich Nehas Bruder, der mich auch in hindi unterrichtet, Vokabeln abgefragt, die er mir heute mittag gesagt hat. Nur Elefant wusste ich noch. Hathi. Das hat er aber nicht gefragt. Heute abend muss ich also noch fleißig lernen.

Ich hab mal wieder auf dem Dach vom Gasthaus geschlafen. Hier ist es kühler als in meinem Zimmer und windiger. Aber dafür schlafe ich hier auf einer Strohmatte auf Betonboden. Blaue Flecken sind der Beweis für den Komfort. Naja, man muss Prioritäten setzen 🙂 Und ich erinnere an meine Freunde, die Affen. Immerhin haben sie heute bis 6 gewartet, dann musste ich wieder rein. Gnädig, gnädig.

Abends war ich noch mit Emma und Oly aus England bei irgendeinem Festival am Ganges. Was das war, weiss ich auch nicht, nur ein paar Fakten: zu viele Menschen auf zu wenig Platz bei zu lauter Musik. Ein halbnackter Mann hat über eine Halbe Stunde im Ganges gebadet, davor haben feierlich gekleidete Männer mit Räucherstäbchen gespielt und am Ende in irgendwelche Instrumente geblasen. Die weder gleichmäßig bespielt wurden, noch gestimmt waren. Wems gefällt… Im Hintergrund haben Leute in Booten protestiert, da sie keine Einnahmen machen. In der Regenzeit dürfen keine Boote den Ganges überqueren. Ab heute ist es wieder erlaubt 🙂

Achja, wie ihr vielleicht bemerkt habt, sind mittlerweile weniger Fehler im Text. Nicht, dass ich Auto korrekt ausstellen konnte, aber ich kann jetzt zwischen englisch, französisch und deutsch wählen. Und anscheinend hat das Auto orrekt dazu angespornt, mehr Deutschvokabeln ins Repertoire aufzunehmen…

Ich geh dann mal Vokabeln lernen. Und schlafen. Schlafen ist schon was schönes. Ich komme nur zu selten dazu. Varanasi ist immer busy. Tut mir leid, mir fällt gerade kein passendes deutsches Wort ein. Jedenfalls steckt das an.

Gute Nacht!

 

Namaste meine Freunde!

Einen Anlass für diesen Eintrag gibt es nicht direkt-mir macht nur dass schreiben Spass, außerdem fallen mir ständig neue Sachen ein, die ich erzählen will 😀

Also für die unter euch, die der Sprache Hindi noch nicht mächtig sind, Namaste bedeutet soviel wie Hallo. Ich glaube es kann auch tschüss heissen. Keine Ahnung. Jedenfas möchte ich hindi lernen 🙂 Einerseits um mich besser verständigen zu können, andererseits weil mir das lernen fehlt. Komisch das zu sagen. Und ja ich weiss, gerade in einer neuen Kultur lernt man ständig dazu (zum Beispiel, wie kostbar Klopapier ist. Wo ich gerade dabei bin. Ich muss da was klarstellen. Es gibt Klopapier. Das kaufen aber nur Touristen. Und ich. Wollte ich nur mal gesagt haben.)

Achja beim Thema lernen bin ich. In den ersten Tagen, in der Depripihase, wusste ich nicht, was ich machen soll, also dachte ich, ich fange an das Homöopathiebuch, das ich von meiner Nachbarin bekommen habe, auswendig zu lernen. Das macht aber keinen Spass. Weil niemand mit mir darüber reden will und weil die Namen kompliziert sind. Und irgendwie muss ich was lernen. Das gibt mir Sicheheit. Ich find mich grad selber komisch 😉 Eigentlich soll ich ja nachmittags was mit den Kindern machen. Aber die kommen super ohne mich zurecht, also dachte ich, ich verschiebe die geplante Blockflötenplage auf später.Wie ich den Haufen verrückter und streitsüctiger Kinder zum Blockflöten bringen soll ist mir eh ein Rätsel. Aber das ist was anderes. Ich will hindi lernen. Die Ehre (und eine Packung Kekse als Dank) hat jetzt Neha, meine Hindilehrerin. Seit ich in der Schulbücherei ins Kindergartenstadium zurückversetzt werde gewinnt die Bücherei immer mehr an Interesse der Kinder. Man versuche mir hindi beizubringen und schon sind die Kinder still und passen genau auf. Und lachen mich aus. Das ist pädagogisch so was von daneben. Aber es sind ja Kinder, die dürfen das. Eigentlich ist es ganz lustig 😀 die Lehrer finden alle super, dass ich hindi lernen will und lachen sich mit den Kindern und mir kaputt. Ich bin ein guter Mensch. Mache so viele Menschen glücklich. 😉

Ein Grund, warum ich glücklicher bin, ist dass ich wohl das meiste annehme. Nicht die ganzen supergünstigen Qualitätsprodukte, sondern die Art der Menschen. Ich weiss jetzt, dass ich von Sunil und den Lehrerinnen unterstützt werde, wenn ich Probleme habe und Bablu vom Gasthaus ist auch lieb, er erzählt aus seinem Leben und ist halt da 🙂 und sagt mir, wofür ich welchen Preis bezahlen soll. Das reicht für den Anfang. Der restliche Teil Menschheit in Varanasi ist mir relativ egal. Da lasse ich halt, wenn ich fotografieren gehe, einen Typen 45min hinter mir herlaufen und unterhalte mich mit ihm über alles mögliche. Ich sehe es eher als eine Art Spiel. Ich erfinde mich neu und erzähle Mist. Ich weiss, kindisch. Macht aber Spass 😉 Um nochmal an den letzten Absatz anzuknüpfen (Deutschlehrer dieses Planeten, das ist der Beweis, dass ich nicht vollkommen unfähig bin). Auch von solchen Gesprächen lerne ich. Wehe jemand von euch nennt mich Streber 😀

Das Rikshaproblem ist noch nicht gelöst. Ich bin noch immer zu groß für Indien. Und die Schlaglöcher-es sind viele Schaglöche-werden geradezu von der Riksha, in der ich sitze, angezogen. Wo ich bei Anziehungskraft bin. Heute hätte mich beinahe ein Affe getroffen. Keine Ahnung ob das Kotwerfen für sich entdeckt hat oder einfach nur rücksichtslos nicht darauf geachtet hat, wo er hinmacht. Ich deute sein Nicttreffe mal als gute Ohmen. Davon hab ich mometan so viele. Ich erinnere an den Kuhfladen. Den ich getroffen habe.

Zum Thema treffen. Eine bestimmte Gruppe indischer Frauen (im bestimmten Stil gekleidet) findet es super, mich in den Arm zu kneifen. Da Laufe ich nichtsahnend durch die Gassen und werde in den Arm gekniffen. Schon bestimmt 5 mal.Ich glaube, jemand hat denen gesagt, das würde Glück bringen. Möge derjenige bitte verbreiten, dass das Pech und Unheil bringt? Danke.

Gestern abed war ich das erste mal alleine in einem indischen restaurnt. Das Essen hat nicht wirklich geschmekt, aber egal. Immerhin hab ichs probiert. Etwas, was ich glaube ich noch nicht erzählt habe ist, dass Inder nicht wie wir aus der Flasche trinken. Also Flasche an den Mund und Getränk in den Mund. Inder schütten sich Getränke in den Mund, ohne die Falsch mit dem Mund zu berühren. Hygienisch sehr lobenswert. In dem Restaurant standen aber keine Flaschen sondern Krüge. Wie in Jugendherbergen. Daraus konnte man trinken. Wobei ich nicht zu man gehöre. Ich habe mir natürlich das Wasser übers Tshirt und die Hose gekippt. Sofort habe ich arme unfähige Ausländerin einen Becher bekommen. Viel besser war das nicht 😉

Das wars für heute 🙂

Ich freue mich, dass ihr auf meinem Blog mitlest 🙂

Liebe Grüße, Julia